Der Beitrag verfolgt die These, dass Überzeugungen von Lehrkräften und Spiritualität von Religionslehrkräften funktionale Äquivalente darstellen. Ausgehend von der pädagogischen Professionsforschung wird zunächst ein Komponentenmodell vorgestellt, das die Beziehung zwischen Persönlichkeit der Lehrkraft und Unterrichtswirksamkeit abbildet. Dieses Modell umfasst personale Merkmale (Herkunft, religiöse Sozialisation, Emotionen, Überzeugungen, Spiritualität), Ausbildung (fachwissenschaftlich, fachdidaktisch, bildungswissenschaftlich), Professionalität (Professionswissen, motivationale Orientierungen, Selbstwirksamkeit) und Ertrag (Schülerlernerfolg, Berufszufriedenheit). Im zweiten Teil werden Überzeugungen analysiert als subjektive Urteile über Richtigkeit oder Falschheit von Vorstellungen. Überzeugungen sind handlungswirksam, plastisch veränderbar, können widersprüchlich sein und beeinflussen Wahrnehmung und Handlung von Lehrkräften. Im dritten Teil wird das Konzept der „offenen Spiritualität" entwickelt – eine Spiritualität, die nicht allein kirchlich formatiert ist und sowohl Geschenkcharakter als auch praktische Nützlichkeit besitzt. Der Autor zeigt empirisch an Daten aus der Studie „Spirituelle Selbstkompetenz", dass Religionslehrkräfte Spiritualität als praktisch erweisbar und gleichzeitig unverfügbar verstehen. Spiritualität kann professionell entwickelt werden und verhält sich analog zu Überzeugungen bezüglich ihrer Handlungswirksamkeit. Der Artikel identifiziert drei Dimensionen von Spiritualität: Wahrheitsfrage (Spiritualität als Kern der Religion), mystische Praxis (kontemplative Erfahrung) und integrativer Aspekt (Verbindung von geistlichem und weltlichem Leben). Abschließend wird argumentiert, dass die Religionspädagogik Spiritualität stärker in Aus- und Fortbildung berücksichtigen sollte, ohne diese didaktisch zu verzwecken, da Spiritualität ein „kostbarer Schatz" bleibt, der Lernprozesse personalisiert und damit jenseits kognitiver Anstrengung zugänglich macht.