Der Artikel diagnostiziert eine grundlegende Sprachkrise im religiösen Diskurs, die über bloße sprachliche Oberflächenprobleme hinausgeht. Langenhorst argumentiert, dass die seit über 40 Jahren beklagte Defizitdiagnose religiöser Sprache das eigentliche Problem verfehlt: Sprache, Denken und Glaube sind vielfältig miteinander verwoben. Die zentrale These besagt, dass es nicht um eine bessere, modernere Verpackung traditioneller Inhalte geht, sondern um eine grundsätzliche Neubesinnung. Das Konzept des 'Theotops' beschreibt den schrumpfenden Lebensraum religiöser Selbstverständigung. SINUS-Milieustudien zeigen, dass selbst in den Kernmilieus des Katholizismus traditionelle Frömmigkeit an Bedeutung verliert. Besonders bei Kindern und Jugendlichen zeigt sich: Sie sind 'religiöse Touristen', die sich selbst ein Überzeugungsgemisch zusammenbauen und der Kirche 'fremd bleiben'. Auf die Krise des Theotops lassen sich drei Reaktionsmöglichkeiten ausmachen: (1) Rückbesinnung auf klassische Regeln in modernisierter Sprache; (2) Verzicht auf Vermittlung von Sprachkompetenz zugunsten reiner Beobachtung; (3) Neubefragung der Plausibilität traditioneller Vorgaben selbst. Der innovative Ansatz liegt in einer Neuinterpretation des Erlösungsbegriffs. Statt klassischer Deutungen (Erlösung von Ursünde, Entfremdung, Sinnlosigkeit, Orientierungslosigkeit) schlägt Langenhorst vor, Erlösung als das 'Ja des Seindürfens' (Martin Buber) zu verstehen – fundamentiert auf dem Gedanken 'esse est percipi' (George Berkeley): Sein ist Wahrgenommen-Werden. Viele Kinder und Jugendliche leiden daran, nicht wahrgenommen zu werden und verzweifeln um Selbstwert und Identität. Diese Perspektive wird durch entwicklungspsychologische Theorien und empirische Phänomene gestützt (Google Earth, Blogs, Reality-TV). Auch zeitgenössische Literatur (Felicitas Hoppe, Peter Handke, Esther Maria Magnis, Botho Strauß) dokumentiert diese Sehnsucht nach bedingungslosem Angenommen-Sein durch einen 'Gott, der mich sieht'. Für die Religionspädagogik folgt: Das Fundament ist nicht Anspruch, sondern Zuspruch – bedingungslose Zusage vor allen Anforderungen. Dies ist das Zentrum christlichen Verständnisses (Seligpreisungen, Doppelgebot der Liebe, Sakramente). Die Aufgabe liegt darin, Kinder und Jugendliche sprachfähig zu machen – nicht durch Verfremdung, sondern durch wohlreflektierte neue sprachliche Affirmation. Tradition (klassische theologische Sprache) und innovative Sprachversuche müssen produktiv zusammenwirken in einer 'vielstimmig ausgeweiteten Religionsdidaktik'.