Der Artikel behandelt die Herausforderung der ökologischen Krise für die Religionspädagogik. Bederna argumentiert, dass das zentrale Problem nicht technisch, sondern kulturell ist: Es mangelt nicht an Wissen über die Bedrohungen, sondern am Willen und der Entschlossenheit, nachhaltig zu handeln. Die Autorin entwickelt zunächst ein Verständnis von religiöser Bildung für nachhaltige Entwicklung (rBNE), das auf Wolfgang Klafkis Konzept der epochalen Schlüsselprobleme aufbaut. Sie begründet, warum sich Religionspädagogik von der ökologischen Krise herausgefordert sehen muss: erstens, weil Bildung sich an gegenwärtigen und zukünftigen Problemen ausrichten sollte; zweitens, weil religiöse Bildung die Glaubensinhalte in Zeiten der Nicht-Nachhaltigkeit neu interpretieren muss; drittens, weil Religion einen spezifischen kulturellen Beitrag zur Überwindung der Krise leisten kann – nicht primär durch Resilienz, sondern durch Empowerment, ethische Urteilskompetenz und die Vermittlung einer anderen Vorstellung guten Lebens (Suffizienz). Im zweiten Teil entfaltet Bederna ein erstes didaktisches Modell, das religiöse Bildung in den Kontext der Lebenswelt der Lernenden verortet und die Dimensionen des Christentums (gemeinschaftlich-sakramental-ästhetisch-zeitlich und theologisierend) mit entsprechenden Lernformen verbindet. Sie zeigt auf, wie performatives, ästhetisches, anamnetisches und anderes Lernen zur Überwindung der Wissens-Handlungs-Kluft beitragen kann. Zugleich etabliert sie Kriterien für rBNE, die unter dem Akronym 5k3P zusammengefasst werden (kontrovers, kritisch, komplex, kontextorientiert, konstruktiv, Praxis, Partizipation, Politik). Im dritten Teil führt Bederna Frank Brosows TRAP-Mind-Theory bzw. DNA-Matrix des Philosophierens ein, um didaktisch zu klären, wie Theologisieren zur Motivations- und Handlungsrelevanz beitragen kann. Brosow unterscheidet vier Niveaus von Gründen: intuitives Denken (D), Nachdenken (N), dialogisches Argumentieren (A) und systematisches Philosophieren (P). Die Matrix kann angewendet werden, um zu analysieren, auf welchen Ebenen des Raums der Gründe unterrichtliche Interventionen ansetzen. Bederna argumentiert, dass das Ziel nicht ist, dass Schüler*innen universale Gründe für Nachhaltigkeit austauschen können, sondern dass die Auseinandersetzung im pluralen Raum der Gründe zu besseren Intuitionen und einer anderen Normalität führt. Religiöse Gründe (Schöpfungsvision, Glaube an Gott als Unterbrecher des Nichtnormalen, Deutung von Wesen als Gabe) können zusätzliche Motivationsfaktoren bieten. Abschließend wird ein modifiziertes Modell vorgestellt, das zeigt, wie Theologisieren über Erfahrungen zu neuer Intuition und veränderter Praxis führen kann.