Der Einsteig gelingt über ein Rollenspiel zur Fluchterfahrung in neun Schritten. Dabei übernehmen die Lernenden die Rollen von Flüchtlingen. Dabei handelt es sich um eine interaktive Geschichte, in der die erfolgreiche Flucht von den Entscheidungen in den neun Schritten abhängt. Die Handlungen des Lehrenden sind im tabellarischen Entwurf vermerkt und erläutert. Jede Person, die auf der Flucht durch getroffene Entscheidungen scheitert, bekommt einen grünen Punkt für gefangene Personen oder einen roten für tote Personen aufgeklebt. Entscheidungen können Personen schwächen oder verletzen. Dann ist es im Verlauf der Schritte wahrscheinlicher, dass sie weitere Strapazen nicht überleben oder gefangen werden. Farben bestimmen, wie wahrscheinlich ein Fluchterfolg in der Geschichte ist. Rote Rollenkarten werden wahrscheinlich sterben. Je nach Teilnehmeranzahl werden mehr Rollen verteilt, auch die komplexeren Rollen wie Schwangere oder behinderte Personen werden dann vergeben. 9-25 Teilnehmer sind möglich. Eine detaillierte Auswertungsanleitung nach Spielabschluss liegt bei.
In Schritt eins suchen die Familienmitglieder einander. Da die Rollenkarten mit Klebeband auf der Kleidung angebracht werden, ist dies zügig möglich.
Schritt zwei spielt auf einer Demonstration gegen die Regierung. Alle werden verhaftet und füllen in Einzelarbeit einen Fragebogen der Geheimpolizei aus. Dabei verzichten die Personen mit zehn Unterschriften auf zehn Grundrechte. Nach ihren Rollenkarten fällt ihnen das unterschiedlich schwer. Eine sehr religiöse Person soll z. B. auch auf ihren Glauben verzichten.
In einem dritten Schritt bleibt also nur die Flucht. In nur einer Minute sollen fünf Dinge aufzuschreiben, die unbedingt mitgenommen werden müssen. Der vierte Schritt wird ein Fluchtweg gewählt. Links oder rechts. Die Entscheidung hat Folgen. Eine der zwei entstehenden Gruppen wird gefangen Im fünften Schritt ist der Weg zur Landesgrenze mit dem Bus nur möglich, wenn jemand in Schritt drei Geld eingepackt hat. Schritt fünf in der Ausweiskontrolle kann nur weiterfahren, wer in Schritt drei einen Ausweis mitgenommen hat. Der Bus ist zu schwer jeder muss ein Gepäckstück aus Schritt drei zurücklassen. In Schritt sechs wird die Grenze überquert. Die Grenzpolizei verhaftet die Personen, die durch ihre Rolleneigenschaften nicht schnell genug oder verletzt sind.
Im siebten Schritt soll ein Schleuser die Flüchtenden über das Mittelmeer bringen. Dafür muss bezahlt werden. Die Flüchtenden verhandeln mit dem Geld und Gepäck, das sie noch haben. Ohne Wasser werden alle schwächer, wenn keine Person in Schritt drei Wasser oder Lebensmittel eingepackt hat. Die in ihren Rollenkarten als alte Personen beschriebenen Flüchtenden überleben die Hitze nicht und bekommen einen roten Punkt. Junge Personen ohne Wasser bekommen ebenfalls einen roten Punkt und sind somit gestorben.
Im letzten Schritt treffen die Flüchtenden in ihrem Zielland ein. Dort sollen sie einen nicht übersetzten Asylantrag ausfüllen und empfinden nun die Verzweiflung der Flüchtenden noch einmal nach.
Nach Abschluss der Reflexion werde im nächsten Abschnitt Fluchtursachen und eine Definition für Flucht entwickelt. Ein Material zeigt die Definition der Genfer Flüchtlingskonvention auf. Ein Video zu Fluchtursachen kann eingesetzt werden. Das Video ist im drop-down Menü „Eingebettete Medien“ auf dieser Seite zu finden. Angegebene Bilder sind nicht im Material enthalten. Ein antizipiertes Tafelbild zu Fluchtursachen ist angegeben.
In einem weiteren Schritt werden Flüchtlingsströme untersucht. Da diese Zahlen nicht mehr aktuell sind, wird empfohlen, auf dieses Segment zu verzichten oder ein Video zu verwenden, das ebenfalls im drop-down Menü „Eingebettete Medien“ auf dieser Seite zu finden ist.