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EulenfischJoachim Schmiedl

Eulenfisch,

Joachim Schmiedl

Rezension: Ulrich L. Lehner: Mönche und Nonnen im Klosterkerker

Veröffentlichung:13.10.2017

Rezension der Veröffentlichung Mönche und Nonnen im Klosterkerker von Ulrich L. Lehner, erschienen im Eulenfisch Literatur Magazin.

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Ein verdrängtes Kapitel Kirchengeschichte Einer dunklen Seite der Kirchen- und Ordensgeschichte spürt der in Milwaukee lehrende Kirchenhistoriker Ulrich Lehner nach. Seine detektivische Suche nach Quellen führte ihn in 19 staatliche und kirchliche Archive in Österreich, Deutschland und Polen. Anfangs wollte er selbst nicht glauben, dass in der Frühen Neuzeit in Männer- und Frauenorden eine parallele Justiz herrschte, die Mitglieder zu jahre-, ja jahrzehntelanger Kerkerhaft, zu regelmäßigen Auspeitschungen, zu Fasten bei Wasser und Brot, zu Vernachlässigung gesundheitlicher Versorgung verurteilte. Doch die Funde in den Archiven belehrten ihn eines Besseren. Zwar wurden in vielen Akten in den Klosterarchiven Vorgänge entnommen, doch existiert eine wenig beachtete Literatur zu Kriminalprozessen in religiösen Gemeinschaften, die deutlich macht, dass angebliche Mythen von finsteren Klosterkerkern ihren Wahrheitsgrund im Verschweigen und Vertuschen der Orden hatten. Betroffen von Klosterhaft waren in der Frühen Neuzeit vor allem drei Personengruppen: Mönche und Nonnen, die als Geisteskranke eingestuft wurden und mit ähnlichen Strafen traktiert wurden wie im weltlichen Recht (Kerkerhaft und Auspeitschung); Ordensleute, die ihr Kloster verlassen wollten und auf der Flucht erwischt wurden; solche, die sich eines Delikts schuldig gemacht hatten, besonders sexueller Art. Die Kerker existierten teilweise bis zur Säkularisation, obwohl die weltlichen Gesetze die autonome Klostergerichtsbarkeit schon längst verboten hatten. Lehner weist zu Recht darauf hin, dass sich die Kerker auf Frauenklöster und Bettelorden beschränkten. Die neuen, ab dem 16. Jahrhundert gegründeten Orden wie die Jesuiten hatten in ihren Konstitutionen die Möglichkeit der Entlassung ungeeigneter Mitglieder. So kann es sich bei delinquenten Ordensleuten zum einen um die Folge ungehemmten Mitgliederwachstums handeln, zum anderen um eine Situation vor einer besseren Auslese der Mitglieder. Ein schwieriges Thema, das voller Grausamkeit steckt, hat Lehner angerissen. Er schätzt für die bayerischen Franziskaner, dass etwa zwei Prozent der Brüder eingekerkert wurden. Auch im Blick auf die gegenwärtige kirchliche Situation (Missbrauchsfälle) kann man nur seiner Schlussfolgerung zustimmen, „das Verschwiegenheitsprinzip ernst zu nehmen und auch die inneren Disziplinprobleme der Orden und des Weltklerus besser aufzuarbeiten, als dies bisher geschehen ist.“ Kevelaer: Verlagsgemeinschaft topos plus. 2015 174 Seiten 9,95 € ISBN 978-3-8367-1004-6

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