Der Artikel befasst sich mit einer grundlegenden Problematik des Religionsunterrichts: dem Abstand zwischen kirchlicher Sprache und der Sprache von Kindern und Jugendlichen. Die Autorin beginnt mit einer Analyse derzeit gültiger Lehrpläne aus Nordrhein-Westfalen und stellt fest, dass die darin formulierten Kompetenzen zur religiösen Sprachfähigkeit nicht konsistent aufeinander aufbauen und teilweise in ihrer Progression unklar bleiben. Sie würdigt dann Hubertus Halbfas' Pionierwerk zur religiösen Sprachlehre aus den 1960er-Jahren kritisch. Während Halbfas verdient gemacht hat, auf die basale Unterscheidung zwischen mythischer und logischer Sprache hinzuweisen und eine systematische religiöse Sprachlehre mit stufenweisem Lernzuwachs zu entwickeln, wird seine klassisch-hermeneutische Ausrichtung als nicht mehr ausreichend für gegenwärtige Anforderungen kritisiert. Aktuelle empirische Studien (Altmeyer, Meyer/Wichard, Schulte) zeigen, dass Jugendliche zwar nicht über biblisch geprägte Sprache verfügen, aber durchaus religiös sprechen können. Dies führt zur Erkenntnis, dass religiöse Sprachbildung die Sprache der Jugendlichen ernst nehmen muss. Die Autorin formuliert drei Grundsätze: Erstens muss religiöse Sprachbildung Korrelation ermöglichen, das heißt, überlieferte Sprachformen und gegenwärtiges religiöses Sprechen müssen produktiv aufeinander bezogen werden. Zweitens muss sie zur Sprachkritik befähigen, wobei überlieferte wie gegenwärtige Sprache kritisch überprüft werden. Drittens muss sie auf steten Lernzuwachs angelegt sein und entwicklungspsychologische sowie kognitive Voraussetzungen berücksichtigen. Zur Konkretisierung nutzt die Autorin eine Papstrede an Jugendliche, um zu zeigen, wie religiöse Sprachbildung in der Oberstufe praktiziert werden kann. Sie entwickelt schließlich Kompetenzformulierungen, die zeigen, dass Sprachsensibilität immer auch inhaltliche theologische Auseinandersetzung voraussetzt.