Der Artikel setzt sich zum Ziel, unkonventionelle Formen politischer Partizipation (Protest, Widerstand) als legitime Bildungsziele zu begründen. Zunächst wird die kritische politische Bildung in ihrer Methodologie und ihren Zielen dargestellt. Der Autor argumentiert, dass die pessimistischen Diagnosen der zeitgenössischen Demokratietheorie (Postdemokratie, Abstiegsgesellschaft, Entdemokratisierung) zeigen, dass konventionelle Partizipationsformen wie Wahlteilnahme für eine substanzielle Veränderung unzureichend sind. Im Kontext dieser krisenhalten Gegenwart benötigt kritische politische Bildung aus motivationalen Gründen eine utopische Orientierung. Der Autor rekonstruiert die klassische Theorie kritischer politischer Bildung von Rolf Schmiederer (1970er-Jahre), der unter Rückgriff auf Herbert Marcuse politische Bildung als Kampf um Emanzipation und Transformation der Gesellschaft verstand. Schmiederer betont die Notwendigkeit utopischen Denkens, das nicht idealistische Träumerei ist, sondern die bereits im Bestehenden angelegten Möglichkeiten einer befreiten Gesellschaft aufspürt und freileot. Der politische Unterricht muss Schülerinnen und Schüler befähigen, herrschaftskritisch zu denken und alternative Modi politischer Willensbildung kennenzulernen. Abschließend identifiziert der Autor gemeinsame Anliegen politischer und religiöser Bildung, etwa bezüglich Menschenbildes, Emanzipation und Kritik an hegemonialen Ideologien und Herrschaftsverhältnissen.