Bert Roebben reflektiert in diesem unkonventionellen Essay die religiöse Bildung in Europa unter den Bedingungen der Corona-Pandemie. Der Artikel verbindet drei narrative Stränge: Erstens berichtet Roebben von seinen europäischen Erfahrungen als Religionspädagoge seit den 1990er Jahren, insbesondere von Begegnungen mit tschechischen Kolleginnen und Kollegen wie Ludmila Muchová und František Štěch sowie von Einflüssen durch Václav Havel und Milan Kundera. Diese Erfahrungen offenbaren die existenzielle Tiefe eines Freiheitsdiskurses, der Hoffnung als verbindenden Faktor versteht. Zweitens beschreibt Roebben ein konkretes Forschungsprojekt (SpiRiTex) mit internationalen Theologiestudierenden in Prag, bei dem diese in die Krypta einer barocken Kirche hinabsteigen, um in Stille und Leere den geistlichen Kern ihres Glaubens neu zu entdecken. Diese "Performance der Leere" wird zur Metapher für das Lernen in Krisensituationen. Drittens wendet Roebben diese Erfahrungen auf zentrale religionspädagogische Kategorien an und stellt kritische Fragen zur Zukunftsfähigkeit etablierter Konzepte. Das Leitmotiv der Reflexion ist Johann Amos Comenius' Didacta Magna, verfasst während des Dreißigjährigen Krieges als Entwurf einer Pädagogik für das friedliche Europa post bellum. Roebben argumentiert, dass die Corona-Krise eine existenzielle Herausforderung darstellt, die von der Religionspädagogik verlangt, sich in ihrer ganzen Verletzlichkeit neu zu durchdenken. Die Zeit der "easy coherence" ist vorbei; stattdessen müssen Pädagogen und Theologen in Zeiten der "rough coherence" oder "non-coherence" zusammen mit Studierenden auf "equal terrain" neue Formen des Theologisierens entwickeln. Der Artikel endet offen als Einladung zum Weiterdenken und betont die Bedeutung von Hoffnung, Sprache und gegenseitiger Solidarität in der Bewältigung von Krisen.