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Samuel Jajalian

Samuel Jajalian

Determinismus einfach erklärt

Veröffentlichung:8.1.2021

Das Medium beschäftigt sich mit der philosophischen Frage nach der Freiheit des menschlichen Willens und führt damit in eine grundlegende Fragestellung des menschlichen Selbstverständnisses ein. Im Zentrum steht die Frage, ob Menschen ihre Entscheidungen tatsächlich frei treffen können oder ob Denken, Wollen und Handeln durch vorausgehende Bedingungen bestimmt sind. Damit werden die zentralen Begriffe Willensfreiheit, Handlungsfreiheit und Determinismus berührt. Das Medium eignet sich dazu, unterschiedliche Vorstellungen von Freiheit zu unterscheiden und die Frage aufzuwerfen, unter welchen Voraussetzungen ein Mensch für sein Handeln verantwortlich gemacht werden kann. Gerade diese Verbindung von Freiheit, Entscheidung und Verantwortung eröffnet Anknüpfungspunkte für ethische und religiöse Fragestellungen. Dass das Video ausdrücklich zur Erarbeitung der Begriffe Handlungsfreiheit, Willensfreiheit und Determinismus eingesetzt wird, ist auch in einem schulischen Lehrplan dokumentiert.

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Das Medium eignet sich für den Religionsunterricht insbesondere im Zusammenhang mit den Themen Freiheit, Verantwortung, Schuld, Gewissen und christliches Menschenbild. Für Lernende der Jahrgangsstufe 10 ist die Frage nach der eigenen Freiheit unmittelbar lebensweltlich relevant. Jugendliche treffen zunehmend selbstständige Entscheidungen und erfahren zugleich, dass ihr Handeln durch Familie, gesellschaftliche Erwartungen, Freundeskreis, soziale Medien, körperliche Voraussetzungen und persönliche Erfahrungen beeinflusst wird. Die philosophische Frage nach der Willensfreiheit ermöglicht es, diese Erfahrungen zu reflektieren und mit religiösen Vorstellungen von Freiheit und Verantwortung in Beziehung zu setzen.

Als Einstieg empfiehlt sich eine Positionierungsaufgabe. Die Lehrkraft stellt die Aussage in den Raum: „Jeder Mensch kann sich jederzeit frei entscheiden.“ Die Lernenden positionieren sich zunächst dazu und begründen ihre Einschätzung. Alternativ können konkrete Situationen vorgestellt werden. Beispielsweise kann gefragt werden, wie frei eine Entscheidung für bestimmte Kleidung ist, wenn sie durch soziale Medien und die eigene Gruppe beeinflusst wird, oder wie frei die Entscheidung gegen das Lernen für eine Klassenarbeit ist, wenn gleichzeitig ein starkes Bedürfnis nach Freizeit besteht. Dadurch wird deutlich, dass der alltägliche Begriff von Freiheit keineswegs eindeutig ist.

Das Medium kann anschließend mit einem gezielten Beobachtungsauftrag betrachtet werden. Die Lernenden notieren die zentralen Begriffe und halten fest, welche Argumente für beziehungsweise gegen die Annahme eines freien Willens erkennbar werden. Besonders wichtig ist die begriffliche Differenzierung zwischen Handlungsfreiheit und Willensfreiheit. Handlungsfreiheit betrifft die Möglichkeit, entsprechend dem eigenen Willen handeln zu können. Die weitergehende Frage der Willensfreiheit richtet sich dagegen darauf, ob auch der Wille selbst frei zustande kommt. Diese Unterscheidung sollte nach der Betrachtung des Mediums gemeinsam gesichert werden.

Methodisch bietet sich hierfür eine Tabelle oder ein Begriffsnetz an. In dessen Zentrum steht der Begriff Freiheit. Die Lernenden ordnen diesem Begriffe wie Wille, Entscheidung, Handlung, Ursache, Determinismus, Verantwortung, Gewissen und Schuld zu und erläutern die Zusammenhänge. Die Aufgabe fördert nicht nur das Verständnis philosophischer Fachbegriffe, sondern bereitet zugleich die religionspädagogische Vertiefung vor. Der schulische Lehrplan, in dem das Video als Recherchemedium genannt wird, verbindet die Beschäftigung mit diesen Themen ausdrücklich mit dem sachgerechten Gebrauch philosophischer Grundbegriffe sowie mit der schriftlichen Darstellung philosophischer Gedanken.

Eine besondere Bedeutung für den Religionsunterricht erhält das Medium durch die Frage nach der moralischen Verantwortung. Die Lernenden können untersuchen, ob ein Mensch für eine Handlung verantwortlich sein kann, wenn sein Verhalten vollständig durch Ursachen bestimmt wäre. Daraus ergibt sich die weiterführende Frage, welche Bedeutung Freiheit für Schuld und moralische Verantwortung besitzt. Die Lernenden können an konkreten Fallbeispielen zwischen einer Handlung, einer Entscheidung und den Bedingungen unterscheiden, unter denen diese zustande gekommen sind.

Für eine vertiefende Erarbeitung eignet sich eine Fallanalyse. Ein Jugendlicher beleidigt beispielsweise einen Mitschüler in einem sozialen Netzwerk und erklärt anschließend, er habe aufgrund seiner Wut gar nicht anders handeln können. Die Lernenden untersuchen, welche äußeren und inneren Einflüsse vorhanden waren und in welchem Umfang dennoch Handlungsmöglichkeiten bestanden. Anschließend kann diskutiert werden, ob und in welchem Umfang der Jugendliche Verantwortung für sein Verhalten trägt. Dadurch werden abstrakte philosophische Fragen in eine für Lernende nachvollziehbare Situation übertragen.

Im Religionsunterricht sollte daran eine theologische Perspektive angeschlossen werden. Die Lernenden können untersuchen, welche Bedeutung menschliche Freiheit für das christliche Menschenbild besitzt. Dabei können Freiheit und Verantwortung miteinander verbunden werden. Der Mensch kann als Wesen thematisiert werden, das Entscheidungen trifft, Verantwortung übernimmt und sein Handeln vor sich selbst, vor anderen Menschen und in religiöser Perspektive vor Gott verantwortet. Besonders produktiv ist dabei die Frage, ob Freiheit als völlige Unabhängigkeit verstanden werden muss oder ob menschliche Freiheit grundsätzlich innerhalb von Beziehungen und Bedingungen stattfindet.

Auch die Themen Schuld und Vergebung lassen sich anschließen. Wenn Menschen grundsätzlich nicht frei handeln könnten, müsste neu gefragt werden, unter welchen Voraussetzungen ihnen Schuld zugerechnet werden kann. Umgekehrt bedeutet die Annahme menschlicher Freiheit nicht, dass jede Handlung völlig unabhängig von biografischen, gesellschaftlichen oder körperlichen Voraussetzungen erfolgt. Die Lernenden können so ein differenziertes Verständnis von Verantwortung entwickeln, das sowohl individuelle Entscheidungsfähigkeit als auch konkrete Lebensbedingungen berücksichtigt.

Für eine kooperative Unterrichtsphase können Gruppen unterschiedliche Positionen bearbeiten. Eine Gruppe sammelt Argumente für menschliche Willensfreiheit, eine weitere untersucht Argumente für deterministische Erklärungen und eine weitere Gruppe beschäftigt sich mit den Konsequenzen der jeweiligen Position für Verantwortung und Schuld. Die Ergebnisse werden anschließend präsentiert und miteinander verglichen. Wichtig ist, dass die Lernenden nicht lediglich ihre persönliche Meinung äußern, sondern Behauptungen mit nachvollziehbaren Argumenten begründen.

Eine abschließende Urteilsphase kann mit der Frage „Kann der Mensch verantwortlich sein, wenn sein Wille nicht frei ist?“ gestaltet werden. Die Lernenden verfassen dazu zunächst ein begründetes Einzelurteil. Anschließend werden unterschiedliche Urteile verglichen. Dabei sollte deutlich zwischen Behauptung, Argument, Beispiel und begründetem Urteil unterschieden werden. Auf diese Weise verbindet die Arbeit mit dem Medium Sachkompetenz, Urteilskompetenz und die Fähigkeit zur argumentativen Auseinandersetzung.


Prüfungsfragen für eine Klausur in der Jahrgangsstufe 10 mit Lösungen


Aufgabe 1: Beschreiben

Beschreibe den Unterschied zwischen Handlungsfreiheit und Willensfreiheit.

Lösung: Handlungsfreiheit bezeichnet die Möglichkeit eines Menschen, entsprechend seinem eigenen Willen handeln zu können. Eine Person besitzt beispielsweise Handlungsfreiheit, wenn sie zwischen verschiedenen Handlungsmöglichkeiten wählen und ihre Entscheidung umsetzen kann. Willensfreiheit betrifft dagegen die grundlegendere Frage, ob bereits der Wille selbst frei zustande kommt. Es wird also gefragt, ob ein Mensch tatsächlich selbst bestimmen kann, was er will, oder ob sein Wille durch vorausgehende Ursachen bestimmt wird.


Aufgabe 2: Erläutern

Erläutere den Begriff Determinismus im Zusammenhang mit der Frage nach der menschlichen Freiheit.

Lösung: Determinismus bezeichnet die Auffassung, dass Ereignisse durch vorausgehende Bedingungen und Ursachen bestimmt sind. Auf das menschliche Handeln übertragen stellt sich deshalb die Frage, ob auch Entscheidungen durch biologische Voraussetzungen, Erfahrungen, Erziehung, Umwelt und andere Ursachen bestimmt werden. Ist dies vollständig der Fall, entsteht die philosophische Frage, in welchem Sinne noch von einem freien Willen gesprochen werden kann.


Aufgabe 3: Erklären

Erkläre den Zusammenhang zwischen Freiheit und Verantwortung.

Lösung: Verantwortung setzt voraus, dass einem Menschen eine Handlung zugerechnet werden kann. Wenn eine Person zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen kann und bewusst eine Entscheidung trifft, kann sie grundsätzlich für diese Entscheidung verantwortlich gemacht werden. Die Frage nach der Willensfreiheit ist deshalb für die Ethik bedeutsam. Wäre menschliches Handeln vollständig bestimmt und gäbe es keinerlei Entscheidungsmöglichkeiten, müsste geklärt werden, in welchem Umfang Menschen für ihre Handlungen verantwortlich sein können.


Aufgabe 4: Analysieren

Ein Jugendlicher schreibt nach einem Streit eine beleidigende Nachricht in einer Klassengruppe. Später sagt er: „Ich war so wütend. Ich konnte überhaupt nicht anders.“

Analysiere die Situation unter den Gesichtspunkten Freiheit und Determination.


Lösung: Für die Aussage des Jugendlichen spricht zunächst, dass sein Handeln durch seine Wut beeinflusst wurde. Gefühle können Entscheidungen erheblich beeinflussen. Darüber hinaus können die vorausgehende Auseinandersetzung, Gruppendruck oder persönliche Erfahrungen sein Verhalten mitbestimmt haben. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass keinerlei Handlungsmöglichkeiten bestanden. Es müsste geprüft werden, ob der Jugendliche beispielsweise die Nachricht nicht hätte senden, das Smartphone hätte weglegen oder später reagieren können. Die Situation zeigt deshalb den Unterschied zwischen Einfluss und vollständiger Bestimmung. Für die Beurteilung seiner Verantwortung ist entscheidend, in welchem Umfang ihm alternative Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung standen.


Aufgabe 5: Vergleichen

Vergleiche eine Vorstellung umfassender Willensfreiheit mit einer deterministischen Auffassung des menschlichen Handelns.

Lösung: Eine Vorstellung umfassender Willensfreiheit geht davon aus, dass Menschen ihre Entscheidungen grundsätzlich selbst bestimmen können. Der Mensch erscheint damit als Urheber seiner Entscheidungen und kann Verantwortung für sein Handeln übernehmen. Eine deterministische Auffassung betont dagegen die Ursachen und Bedingungen menschlicher Entscheidungen. Verhalten wird demnach durch vorausgehende Faktoren bestimmt oder zumindest stark geprägt. Der zentrale Unterschied liegt somit in der Frage, ob der Wille selbst frei entsteht oder durch Bedingungen und Ursachen festgelegt ist.


Aufgabe 6: Erläutern

Erläutere, warum die Frage nach der Willensfreiheit für das christliche Verständnis von Schuld und Verantwortung von Bedeutung ist.

Lösung: Vorstellungen von Schuld und Verantwortung setzen voraus, dass menschliches Handeln einem Menschen zugerechnet werden kann. Im christlichen Kontext ist deshalb die Vorstellung bedeutsam, dass Menschen Entscheidungen treffen und Verantwortung für ihr Handeln gegenüber anderen Menschen und gegenüber Gott übernehmen. Gleichzeitig berücksichtigt eine differenzierte Betrachtung, dass menschliche Entscheidungen unter konkreten persönlichen und gesellschaftlichen Bedingungen stattfinden. Die Frage nach der Willensfreiheit berührt deshalb unmittelbar das Verständnis von Schuld, Verantwortung, Sünde und Vergebung.


Aufgabe 7: Beurteilen

Beurteile die Aussage: „Wenn unser Verhalten durch Erziehung und Umwelt beeinflusst wird, können wir für unsere Handlungen nicht verantwortlich sein.“

Lösung: Die Aussage ist zunächst insofern nachvollziehbar, als Erziehung und Umwelt menschliche Entscheidungen beeinflussen können. Menschen entwickeln ihre Einstellungen und Verhaltensweisen nicht unabhängig von ihrer Lebensgeschichte. Aus Einfluss folgt jedoch nicht zwingend vollständige Bestimmung. Ein Mensch kann trotz bestimmter Einflüsse verschiedene Handlungsmöglichkeiten erkennen, sein Verhalten reflektieren und Entscheidungen verändern. Für die Frage nach Verantwortung muss deshalb untersucht werden, wie stark die Entscheidungsfähigkeit in einer konkreten Situation eingeschränkt war. Die bloße Feststellung, dass Umwelt und Erziehung einen Menschen beeinflussen, reicht nicht aus, um Verantwortung grundsätzlich auszuschließen.


Aufgabe 8: Erörtern

Erörtere die Frage: „Kann es moralische Verantwortung ohne Willensfreiheit geben?“

Lösung: Gegen moralische Verantwortung ohne Willensfreiheit spricht, dass Verantwortung normalerweise voraussetzt, dass ein Mensch zumindest in einem gewissen Umfang anders hätte handeln können. Wenn jede Entscheidung vollständig festgelegt wäre, könnte infrage gestellt werden, ob Lob, Schuld oder moralische Vorwürfe gerechtfertigt sind.

Andererseits kann argumentiert werden, dass Menschen auch dann Verantwortung übernehmen können, wenn ihre Entscheidungen von zahlreichen Bedingungen beeinflusst werden. Entscheidend könnte sein, ob eine Person ihre Gründe reflektieren, Regeln verstehen und ihr Verhalten kontrollieren kann. Freiheit müsste dann nicht als völlige Unabhängigkeit von allen Ursachen verstanden werden.

Für ein begründetes Urteil ist daher entscheidend, welcher Begriff von Freiheit vorausgesetzt wird. Wird Freiheit als vollständige Unabhängigkeit verstanden, entsteht ein deutlicher Gegensatz zum Determinismus. Wird Freiheit dagegen als Fähigkeit verstanden, innerhalb bestehender Bedingungen bewusst zu entscheiden und das eigene Handeln zu reflektieren, können Freiheit und Einfluss miteinander vereinbar erscheinen.


Aufgabe 9: Stellung nehmen

Nimm begründet Stellung zu der Aussage: „Frei zu sein bedeutet, tun zu können, was man will.“

Lösung: Die Aussage beschreibt zunächst einen wichtigen Aspekt von Handlungsfreiheit. Ein Mensch erlebt sich als frei, wenn er seinen Willen ohne äußeren Zwang umsetzen kann. Für einen umfassenden Freiheitsbegriff reicht dies jedoch nicht aus. Es muss zusätzlich gefragt werden, wie der eigene Wille zustande kommt und welche Auswirkungen das eigene Handeln auf andere Menschen besitzt. Freiheit ist deshalb eng mit Verantwortung verbunden. Aus religionspädagogischer Perspektive kann Freiheit zudem als Freiheit verstanden werden, die sich in Beziehungen zu anderen Menschen bewähren muss. Eine begründete Stellungnahme sollte daher zwischen dem Ausleben eigener Wünsche und verantwortlicher Selbstbestimmung unterscheiden.

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