Die Studie verfolgt das Ziel, das bislang wenig erforschte Feld der Synagogenpädagogik empirisch zu erschließen und Lernprozesse sowie -effekte bei Schüler/-innen durch den Besuch außerschulischer Lernorte zu untersuchen. Dabei werden zwei unterschiedliche Lernorte verglichen: eine aktive Synagoge in Bochum mit biografisch-konfessionellem Ansatz und eine ehemalige Synagoge in Essen als Museum jüdischer Kultur mit kulturhistorisch-museumspädagogischem Ansatz. Die Studie basiert auf der Kontakthypothese von Allport und dem Dreikomponentenmodell der psychologischen Einstellungsforschung (affektiv, kognitiv, konativ). Es handelt sich um eine Interventionsstudie mit Prä-Post-Design und zwei Messzeitpunkten mit insgesamt 199 Schüler/-innen aus drei Hauptschul-, sechs Gymnasialklassen und einer Berufskollegklasse. Als Erhebungsmethoden wurden halbstandardisierte Interviews, teilnehmende Beobachtung der Führungen und schriftliche Fragebögen eingesetzt. Die Interviews wurden mittels qualitativer inhaltsanalytischer Verfahren ausgewertet, die Fragebögen quantitativ mit SPSS analysiert. Die Ergebnisse zeigen signifikanten kognitiven Lernzuwachs an beiden Lernorten, besonders bei Wissen über Synagoge, Tora, jüdische Feste und Gebetsrituale. Konkret-anschauliche Objekte in Verbindung mit informativen oder biografischen Erläuterungen fördern nachhaltiges Lernen. Die biografisch-bekenntnisorientierte Führung in Bochum zeigt höhere Lerngewinne bezüglich der Wahrnehmung des Judentums als lebendige Religion. Performative und interaktive Elemente (z.B. Tragen einer Kippa) steigern den Lerngewinn unabhängig vom Lernort-Typ. Affektiver und konativer Lernzuwachs sind schwächer ausgeprägt, da Schüler/-innen im Alltag wenige Berührungspunkte mit dem Judentum haben. Die Studie formuliert fünf Thesen zum interreligiösen Lernen an außerschulischen Lernorten und verweist auf die Grenzen von Synagogenbesuchen für intensives Begegnungslernen, da zentrale Kriterien wie wechselseitige Abhängigkeit und gemeinsame Ziele fehlen.