Das Medium eignet sich für den Religionsunterricht der Sekundarstufe I besonders für Unterrichtseinheiten zu Menschenwürde, christlichem Menschenbild, Beginn menschlichen Lebens, Embryonenschutz, Stammzellforschung, medizinischem Fortschritt, Verantwortung und Gewissen. Der Artikel ermöglicht eine anspruchsvolle ethische Auseinandersetzung, weil er keine einfache Gegenüberstellung von Wissenschaft und Religion präsentiert. Stattdessen werden unterschiedliche Vorstellungen darüber sichtbar, wodurch menschliches Leben moralischen Wert erhält und wer darüber entscheiden darf, welche Formen medizinischer Forschung gesellschaftlich erlaubt sein sollen.
Vor der Textarbeit sollte eine kurze sachliche Einführung in die Stammzellforschung erfolgen. Die Lernenden sollten insbesondere zwischen embryonalen und adulten Stammzellen unterscheiden können. Ebenso muss verständlich werden, weshalb die Forschung mit embryonalen Stammzellen ethisch besonders umstritten ist. Bei ihrer Gewinnung können frühe Embryonen betroffen sein, wodurch die Frage nach dem moralischen Status und dem Schutz des Embryos entsteht. Da der Artikel aus dem Jahr 2007 stammt, sollten seine Aussagen zur damaligen Rechtslage und zum damaligen Forschungsstand ausdrücklich historisch eingeordnet werden. Für den Religionsunterricht steht deshalb weniger die Aktualität einzelner wissenschaftlicher Aussagen als die ethische Grundfrage nach den Grenzen von Forschung im Mittelpunkt.
Als Einstieg eignet sich die Aussage „Was medizinisch möglich ist, sollte auch erforscht werden dürfen“. Die Lernenden können sich zunächst zu dieser Aussage positionieren und ihre Entscheidung kurz begründen. Anschließend kann die Gegenfrage gestellt werden: „Gibt es Wissen, das der Mensch nicht erwerben sollte, wenn dafür menschliches Leben zerstört werden müsste?“ Auf diese Weise wird das Spannungsverhältnis zwischen Forschungsfreiheit und Lebensschutz unmittelbar sichtbar.
Bei der Texterschließung bietet sich eine arbeitsteilige Gruppenarbeit an. Die Lernenden untersuchen die unterschiedlichen im Artikel dargestellten Positionen. Eine Gruppe beschäftigt sich mit der Argumentation von Dan Brock, eine weitere mit Dietmar Mieth, eine weitere mit Claudia Wiesemann und eine weitere mit Mariachiara Tallacchini. Die Ergebnisse können anschließend nach einem einheitlichen Schema präsentiert werden: Welchen moralischen Status besitzt der Embryo? Welche Bedeutung besitzt medizinischer Fortschritt? Welche Grenzen werden für Forschung gefordert? Welches Verständnis von Ethik liegt der jeweiligen Position zugrunde? Dadurch erkennen die Lernenden, dass ethische Urteile von unterschiedlichen Menschenbildern und moralischen Grundannahmen abhängen.
Von besonderer Bedeutung ist die Frage nach dem moralischen Status des Embryos. Der Artikel stellt zwei deutlich unterschiedliche Positionen gegenüber. Dan Brock verbindet moralischen Status unter anderem mit Eigenschaften wie Bewusstsein, Autonomie und Empfindungsfähigkeit. Ein früher Embryo besitzt diese Eigenschaften nicht und hat nach dieser Argumentation deshalb nicht denselben moralischen Status wie ein geborener Mensch. Dietmar Mieth vertritt dagegen die Vorstellung eines „Menschseins ohne Vorbehalte“. Der moralische Wert menschlichen Lebens wird danach nicht aufgrund bestimmter Fähigkeiten verliehen, sondern kommt dem Menschen grundsätzlich zu. Diese Gegenüberstellung eignet sich hervorragend, um mit Lernenden unterschiedliche anthropologische Positionen herauszuarbeiten.
Im Religionsunterricht kann daran die christliche Vorstellung der Gottebenbildlichkeit angeschlossen werden. Nach Gen 1,27 wird die Würde des Menschen nicht durch bestimmte Leistungen oder Fähigkeiten begründet. Ein Mensch besitzt Würde nicht erst deshalb, weil er denken, sprechen, selbstständig handeln oder moralische Entscheidungen treffen kann. Diese Vorstellung kann mit Brocks Position verglichen werden. Die Lernenden können untersuchen, welche Konsequenzen entstehen, wenn Menschenwürde an bestimmte Fähigkeiten gebunden wird und welche Konsequenzen ein umfassendes Verständnis menschlicher Würde besitzt.
Dabei sollte vermieden werden, den Konflikt auf eine einfache Gegenüberstellung von christlichem Lebensschutz und wissenschaftlichem Fortschritt zu reduzieren. Auch aus christlich ethischer Perspektive besitzt die Heilung von Krankheiten eine hohe Bedeutung. Die Sorge für kranke und leidende Menschen gehört zu den zentralen Dimensionen christlicher Verantwortung. Damit entsteht ein echter ethischer Konflikt zwischen dem möglichen Schutz frühen menschlichen Lebens und der Hoffnung, durch Forschung zukünftigen Erkrankten helfen zu können.
Besonders ergiebig ist deshalb die Frage, ob ein möglicher zukünftiger medizinischer Nutzen die Verwendung embryonaler Stammzellen rechtfertigen kann. Die Lernenden können das Prinzip der Güterabwägung kennenlernen. Auf der einen Seite stehen Forschungsfreiheit, medizinischer Fortschritt, Heilungschancen und die Verantwortung gegenüber kranken Menschen. Auf der anderen Seite stehen Menschenwürde, Lebensschutz und die Frage, ob menschliche Embryonen zu einem Mittel für die Interessen anderer gemacht werden dürfen. Auf diese Weise lässt sich auch die Zweckformel der Ethik Kants in vereinfachter Form einführen. Menschen sollen niemals ausschließlich als Mittel für fremde Zwecke behandelt werden.
Methodisch besonders geeignet ist das im Artikel dargestellte Gedankenexperiment von Dan Brock. Die Lernenden können mit der Frage konfrontiert werden, wen sie bei einem Brand in einer Klinik retten würden, wenn sie nur entweder viele befruchtete Eizellen oder ein Kind retten könnten. Anschließend sollte nicht lediglich nach einer spontanen Entscheidung gefragt werden. Vielmehr müssen die Lernenden untersuchen, welches Argument mit dem Gedankenexperiment verbunden ist. Danach können sie prüfen, ob eine unterschiedliche Rettungsentscheidung tatsächlich beweist, dass Embryonen keinen oder einen geringeren moralischen Wert besitzen. Auf diese Weise lernen sie, Gedankenexperimente nicht nur emotional zu beantworten, sondern argumentativ zu untersuchen.
Ein weiterer Schwerpunkt kann auf dem Potentialitätsargument liegen. Dieses besagt vereinfacht, dass ein Embryo besonders geschützt werden sollte, weil er das Potential besitzt, sich zu einem geborenen Menschen zu entwickeln. Brock weist dieses Argument im Artikel zurück. Die Lernenden können zunächst das Argument in eigenen Worten formulieren und anschließend Einwände entwickeln. Dadurch wird philosophisches Argumentieren eingeübt, ohne die Lernenden mit einer zu komplexen Fachsprache zu überfordern.
Besonders relevant für den Religionsunterricht ist außerdem die Kritik Dietmar Mieths an den Heilungsversprechen der Forschung. Der Titel „Im Netzwerk der Hoffnungen“ kann als Ausgangspunkt dienen, um zwischen Hoffnung, wissenschaftlicher Möglichkeit und nachgewiesenem medizinischem Nutzen zu unterscheiden. Lernende können untersuchen, ob die Hoffnung auf zukünftige Heilungen bereits ausreicht, um ethisch umstrittene Forschung zu rechtfertigen. Damit wird zugleich ein wichtiger Beitrag zur Medienbildung geleistet. Wissenschaftliche Zukunftsversprechen sollten nicht mit bereits erreichten Forschungsergebnissen verwechselt werden.
Auch die Frage nach Interessen eignet sich für eine vertiefende Bearbeitung. Forschung findet nicht unabhängig von gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Interessen statt. Lernende können untersuchen, welche Interessen Forschende, erkrankte Menschen, Pharmaunternehmen, Kirchen, Politik und Gesellschaft haben könnten. Entscheidend ist dabei, Interessen nicht automatisch als moralisch problematisch zu bewerten. Vielmehr sollen die Lernenden erkennen, dass ethische Argumente daraufhin geprüft werden müssen, welche Voraussetzungen und Interessen ihnen zugrunde liegen.
Methodisch kann eine fiktive Sitzung eines Ethikrates durchgeführt werden. Die Lernenden übernehmen verschiedene Perspektiven, beispielsweise eine Stammzellforscherin oder einen Stammzellforscher, eine schwer erkrankte Person, eine christliche Ethikerin oder einen christlichen Ethiker, eine Ärztin oder einen Arzt und eine Person aus einer Organisation für Lebensschutz. Die Gruppen entwickeln Argumente zu der Frage, unter welchen Bedingungen Forschung mit embryonalen Stammzellen erlaubt sein sollte. Anschließend werden die Argumente nach Menschenwürde, Lebensschutz, Forschungsfreiheit, Verantwortung, Heilungschancen und gesellschaftlichen Folgen geordnet.
Für die abschließende Urteilsbildung eignet sich die Frage „Darf menschliches Leben für die medizinische Forschung verwendet werden, wenn dadurch möglicherweise andere Menschen geheilt werden können?“. Die Lernenden sollten zunächst unterschiedliche Positionen darstellen, anschließend Argumente prüfen und schließlich ein eigenes begründetes Sachurteil entwickeln. Bewertet werden sollte nicht die konkrete Position, sondern die Qualität der Begründung, die Verwendung ethischer Kriterien und die Fähigkeit, Gegenargumente angemessen zu berücksichtigen.
Der Artikel bietet darüber hinaus eine besondere Möglichkeit zur Reflexion über die Aufgabe von Ethik selbst. Die im Text formulierte Kritik am sogenannten Outsourcing der Ethik kann zum Ausgangspunkt für die Frage werden, wer in einer demokratischen Gesellschaft über medizinethische Fragen entscheiden sollte. Lernende können diskutieren, ob solche Entscheidungen hauptsächlich Fachleuten, der Politik oder der gesamten Gesellschaft überlassen werden sollten. Dadurch wird deutlich, dass ethische Urteilsbildung nicht ausschließlich Aufgabe von Fachleuten ist. Religionsunterricht kann Lernende dazu befähigen, sich selbst informiert und begründet an gesellschaftlichen Wertedebatten zu beteiligen.
Das Medium fördert somit Sachkompetenz, Methodenkompetenz, Perspektivübernahme, religiöse Deutungskompetenz, Argumentationsfähigkeit und ethische Urteilskompetenz. Besonders wertvoll ist der Text, weil er deutlich macht, dass wissenschaftlicher Fortschritt nicht automatisch beantwortet, was moralisch richtig ist. Neue Handlungsmöglichkeiten erhöhen vielmehr die Verantwortung des Menschen, begründete Grenzen zu bestimmen.
Prüfungsfragen für eine Klausur in Klasse 10 mit Musterantworten
Aufgabe 1: Zusammenfassen
Operator: Zusammenfassen
Fasse den zentralen ethischen Konflikt der embryonalen Stammzellforschung, wie er im Artikel dargestellt wird, in eigenen Worten zusammen.
Musterantwort:
Der zentrale ethische Konflikt besteht zwischen der Freiheit medizinischer Forschung und dem Schutz menschlicher Embryonen. Forschende hoffen, durch die Arbeit mit embryonalen Stammzellen neue Erkenntnisse zu gewinnen und langfristig möglicherweise Krankheiten behandeln zu können. Für die Gewinnung bestimmter embryonaler Stammzellen werden jedoch frühe Embryonen verwendet. Dadurch entsteht die Frage, welchen moralischen Status diese Embryonen besitzen und wie stark sie geschützt werden müssen. Während einige Fachleute ihnen nicht denselben moralischen Status wie geborenen Menschen zusprechen, vertreten andere die Auffassung, dass menschliches Leben von seinem frühesten Beginn an einen besonderen moralischen Wert besitzt. Der Konflikt besteht somit zwischen möglichen medizinischen Chancen und dem Schutz frühen menschlichen Lebens.
Aufgabe 2: Herausarbeiten
Operator: Herausarbeiten
Arbeite die unterschiedlichen Auffassungen von Dan Brock und Dietmar Mieth über den moralischen Status eines Embryos heraus.
Musterantwort:
Dan Brock vertritt die Auffassung, dass ein früher Embryo nicht denselben moralischen Status wie ein geborener Mensch besitzt. Er begründet dies damit, dass ein früher Embryo noch kein Bewusstsein, keine Autonomie und keine Empfindungen besitzt. Auch die Möglichkeit, sich später zu einem geborenen Menschen zu entwickeln, reicht für Brock nicht aus, um ihm bereits denselben moralischen Status zuzuschreiben.
Dietmar Mieth vertritt dagegen die Vorstellung eines „Menschseins ohne Vorbehalte“. Nach dieser Auffassung wird der moralische Status eines Menschen nicht aufgrund bestimmter Fähigkeiten verliehen. Er besteht grundsätzlich. Damit verbindet Mieth einen stärkeren Schutz des Embryos.
Der zentrale Unterschied besteht somit darin, worauf der moralische Wert menschlichen Lebens gegründet wird. Brock berücksichtigt bestimmte vorhandene Eigenschaften, während Mieth den moralischen Status nicht von solchen Eigenschaften abhängig machen möchte.
Aufgabe 3: Analysieren
Operator: Analysieren
Analysiere die Bedeutung des Titels „Im Netzwerk der Hoffnungen“ für die Aussage des Artikels.
Musterantwort:
Der Titel greift die Hoffnung auf, die mit der Stammzellforschung verbunden wird. Forschende und erkrankte Menschen verbinden mit medizinischer Forschung die Erwartung, dass zukünftig neue Therapien entstehen könnten. Der Begriff „Netzwerk“ verdeutlicht, dass verschiedene Gruppen und Interessen miteinander verbunden sind. Dazu gehören Wissenschaft, Medizin, Politik, Wirtschaft, Ethik und die Hoffnungen erkrankter Menschen.
Gleichzeitig besitzt der Titel eine kritische Bedeutung. Der Artikel stellt die Frage, ob die versprochenen medizinischen Erfolge tatsächlich erreicht werden können. Besonders Dietmar Mieth kritisiert, dass Hoffnungen auf Heilung möglicherweise als Rechtfertigung für ethisch umstrittene Forschung verwendet werden.
Der Titel macht somit deutlich, dass Hoffnungen eine wichtige Motivation für Forschung darstellen, aber nicht mit wissenschaftlich nachgewiesenen Erfolgen verwechselt werden dürfen.
Aufgabe 4: Erläutern
Operator: Erläutern
Erläutere mithilfe der christlichen Vorstellung von der Gottebenbildlichkeit, warum Forschung mit menschlichen Embryonen ethisch umstritten ist.
Musterantwort:
Nach der biblischen Vorstellung ist der Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen. Daraus wird in der christlichen Ethik die besondere Würde jedes Menschen abgeleitet. Diese Würde hängt nicht von Leistung, Gesundheit, Intelligenz oder anderen Fähigkeiten ab.
Überträgt man diese Vorstellung auf menschliche Embryonen, entsteht die Frage, ob ihnen bereits von Beginn ihrer Entwicklung an diese besondere Würde zukommt. Wird diese Frage bejaht, dürfen Embryonen nicht ausschließlich als Forschungsmaterial betrachtet werden. Ihre Verwendung für andere Zwecke könnte dann als Instrumentalisierung menschlichen Lebens verstanden werden.
Gleichzeitig besitzt auch die Hilfe für kranke Menschen aus christlicher Sicht eine hohe Bedeutung. Deshalb entsteht ein ethischer Konflikt zwischen dem Schutz frühen menschlichen Lebens und der Hoffnung, durch Forschung Leiden zu lindern und Krankheiten zu behandeln.
Aufgabe 5: Vergleichen
Operator: Vergleichen
Vergleiche eine Ethik, die den moralischen Status von Fähigkeiten wie Bewusstsein abhängig macht, mit einem christlichen Verständnis von Menschenwürde.
Musterantwort:
Eine Position, die den moralischen Status an Fähigkeiten bindet, fragt danach, welche Eigenschaften ein Lebewesen bereits besitzt. Dazu können Bewusstsein, Empfindungsfähigkeit oder Autonomie gehören. Da ein früher Embryo diese Fähigkeiten noch nicht besitzt, kann ihm nach dieser Auffassung ein anderer moralischer Status zukommen als einem geborenen Menschen.
Ein christliches Verständnis von Menschenwürde geht dagegen grundsätzlich davon aus, dass die Würde eines Menschen nicht von seinen Leistungen und Fähigkeiten abhängt. Sie wird mit seinem Menschsein und der Gottebenbildlichkeit verbunden.
Der wesentliche Unterschied liegt somit in der Begründung des moralischen Wertes. Eine fähigkeitsbezogene Position berücksichtigt vorhandene Eigenschaften, während das christliche Menschenbild die Würde nicht von solchen Fähigkeiten abhängig macht. Daraus können unterschiedliche Konsequenzen für den Schutz embryonalen Lebens entstehen.
Aufgabe 6: Erläutern
Operator: Erläutern
Erläutere das ethische Problem von Heilungsversprechen in der Stammzellforschung.
Musterantwort:
Heilungsversprechen können Hoffnung bei schwer erkrankten Menschen und ihren Familien erzeugen. Forschung ist notwendig, damit neue Behandlungsmöglichkeiten entstehen können. Problematisch wird es jedoch, wenn mögliche zukünftige Erfolge so dargestellt werden, als seien sie bereits sicher.
Der Artikel kritisiert, dass die Hoffnung auf Heilung als Argument für ethisch umstrittene Forschung eingesetzt werden kann. Wenn der tatsächliche Nutzen noch unsicher ist, dürfen mögliche zukünftige Therapien nicht als sichere Rechtfertigung dargestellt werden.
Aus ethischer Sicht verlangt dies Ehrlichkeit und Transparenz. Forschende müssen zwischen gesicherten Erkenntnissen, begründeten Erwartungen und bloßen Hoffnungen unterscheiden. Besonders gegenüber schwer erkrankten Menschen besteht die Verantwortung, keine unrealistischen Erwartungen zu erzeugen.
Aufgabe 7: Analysieren
Operator: Analysieren
Analysiere das Gedankenexperiment von Dan Brock, bei einem Brand entweder ein achtjähriges Kind oder hundert befruchtete Eizellen retten zu können. Erkläre, welches Argument Brock damit verdeutlichen möchte.
Musterantwort:
Dan Brock stellt eine Situation vor, in der ein Mensch zwischen der Rettung eines achtjährigen Kindes und der Rettung von hundert befruchteten Eizellen entscheiden muss. Vermutlich würden viele Menschen das achtjährige Kind retten.
Brock möchte damit zeigen, dass Menschen einem geborenen Kind offenbar einen anderen moralischen Status zuschreiben als frühen Embryonen. Obwohl hundert Embryonen zahlenmäßig mehr menschliche Lebewesen darstellen könnten, würde nach seiner Annahme das einzelne geborene Kind bevorzugt.
Das Gedankenexperiment soll damit die Vorstellung infrage stellen, dass ein früher Embryo moralisch vollständig mit einem geborenen Menschen gleichgesetzt werden kann. Allerdings beweist die Rettungsentscheidung allein noch nicht, dass Embryonen überhaupt keinen moralischen Wert besitzen. Sie kann lediglich zeigen, dass Menschen in einer konkreten Konfliktsituation unterschiedliche Schutzansprüche gewichten.
Aufgabe 8: Beurteilen
Operator: Beurteilen
Beurteile die Aussage: „Die Hoffnung, in Zukunft schwere Krankheiten heilen zu können, rechtfertigt die Forschung mit embryonalen Stammzellen.“
Musterantwort:
Für die Aussage spricht die Verantwortung gegenüber schwer erkrankten Menschen. Medizinische Forschung kann neue Erkenntnisse ermöglichen und langfristig dazu beitragen, Krankheiten besser zu verstehen oder zu behandeln. Wenn embryonale Stammzellen dafür besondere wissenschaftliche Möglichkeiten bieten, kann dies ein starkes Argument für entsprechende Forschung sein.
Gegen die Aussage spricht der Schutz menschlicher Embryonen. Wenn Embryonen einen besonderen moralischen Status besitzen, darf ihr Schutz nicht allein aufgrund eines möglichen zukünftigen Nutzens aufgehoben werden. Hinzu kommt, dass eine Hoffnung auf Heilung noch kein nachgewiesener Therapieerfolg ist.
Die Hoffnung auf zukünftige Heilungen stellt deshalb ein wichtiges Argument dar, kann die Forschung aber nicht allein rechtfertigen. Zusätzlich müssen der moralische Status des Embryos, wissenschaftliche Erfolgsaussichten, mögliche Alternativen und die Grenzen der Forschungsfreiheit berücksichtigt werden.
Aufgabe 9: Erörtern
Operator: Erörter
Erörtere die Frage: „Darf menschliches Leben für medizinische Forschung genutzt werden, wenn dadurch möglicherweise andere Menschen gerettet werden können?“
Musterantwort:
Für eine solche Nutzung spricht das Ziel, Krankheiten zu behandeln und menschliches Leiden zu vermindern. Medizinische Forschung hat in der Vergangenheit wesentlich dazu beigetragen, Krankheiten besser zu verstehen und Therapien zu entwickeln. Wenn Stammzellforschung zukünftig schwer erkrankten Menschen helfen könnte, besitzt dieses Ziel ein großes ethisches Gewicht.
Dagegen steht der Schutz menschlichen Lebens. Wenn ein Embryo bereits als menschliches Leben mit umfassender Würde betrachtet wird, wäre es problematisch, ihn für die Interessen anderer Menschen zu verwenden. Er würde dadurch möglicherweise zum Mittel für einen fremden Zweck.
Die Bewertung hängt daher wesentlich davon ab, welcher moralische Status dem frühen Embryo zugesprochen wird. Außerdem müssen die tatsächlichen Erfolgsaussichten und mögliche Forschungsalternativen berücksichtigt werden. Ein möglicher Nutzen allein reicht nicht aus, um jede Form medizinischer Forschung zu rechtfertigen.
Aufgabe 10: Stellung nehmen
Operator: Stellung nehmen
Nimm aus christlich ethischer Perspektive begründet Stellung zu der Frage: „Soll die Forschung mit embryonalen Stammzellen erlaubt sein?“
Musterantwort:
Aus christlich ethischer Perspektive stehen zwei wichtige Anliegen miteinander in Spannung. Einerseits besitzt der Schutz menschlichen Lebens eine besondere Bedeutung. Die Vorstellung der Gottebenbildlichkeit begründet eine Menschenwürde, die nicht von Leistung, Gesundheit oder Fähigkeiten abhängig ist. Wird diese Würde bereits dem frühen Embryo zugesprochen, entstehen erhebliche Einwände gegen seine Verwendung für Forschungszwecke.
Andererseits gehört auch die Hilfe für kranke und leidende Menschen zu den zentralen Anliegen christlicher Ethik. Forschung, die zur Behandlung schwerer Krankheiten beitragen kann, verfolgt deshalb ein moralisch bedeutsames Ziel.
Eine ethische Beurteilung muss daher prüfen, wie der moralische Status des Embryos verstanden wird, welchen tatsächlichen medizinischen Nutzen die Forschung erwarten lässt und ob alternative Forschungsmethoden zur Verfügung stehen. Aus christlich ethischer Sicht besitzt der Schutz menschlichen Lebens ein besonderes Gewicht. Zugleich müssen die Verantwortung gegenüber kranken Menschen und die Bedeutung medizinischer Forschung berücksichtigt werden. Eine begründete Position muss diese Güter gegeneinander abwägen und darf weder den Embryonenschutz noch die Hoffnungen erkrankter Menschen lediglich als Mittel für andere Interessen verwenden.
Aufgabe 11: Erörtern
Operator: Erörtern
Erörtere die Aussage des Artikels: „Was alle angeht, muss auch unter Beteiligung aller entschieden werden.“
Musterantwort:
Für die Aussage spricht, dass Stammzellforschung grundlegende gesellschaftliche Werte wie Menschenwürde, Lebensschutz, Forschungsfreiheit und Verantwortung betrifft. Entscheidungen darüber beeinflussen nicht nur Forschende, sondern die gesamte Gesellschaft. Deshalb sollten unterschiedliche gesellschaftliche Perspektiven berücksichtigt werden.
Fachleute besitzen allerdings besonderes Wissen über medizinische, naturwissenschaftliche, rechtliche und ethische Fragen. Ohne dieses Fachwissen könnten gesellschaftliche Entscheidungen auf falschen Annahmen beruhen. Experten besitzen deshalb eine wichtige beratende Funktion.
Problematisch wäre es jedoch, ethische Entscheidungen vollständig an Fachleute abzugeben. Die Frage, welchen Wert menschliches Leben besitzt und welche Grenzen Forschung haben soll, ist keine ausschließlich naturwissenschaftliche Frage.
Deshalb sollten Fachleute die notwendigen Informationen und Argumente bereitstellen, während Politik und Gesellschaft an der ethischen und rechtlichen Entscheidungsfindung beteiligt bleiben. Ethische Verantwortung kann nicht vollständig an Experten übertragen werden.