Welche Rolle spielt Religion in Migrationsprozessen, und wie kann Religionspädagogik migrationssensibel gestaltet werden? Diese Fragen standen im Zentrum einer Tagung der Gesellschaft für Religionspädagogik (GwR), deren Diskussionsergebnisse dieser Beitrag zusammenfasst. Der Text dokumentiert, dass Religion lange Zeit als Kategorie in der Migrationsforschung vernachlässigt wurde – erst in den letzten Jahren rückte sie verstärkt in den Fokus, insbesondere mit Blick auf Diskriminierungserfahrungen von Migrantinnen und Migranten in Einwanderungsländern.
Der Tagungsrückblick strukturiert die Debatten um drei zentrale Themenkomplexe: Erstens wird unter der Topologie des Fremden analysiert, wie pädagogische Praxis Menschen mit Migrationshintergrund als „die Anderen" konstruiert und wie eine sensible Pädagogik diese binären Setzungen durchbrechen kann – durch personale Sensibilität (Respekt vor dem Einzelnen) und prozessuale Sensibilität (Verständnis der subtilen Mechanismen von Differenzkonstruktion). Zweitens werden kontrastierende theologische Perspektiven dargestellt: Migration als mögliche Gnadenerfahrung und Beitrag zur Heilsgeschichte (katholische Position) versus Migration als Krise und Herausforderung (andere theologische Deutungen). Drittens werden schulische Lehr-Lernprozesse in den Blick genommen.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Frage, wie religiöse Bildung im Kontext von Migration funktionieren kann – etwa als Erinnerungsarbeit, die authentische Religiosität ermöglicht, oder durch Projekte in der Lehrerausbildung, die interkulturelle Begegnung postkolonial reflexiv gestalten. Der Beitrag verdeutlicht, dass Migrationssensibilität nicht nur pädagogische, sondern auch theologische und fachdidaktische Dimensionen hat und dass sie auf gemeinsamen Grundwerten wie Menschenwürde und Religionsfreiheit aufbauen sollte.