Der Text eignet sich für den Religionsunterricht der Jahrgangsstufe 10 besonders zur Auseinandersetzung mit den Themen Erkenntnis, Erfahrung, Wahrnehmung, Denken, Erinnerung, Vorstellungskraft, Vernunft und Wahrheit. Nach der Beschäftigung mit John Locke kann Hume als Weiterführung eines empiristischen Verständnisses von Erkenntnis eingeführt werden. Während Locke insbesondere danach fragt, woher unsere Vorstellungen stammen, untersucht Hume, wie bereits vorhandene Vorstellungen im menschlichen Geist miteinander verbunden werden. Dadurch lässt sich eine Unterrichtsreihe zur Erkenntnistheorie sinnvoll erweitern.
Als Einstieg eignet sich ein einfaches Assoziationsexperiment. Die Lehrkraft nennt einen Begriff wie „Schnee“, „Geburtstag“, „Schule“, „Feuer“ oder „Kirche“. Die Lernenden notieren unmittelbar den ersten Gedanken, der ihnen dazu einfällt. Anschließend werden die Ergebnisse verglichen. Dabei kann beispielsweise festgestellt werden, dass „Schnee“ an Kälte erinnert, „Geburtstag“ an Geschenke oder Feiern und „Feuer“ an Wärme, Rauch oder Verbrennungen. Die Lernenden versuchen anschließend zu erklären, weshalb gerade diese Vorstellungen miteinander verbunden wurden. Damit wird Humes Grundfrage aus einer eigenen Erfahrung heraus entwickelt.
Eine weitere Möglichkeit besteht in der Bildung einer Assoziationskette. Eine Person nennt einen Begriff. Die nächste Person nennt spontan den Begriff, an den sie dadurch erinnert wird. Nach mehreren Schritten wird die Kette rückblickend untersucht. Die Lernenden versuchen zu rekonstruieren, weshalb jeweils ein Gedanke zum nächsten geführt hat. Dabei können bereits die Kategorien Ähnlichkeit, räumliche oder zeitliche Nähe sowie Ursache und Wirkung sichtbar werden.
Bei der anschließenden Texterschließung sollte zunächst Humes Grundthese herausgearbeitet werden. Gedanken und Ideen folgen nach seiner Auffassung nicht völlig zufällig aufeinander. Es bestehen Prinzipien, durch die Vorstellungen miteinander verbunden werden. Die Lernenden können Textstellen markieren, in denen Hume Beobachtungen nennt, die diese Auffassung stützen. Dazu gehören Gespräche, Phantasien, Träume, sprachliche Gemeinsamkeiten und alltägliche Gedankenfolgen.
Anschließend werden die drei Assoziationsprinzipien systematisch erarbeitet. Beim Prinzip der Ähnlichkeit führt eine Vorstellung zu einer anderen, weil beide bestimmte Gemeinsamkeiten besitzen. Humes Beispiel ist das Gemälde, das an das Original erinnert. Die Lernenden können eigene Beispiele entwickeln, etwa ein Foto, das an die dargestellte Person erinnert.
Das zweite Prinzip ist die Berührung in Zeit oder Raum. Vorstellungen werden miteinander verbunden, weil die entsprechenden Ereignisse oder Gegenstände räumlich oder zeitlich nahe beieinanderliegen. Hume nennt das Beispiel eines Zimmers, dessen Erwähnung an andere Räume desselben Gebäudes denken lässt. Lernende könnten ergänzen, dass die Vorstellung eines Klassenzimmers an die Schule oder die Erinnerung an einen bestimmten Tag an ein Ereignis erinnert, das kurz davor oder danach stattgefunden hat.
Das dritte Prinzip ist die Verbindung von Ursache und Wirkung. Menschen verbinden Vorstellungen miteinander, wenn sie zwischen Ereignissen einen ursächlichen Zusammenhang annehmen. Die Vorstellung einer Wunde führt beispielsweise zum Gedanken an den damit verbundenen Schmerz. Weitere Beispiele können Feuer und Wärme, Regen und Nässe oder das Betätigen eines Lichtschalters und das Aufleuchten einer Lampe sein.
Für die Sicherung bietet sich eine Tabelle mit den Kategorien „Prinzip“, „Erklärung“, „Beispiel Humes“ und „eigenes Beispiel“ an. Besonders wichtig ist, dass die Lernenden nicht nur die drei Begriffe auswendig lernen, sondern an konkreten Beispielen erklären können, weshalb eine bestimmte Gedankenverbindung einem der Prinzipien zugeordnet werden kann.
Didaktisch besonders interessant ist Humes Begründungsverfahren. Er versucht nicht, seine drei Prinzipien ausschließlich aus abstrakten Überlegungen abzuleiten. Stattdessen beobachtet er, wie Menschen tatsächlich denken. Gespräche, Erinnerungen, Träume und alltägliche Gedankenfolgen bilden sein Untersuchungsmaterial. Aus diesen Beobachtungen versucht er, allgemeine Prinzipien abzuleiten. Damit lässt sich im Unterricht die Frage thematisieren, wie philosophische Aussagen begründet werden können.
Dabei sollte auch Humes eigene Vorsicht berücksichtigt werden. Er behauptet nicht, zweifelsfrei bewiesen zu haben, dass ausschließlich diese drei Prinzipien existieren. Er räumt ein, dass die Vollständigkeit seiner Aufzählung schwer zu beweisen ist. Diese Textstelle eignet sich besonders zur Förderung der Urteilskompetenz. Die Lernenden können untersuchen, ob ihnen Gedankenverbindungen einfallen, die sich möglicherweise nicht eindeutig einem der drei Prinzipien zuordnen lassen.
Eine Vertiefung bietet der Vergleich mit Locke. Locke untersucht, wie Vorstellungen durch äußere Erfahrung und innere Beobachtung entstehen. Hume setzt gewissermaßen einen Schritt später an und fragt, wie Vorstellungen miteinander verbunden werden. Die Lernenden können dadurch erkennen, dass beide Philosophen die Erfahrung stark gewichten, aber unterschiedliche Aspekte des Erkenntnisprozesses untersuchen.
Ein Vergleich mit Descartes kann den Gegensatz verschiedener erkenntnistheoretischer Ansätze verdeutlichen. Descartes sucht durch methodischen Zweifel nach einer unbezweifelbaren Grundlage der Erkenntnis. Hume richtet seine Aufmerksamkeit stärker auf die beobachtbaren Vorgänge menschlichen Denkens und auf Regelmäßigkeiten, die sich aus Erfahrung erschließen lassen. Die Lernenden können somit unterschiedliche Wege philosophischer Erkenntnissuche vergleichen.
Für den Religionsunterricht ist insbesondere die Frage interessant, wie religiöse Vorstellungen miteinander verbunden werden. Begriffe wie Kirche, Kreuz, Gebet, Gott, Weihnachten oder Tod können als Ausgangspunkte für Assoziationsketten dienen. Dabei kann untersucht werden, welche Verbindungen durch Ähnlichkeit, zeitliche oder räumliche Nähe sowie angenommene Zusammenhänge entstehen. Zugleich muss sensibel berücksichtigt werden, dass religiöse Begriffe bei Lernenden sehr unterschiedliche persönliche Assoziationen hervorrufen können.
Eine weiterführende Fragestellung betrifft religiöse Deutungen von Ursache und Wirkung. Menschen können Ereignisse religiös deuten und beispielsweise fragen, ob ein bestimmtes Ereignis einen tieferen Sinn besitzt oder auf göttliches Handeln zurückgeführt werden kann. Humes Ansatz ermöglicht hier eine kritische Frage: Wann beobachten Menschen tatsächlich einen ursächlichen Zusammenhang und wann stellen sie einen solchen Zusammenhang aufgrund ihrer Denkgewohnheiten her? Diese Frage eröffnet einen anspruchsvollen Zugang zum Verhältnis von Erfahrung, religiöser Deutung und Erkenntnis.
Ein aktueller Lebensweltbezug kann über Werbung und soziale Medien hergestellt werden. Werbung verbindet Produkte gezielt mit bestimmten Bildern, Gefühlen, Personen oder Situationen. Die Lernenden können untersuchen, welche Assoziationen dadurch entstehen sollen und welchem der drei Prinzipien sie zugeordnet werden können. Auch die wiederholte Verbindung bestimmter Bilder und Begriffe in sozialen Medien kann hinsichtlich ihrer Wirkung auf Wahrnehmung und Denken untersucht werden.
Zur Ergebnissicherung können die Lernenden eine eigene Assoziationskette erstellen und jeden Übergang einem der drei Prinzipien Humes zuordnen. Eine anspruchsvollere Aufgabe besteht darin, anschließend zu prüfen, ob Humes drei Kategorien tatsächlich ausreichen, um sämtliche Übergänge zu erklären.
Die drei Prinzipien der Verknüpfung von Ideen bei Hume
Hume geht davon aus, dass menschliche Gedanken nicht vollkommen zufällig aufeinanderfolgen. Zwischen verschiedenen Vorstellungen bestehen Verbindungen, durch die ein Gedanke einen anderen hervorruft. Er unterscheidet drei grundlegende Prinzipien.
Erstes Prinzip: Ähnlichkeit
Eine Vorstellung ruft eine andere Vorstellung hervor, wenn zwischen beiden eine Ähnlichkeit besteht. Hume verwendet das Beispiel eines Gemäldes. Wer ein Bild einer Person betrachtet, wird dadurch an die dargestellte Person erinnert. Die Ähnlichkeit zwischen Darstellung und Original verbindet beide Vorstellungen.
Zweites Prinzip: Berührung in Zeit oder Raum
Vorstellungen werden miteinander verbunden, wenn ihre Gegenstände räumlich oder zeitlich nahe beieinanderliegen. Hume nennt als Beispiel die Erwähnung eines Zimmers. Der Gedanke an einen Raum eines Gebäudes kann unmittelbar Gedanken an die anderen Räume hervorrufen. Die Vorstellungen sind miteinander verbunden, weil die entsprechenden Gegenstände räumlich zusammengehören.
Auch zeitliche Nähe kann Vorstellungen verbinden. Wer beispielsweise an Weihnachten denkt, kann an den vorhergehenden Advent oder an Silvester denken, weil diese Ereignisse zeitlich nahe beieinanderliegen.
Drittes Prinzip: Ursache und Wirkung
Eine Vorstellung führt zu einer anderen, wenn zwischen beiden ein Zusammenhang von Ursache und Wirkung angenommen wird. Hume nennt das Beispiel einer Wunde. Die Vorstellung einer Wunde führt nahezu automatisch zum Gedanken an Schmerz. Beide Vorstellungen sind miteinander verbunden, weil eine Wunde als Ursache von Schmerz erfahren wird.
Wie begründet Hume, dass Menschen in dieser Weise denken?
Hume begründet seine Auffassung vor allem durch die Beobachtung menschlicher Denkprozesse. Er stellt zunächst fest, dass Gedanken in Gesprächen normalerweise in einer nachvollziehbaren Reihenfolge auftreten. Wenn ein Gedanke ohne erkennbaren Zusammenhang die bisherige Gedankenfolge unterbricht, fällt dies den Beteiligten auf.
Auch scheinbar freie Phantasien und Träume betrachtet Hume als Beleg. Selbst dort folgt die Einbildungskraft seiner Auffassung nach nicht völlig zufällig irgendwelchen Vorstellungen. Bei genauer Betrachtung lassen sich Verbindungen zwischen aufeinanderfolgenden Gedanken erkennen.
Ein weiteres Argument gewinnt Hume aus Gesprächen. Selbst wenn eine Person scheinbar plötzlich das Thema wechselt, kann sie häufig erklären, welche Gedanken sie innerlich vom ursprünglichen Thema zum neuen Gedanken geführt haben. Es existiert somit eine verborgene Gedankenkette.
Hume verweist außerdem auf sprachliche Gemeinsamkeiten. Auch in Sprachen, zwischen denen keine direkte Beeinflussung angenommen werden muss, lassen sich nach seiner Auffassung ähnliche Verbindungen komplexer Vorstellungen finden. Daraus schließt er, dass allgemeine Prinzipien der Ideenverknüpfung beim Menschen wirksam sind.
Schließlich untersucht Hume konkrete Einzelfälle und sucht nach dem Prinzip, das die jeweiligen Gedanken miteinander verbindet. Auf diese Weise gelangt er zu den drei Kategorien Ähnlichkeit, Berührung in Zeit oder Raum sowie Ursache und Wirkung.
Hume schränkt seine Aussage jedoch selbst ein. Er hält die drei Prinzipien für besonders grundlegend, erklärt aber, dass sich nur schwer endgültig beweisen lässt, dass keine weiteren Prinzipien existieren. Seine Theorie bleibt damit grundsätzlich für weitere Beobachtungen und Überprüfungen offen.
Prüfungsfragen für eine Klausur der Jahrgangsstufe 10 mit Musterantworten
Aufgabe 1: Nennen Sie die drei Prinzipien der Verknüpfung von Ideen nach David Hume und geben Sie jeweils ein Beispiel an.
Operator: Nennen
Musterantwort:
Hume unterscheidet Ähnlichkeit, Berührung in Zeit oder Raum sowie Ursache und Wirkung. Ein Foto kann aufgrund seiner Ähnlichkeit an die dargestellte Person erinnern. Die Vorstellung eines Klassenzimmers kann aufgrund räumlicher Nähe an das Schulgebäude erinnern. Die Vorstellung von Feuer kann aufgrund des Zusammenhangs von Ursache und Wirkung zum Gedanken an Wärme führen.
Aufgabe 2: Beschreiben Sie Humes Grundannahme über die Verbindung menschlicher Gedanken.
Operator: Beschreiben
Musterantwort:
Hume geht davon aus, dass menschliche Gedanken und Vorstellungen nicht vollkommen zufällig aufeinanderfolgen. Zwischen ihnen bestehen regelmäßige Verbindungen. Ein Gedanke kann deshalb einen weiteren Gedanken hervorrufen. Hume bezeichnet die grundlegenden Verbindungen als Prinzipien der Assoziation und unterscheidet Ähnlichkeit, Berührung in Zeit oder Raum sowie Ursache und Wirkung.
Aufgabe 3: Erläutern Sie das Assoziationsprinzip der Ähnlichkeit anhand des Beispiels aus dem Text und eines eigenen Beispiels.
Operator: Erläutern
Musterantwort:
Beim Prinzip der Ähnlichkeit wird eine Vorstellung durch eine andere hervorgerufen, weil beide Gemeinsamkeiten besitzen. Hume nennt das Beispiel eines Gemäldes, das den Betrachter an das dargestellte Original erinnert. Ein eigenes Beispiel wäre ein altes Foto eines Familienmitglieds. Das Foto kann die Vorstellung der abgebildeten Person hervorrufen, weil zwischen dem Bild und der Person eine Ähnlichkeit besteht.
Aufgabe 4: Erklären Sie Humes Prinzip der Berührung in Zeit oder Raum.
Operator: Erklären
Musterantwort:
Das Prinzip besagt, dass Vorstellungen miteinander verbunden werden, wenn die entsprechenden Gegenstände oder Ereignisse räumlich oder zeitlich nahe beieinanderliegen. Hume nennt das Beispiel eines Zimmers, dessen Erwähnung Gedanken an weitere Räume desselben Gebäudes hervorruft. Ein zeitliches Beispiel wäre die Vorstellung von Weihnachten, die an Silvester erinnern kann, weil beide Ereignisse zeitlich nahe beieinanderliegen.
Aufgabe 5: Erklären Sie Humes Prinzip von Ursache und Wirkung anhand eines Beispiels.
Operator: Erklären
Musterantwort:
Beim Prinzip von Ursache und Wirkung werden Vorstellungen miteinander verbunden, weil zwischen den entsprechenden Ereignissen ein ursächlicher Zusammenhang angenommen wird. Hume nennt das Beispiel einer Wunde, die den Gedanken an Schmerz hervorruft. Ein weiteres Beispiel wäre Regen, der an eine nasse Straße denken lässt. Aufgrund wiederholter Erfahrungen werden Ursache und erwartete Wirkung gedanklich miteinander verbunden.
Aufgabe 6: Arbeiten Sie heraus, wie Hume seine Auffassung begründet, dass Gedanken nicht vollkommen zufällig aufeinanderfolgen.
Operator: Herausarbeiten
Musterantwort:
Hume verweist auf verschiedene Beobachtungen. In Gesprächen fällt ein Gedanke auf, der keinen erkennbaren Zusammenhang mit dem vorherigen Thema besitzt. Selbst in Phantasien und Träumen lassen sich nach Hume Verbindungen zwischen Vorstellungen erkennen. Bei scheinbar plötzlichen Themenwechseln können Menschen außerdem häufig eine innere Gedankenfolge rekonstruieren, die zum neuen Thema geführt hat. Schließlich sieht Hume auch sprachliche Gemeinsamkeiten als Hinweis auf allgemeine Prinzipien der Ideenverknüpfung. Aus diesen Beobachtungen schließt er, dass menschliches Denken bestimmten Assoziationsprinzipien folgt.
Aufgabe 7: Analysieren Sie den Aufbau von Humes Argumentation im vorliegenden Text.
Operator: Analysieren
Musterantwort:
Hume beginnt mit der allgemeinen Beobachtung, dass Gedanken regelmäßig miteinander verbunden sind. Diese These veranschaulicht er zunächst anhand von Gesprächen, Phantasien und Träumen. Danach erweitert er seine Begründung durch Beobachtungen sprachlicher Gemeinsamkeiten. Anschließend formuliert er seine drei grundlegenden Prinzipien der Assoziation: Ähnlichkeit, Berührung in Zeit oder Raum sowie Ursache und Wirkung. Für jedes Prinzip nennt er ein konkretes Beispiel. Zum Schluss schränkt Hume seine These ein, indem er zugibt, dass die Vollständigkeit seiner drei Prinzipien nur schwer endgültig bewiesen werden kann. Seine Argumentation führt somit von Beobachtungen einzelner Denkprozesse zur Formulierung allgemeiner Prinzipien.
Aufgabe 8: Vergleichen Sie Humes Auffassung über die Verknüpfung von Ideen mit Lockes Auffassung vom Ursprung der Ideen.
Operator: Vergleichen
Musterantwort:
Locke und Hume betonen beide die Bedeutung der Erfahrung für menschliche Erkenntnis. Locke beschäftigt sich vor allem mit der Frage, woher menschliche Vorstellungen stammen. Er unterscheidet Sensation als äußere Erfahrung und Reflexion als Beobachtung innerer geistiger Vorgänge. Hume untersucht dagegen vor allem, wie bereits vorhandene Vorstellungen miteinander verbunden werden. Er nennt dafür Ähnlichkeit, Berührung in Zeit oder Raum sowie Ursache und Wirkung. Locke erklärt somit schwerpunktmäßig den Ursprung von Vorstellungen, während Hume Regeln ihrer gedanklichen Verknüpfung untersucht. Beide Positionen gehören zu einem empiristischen Zugang zur Erkenntnis.
Aufgabe 9: Wenden Sie Humes drei Assoziationsprinzipien auf den Begriff „Kirche“ an.
Operator: Anwenden
Musterantwort:
Beim Prinzip der Ähnlichkeit könnte das Bild einer bestimmten Kirche an eine andere Kirche erinnern, weil beide Gebäude ähnliche Merkmale besitzen. Beim Prinzip der räumlichen oder zeitlichen Berührung könnte die Vorstellung einer Kirche an den danebenliegenden Friedhof oder an einen Gottesdienst am Sonntag erinnern. Beim Prinzip von Ursache und Wirkung könnte das Läuten der Kirchenglocken an den Beginn eines Gottesdienstes denken lassen, wenn diese Verbindung wiederholt erfahren wurde. Das Beispiel zeigt, dass ein einzelner Begriff unterschiedliche Gedankenverbindungen auslösen kann.
Aufgabe 10: Beurteilen Sie Humes These, dass menschliche Gedanken durch allgemeine Prinzipien miteinander verbunden sind.
Operator: Beurteilen
Musterantwort:
Für Humes These spricht, dass sich viele alltägliche Gedankenfolgen mit seinen drei Prinzipien erklären lassen. Bilder erinnern an ähnliche Gegenstände, Orte an benachbarte Orte und bestimmte Ereignisse an ihre erwarteten Folgen. Auch Assoziationsketten zeigen, dass Gedanken häufig nachvollziehbare Verbindungen besitzen. Hume selbst weist jedoch darauf hin, dass sich schwer beweisen lässt, ob seine drei Prinzipien vollständig sind. Außerdem können persönliche Erinnerungen und individuelle Erfahrungen zu sehr unterschiedlichen Gedankenverbindungen führen. Humes Modell bietet daher eine nachvollziehbare Erklärung für viele Assoziationen, lässt aber die Möglichkeit weiterer Einflüsse auf menschliche Gedanken offen.
Aufgabe 11: Erörtern Sie, welche Bedeutung Humes Theorie der Ideenassoziation für Werbung und soziale Medien besitzen kann.
Operator: Erörtern
Musterantwort:
Humes Theorie kann erklären, weshalb Werbung Produkte wiederholt mit bestimmten Bildern, Personen oder Gefühlen verbindet. Ein Produkt kann beispielsweise mit Erfolg, Gemeinschaft oder Schönheit dargestellt werden. Durch wiederholte Verbindungen können entsprechende Vorstellungen miteinander verbunden werden. Auch soziale Medien präsentieren Begriffe und Bilder häufig in bestimmten Zusammenhängen. Für Humes Ansatz spricht daher, dass er einen Zugang zum Verständnis solcher gedanklichen Verknüpfungen bietet. Allerdings werden moderne Medien zusätzlich durch technische Auswahlverfahren, persönliche Interessen und gesellschaftliche Einflüsse geprägt. Humes Theorie kann deshalb einen wichtigen Teil solcher Prozesse erklären, erfasst aber nicht sämtliche Bedingungen moderner Medienwirkung.
Aufgabe 12: Erörtern Sie, welche Bedeutung Humes Theorie für die Beurteilung religiöser Erfahrungen haben kann.
Operator: Erörtern
Musterantwort:
Humes Theorie macht darauf aufmerksam, dass Menschen Vorstellungen aufgrund von Ähnlichkeit, zeitlicher oder räumlicher Nähe sowie angenommenen Zusammenhängen miteinander verbinden. Dies kann auch für religiöse Erfahrungen bedeutsam sein. Ein besonderes Erlebnis kann beispielsweise mit einem Gebet verbunden werden, wenn beides zeitlich nahe beieinanderliegt. Daraus kann die Vorstellung entstehen, zwischen beiden bestehe ein ursächlicher Zusammenhang. Humes Ansatz regt dazu an, solche Verbindungen kritisch zu prüfen. Gleichzeitig lässt sich aus seiner Theorie allein nicht entscheiden, ob eine religiöse Deutung wahr oder falsch ist. Sie zeigt vielmehr, wie bestimmte Vorstellungen miteinander verbunden werden können. Für die Beurteilung religiöser Aussagen sind deshalb weitere Argumente erforderlich.
Aufgabe 13: Nehmen Sie begründet Stellung zu der Aussage: „Unsere Gedanken sind freier, als Hume annimmt.“
Operator: Stellung nehmen
Musterantwort:
Für die Aussage spricht, dass Menschen bewusst neue Gedanken entwickeln und scheinbar ungewöhnliche Vorstellungen miteinander verbinden können. Kreativität zeigt, dass Denken nicht immer vorhersehbar verläuft. Andererseits weist Hume darauf hin, dass auch sehr freie Phantasien häufig aus bereits bekannten Vorstellungen zusammengesetzt sind und zwischen einzelnen Gedanken Verbindungen bestehen. Seine Theorie behauptet zudem nicht, dass jede konkrete Gedankenfolge vollständig vorherbestimmt ist. Sie beschreibt vielmehr allgemeine Prinzipien, nach denen Vorstellungen häufig miteinander verbunden werden. Deshalb lässt sich festhalten, dass menschliches Denken kreativ und offen sein kann, zugleich aber durch Erfahrungen und bereits bestehende Verbindungen zwischen Vorstellungen geprägt wird.