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Fachverband Ethik Baden Württemberg

Fachverband Ethik Baden Württemberg

Thema: Präimplantationsdiagnostik (PID)

Veröffentlichung:1.1.2008

Das Medium ist ein Kommentar von Christina Berndt mit dem Titel „Embryonen auf Eis“, der am 25. Juli 2008 in der Süddeutschen Zeitung erschienen ist. Ausgangspunkt ist der dreißigste Jahrestag der Geburt von Louise Brown, des ersten durch künstliche Befruchtung gezeugten Menschen. Die Autorin beschreibt die Entwicklung der Fortpflanzungsmedizin und vertritt die Position, dass die damaligen gesetzlichen Regelungen in Deutschland den medizinischen Möglichkeiten nicht mehr gerecht würden. Im Mittelpunkt steht die Präimplantationsdiagnostik, kurz PID. Dabei werden im Rahmen einer künstlichen Befruchtung entstandene Embryonen vor der Übertragung in die Gebärmutter genetisch untersucht. Die Autorin argumentiert für eine begrenzte Zulassung dieses Verfahrens bei schweren Erbkrankheiten. Sie verweist auf die Belastungen betroffener Familien und stellt die Frage, weshalb die Untersuchung eines Embryos vor der Übertragung untersagt sein soll, während unter bestimmten Voraussetzungen später ein Schwangerschaftsabbruch möglich ist. Zugleich setzt sich der Text mit Einwänden auseinander, nach denen PID zu einer Auswahl von Menschen aufgrund gewünschter Eigenschaften, zu neuer Eugenik oder zur Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen führen könnte. Die Autorin weist diese Befürchtungen für eine streng begrenzte Anwendung zurück und fordert klare gesetzliche Regelungen. Das Medium stellt damit einen ausdrücklich argumentierenden Beitrag dar und eignet sich als Ausgangspunkt für die ethische Auseinandersetzung mit Embryonenschutz, Menschenwürde, Kinderwunsch und den Grenzen moderner Reproduktionsmedizin.

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Das Medium eignet sich für den Religionsunterricht der Sekundarstufe I besonders für Unterrichtseinheiten zu Menschenwürde, christlichem Menschenbild, Schöpfungsverantwortung, Gewissen, medizinischer Ethik, Reproduktionsmedizin, Behinderung und Verantwortung. Die Präimplantationsdiagnostik führt Lernende an eine ethisch anspruchsvolle Grundfrage heran: Darf der Mensch entscheiden, welcher Embryo die Möglichkeit zur weiteren Entwicklung erhält und welcher nicht? Damit verbindet das Medium medizinische Sachfragen mit grundlegenden anthropologischen und religiösen Fragen nach dem Beginn menschlichen Lebens und seinem Schutz.

Vor der eigentlichen Textarbeit sollte zunächst geklärt werden, was unter künstlicher Befruchtung und Präimplantationsdiagnostik zu verstehen ist. Für Lernende der 10. Klasse ist eine klare begriffliche Unterscheidung besonders wichtig. Die PID findet vor der Übertragung eines im Rahmen einer künstlichen Befruchtung entstandenen Embryos in die Gebärmutter statt. Diese sachliche Grundlage verhindert, dass PID mit Untersuchungen während einer bestehenden Schwangerschaft oder mit einem Schwangerschaftsabbruch gleichgesetzt wird. Da der Artikel aus dem Jahr 2008 stammt, muss außerdem verdeutlicht werden, dass er die damalige Rechtslage und den damaligen Stand der öffentlichen Diskussion beschreibt. Die rechtlichen Aussagen des Mediums dürfen deshalb nicht ohne weitere Prüfung auf die Gegenwart übertragen werden.

Als Einstieg eignet sich ein Gedankenexperiment. Den Lernenden kann ein fiktiver Fall vorgestellt werden, in dem beide Eltern eine genetische Veranlagung für eine schwere Erbkrankheit besitzen und bereits ein Kind an dieser Krankheit verloren haben. Anschließend kann die Frage gestellt werden, ob die Eltern Embryonen vor der Übertragung in die Gebärmutter auf diese Erkrankung untersuchen lassen dürfen sollten. Die Lernenden sammeln zunächst Argumente, ohne sofort eine abschließende Bewertung vorzunehmen. Auf diese Weise wird sichtbar, dass unterschiedliche ethische Güter miteinander in Konflikt geraten.

Bei der Texterschließung sollten die Lernenden zunächst die Position der Autorin bestimmen und ihre Argumentationsstruktur untersuchen. Dabei können sie zwischen Behauptungen, Begründungen, Beispielen, Gegenargumenten und Schlussfolgerungen unterscheiden. Besonders wichtig ist die Erkenntnis, dass es sich nicht um einen neutralen Informationstext handelt. Bereits Begriffe wie „grausame Folgen“, „falsch verstandener Embryonenschutz“ oder „Schwangerschaft auf Probe“ verdeutlichen die Positionierung der Autorin. Die Lernenden können untersuchen, welche Wirkung solche Formulierungen auf die Lesenden haben und inwiefern Sprache dazu verwendet wird, eine ethische Position überzeugend erscheinen zu lassen.

In einem weiteren Schritt kann die zentrale ethische Konfliktstruktur herausgearbeitet werden. Auf der einen Seite stehen der Kinderwunsch, die Selbstbestimmung der Eltern, die Vermeidung schweren Leidens und der medizinische Fortschritt. Auf der anderen Seite stehen der Schutz menschlichen Lebens, die Menschenwürde des Embryos und die Sorge, dass Menschen aufgrund genetischer Eigenschaften bewertet und ausgewählt werden. Die Lernenden können die einzelnen Argumente diesen ethischen Prinzipien zuordnen. Dadurch wird deutlich, dass die Diskussion nicht einfach zwischen Fortschritt und Fortschrittsfeindlichkeit verläuft, sondern unterschiedliche schützenswerte Werte miteinander in Spannung geraten.

Für den Religionsunterricht bietet sich besonders die Verbindung mit der biblischen Vorstellung der Gottebenbildlichkeit an. Nach Gen 1,27 besitzt der Mensch eine besondere Würde. Daraus ergibt sich die Frage, ab welchem Zeitpunkt diese Würde dem menschlichen Leben zukommt und welche Konsequenzen daraus für den Umgang mit Embryonen entstehen. Die Lernenden können unterschiedliche Positionen kennenlernen. Eine Position betont den umfassenden Schutz menschlichen Lebens von seinem frühesten Beginn an. Eine andere Position berücksichtigt stärker die Entwicklung des Embryos und wägt seinen Schutz mit anderen ethischen Gütern ab. Ziel des Religionsunterrichts sollte dabei nicht sein, den Lernenden eine fertige Antwort vorzugeben, sondern sie zur begründeten ethischen Urteilsbildung zu befähigen.

Ein weiterer Schwerpunkt kann auf der Frage nach Krankheit und Behinderung liegen. Die Aussage der Autorin, die PID müsse nicht zu einer Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen führen, bietet einen geeigneten Diskussionsanlass. Die Lernenden können untersuchen, ob die Entscheidung gegen einen Embryo mit einer bestimmten genetischen Erkrankung gleichzeitig eine negative Bewertung bereits lebender Menschen mit dieser Erkrankung bedeutet. Dabei sollte sorgfältig zwischen der Vermeidung einer schweren Erkrankung und der Bewertung des Wertes eines Menschen unterschieden werden. Aus christlicher Perspektive kann herausgearbeitet werden, dass die Würde eines Menschen nicht von Gesundheit, Leistungsfähigkeit oder genetischen Eigenschaften abhängt.

Besonders geeignet ist eine ethische Fallanalyse. Die Lernenden erhalten einen konkreten Fall eines Paares mit einem hohen Risiko für eine schwere vererbbare Erkrankung. Zunächst werden die medizinischen Fakten geklärt. Anschließend werden die Interessen der Eltern, des möglichen Kindes und der Gesellschaft bestimmt. Danach werden ethische Prinzipien wie Menschenwürde, Schutz des Lebens, Selbstbestimmung, Fürsorge, Verantwortung und Vermeidung von Leid auf den Fall angewendet. Erst im letzten Schritt entwickeln die Lernenden ein eigenes begründetes Urteil. Diese Methode verhindert spontane Entscheidungen, die lediglich auf persönlichen Gefühlen beruhen, und fördert eine nachvollziehbare ethische Argumentation.

Methodisch eignet sich außerdem eine strukturierte Diskussion zur Frage „Darf menschliches Leben vor seiner Geburt nach genetischen Merkmalen ausgewählt werden?“. Eine Gruppe kann Argumente für eine begrenzte Anwendung der PID sammeln, eine zweite Gruppe Argumente dagegen und eine dritte Gruppe mögliche Bedingungen und Grenzen einer Anwendung entwickeln. Die Lernenden erkennen dadurch, dass zwischen einem vollständigen Verbot und einer unbegrenzten Zulassung weitere Positionen möglich sind.

Ein besonderes Augenmerk sollte auf dem im Artikel angesprochenen Argument der schiefen Ebene liegen. Kritiker befürchten, dass eine zunächst auf schwere Erbkrankheiten beschränkte PID später auf weitere genetische Merkmale ausgeweitet werden könnte. Die Lernenden können prüfen, ob dieses Argument überzeugend ist und welche gesetzlichen Grenzen erforderlich wären, um eine Auswahl nach gewünschten Eigenschaften zu verhindern. Damit kann die Frage nach einem sogenannten Wunschkind oder Designerbaby verbunden werden. Hier sollte jedoch klar zwischen medizinischer Diagnostik zur Erkennung schwerer genetischer Erkrankungen und einer hypothetischen Auswahl erwünschter Eigenschaften unterschieden werden.

Eine weitere Methode ist die Durchführung einer fiktiven Sitzung eines Ethikrates. Die Lernenden übernehmen unterschiedliche Rollen, beispielsweise betroffene Eltern, eine Ärztin oder einen Arzt, eine Person mit einer genetisch bedingten Behinderung, eine evangelische oder katholische Ethikerin oder einen entsprechenden Ethiker sowie eine Fachperson aus der Humangenetik. Jede Rolle entwickelt Argumente anhand bestimmter ethischer Kriterien. Anschließend wird versucht, eine begründete Regelung für die Anwendung der PID zu formulieren. Diese Methode fördert Perspektivübernahme, Argumentationsfähigkeit und die Einsicht, dass gesellschaftliche Entscheidungen in ethischen Konflikten unterschiedliche Interessen berücksichtigen müssen.

Auch ein Vergleich von PID und Schwangerschaftsabbruch kann auf Grundlage des Artikels sinnvoll sein. Die Autorin stellt ausdrücklich die Frage, warum eine genetische Auswahl vor der Übertragung des Embryos untersagt sein soll, wenn unter bestimmten Bedingungen später ein Schwangerschaftsabbruch möglich ist. Die Lernenden können untersuchen, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen beiden Situationen bestehen. Dabei geht es nicht darum, beide Verfahren gleichzusetzen, sondern die zugrunde liegenden ethischen Kriterien sichtbar zu machen.

Als Abschluss bietet sich ein schriftliches ethisches Urteil an. Die Lernenden beantworten beispielsweise die Frage „Soll PID zur Vermeidung schwerer Erbkrankheiten erlaubt sein?“ Dabei müssen sie mindestens zwei unterschiedliche Positionen berücksichtigen, diese mit ethischen Prinzipien verbinden und anschließend ein eigenes begründetes Urteil formulieren. Für die Bewertung sollte nicht die vertretene Position entscheidend sein, sondern die Qualität der Argumentation, die Berücksichtigung verschiedener Perspektiven und die nachvollziehbare Anwendung ethischer Kriterien.

Da Fragen nach Kinderlosigkeit, genetischen Erkrankungen, Behinderung und Schwangerschaft persönliche Erfahrungen einzelner Lernender oder ihrer Familien berühren können, ist eine sensible Unterrichtsgestaltung erforderlich. Persönliche Erfahrungen sollten nicht eingefordert werden. Die Diskussion sollte auf fiktiven Fällen und den Argumenten des Mediums beruhen. Das Medium fördert damit Sachkompetenz, Methodenkompetenz, Perspektivübernahme, religiöse Deutungskompetenz und insbesondere die Fähigkeit zur differenzierten ethischen Urteilsbildung.


Prüfungsfragen für eine Klausur in Klasse 10 mit Musterantworten


Aufgabe 1: Zusammenfassen

Operator: Zusammenfassen

Fasse die Position der Autorin zur Präimplantationsdiagnostik in eigenen Worten zusammen.

Musterantwort:

Die Autorin spricht sich für eine begrenzte Zulassung der Präimplantationsdiagnostik aus. Ihrer Ansicht nach sollten besonders Paare, bei denen ein hohes Risiko für eine schwere Erbkrankheit besteht, die Möglichkeit erhalten, im Rahmen einer künstlichen Befruchtung entstandene Embryonen genetisch untersuchen zu lassen. Dadurch könnten Embryonen ausgewählt werden, die eine bestimmte schwere Erbkrankheit nicht tragen. Die Autorin argumentiert, dass dadurch großes Leid für betroffene Familien verhindert werden könne. Gleichzeitig fordert sie klare Grenzen. Die PID soll ihrer Ansicht nach nicht zur Auswahl beliebiger Eigenschaften wie der Augenfarbe verwendet werden. Sie befürwortet somit keine unbegrenzte Anwendung, sondern eine streng geregelte Zulassung bei schweren genetischen Erkrankungen.


Aufgabe 2: Herausarbeiten

Operator: Herausarbeiten

Arbeite aus dem Text drei Argumente heraus, mit denen die Autorin eine begrenzte Zulassung der PID begründet.

Musterantwort:

Ein erstes Argument betrifft die Vermeidung schweren Leidens. Eltern, die eine genetische Veranlagung für eine schwere Erbkrankheit besitzen, könnten mithilfe der PID Embryonen untersuchen lassen und dadurch das Risiko einer entsprechenden Erkrankung ihres Kindes verringern.

Ein zweites Argument betrifft die Belastung der betroffenen Eltern. Die Autorin verweist darauf, dass manche Familien bereits schwer erkrankte Kinder haben oder den Tod eines Kindes erleben mussten. Für solche Familien könne die PID eine Möglichkeit darstellen, eine erneute schwere Belastung zu vermeiden.

Ein drittes Argument ergibt sich aus dem Vergleich mit einem späteren Schwangerschaftsabbruch. Die Autorin hält es für widersprüchlich, eine genetische Untersuchung vor der Übertragung des Embryos zu verbieten, während unter bestimmten Voraussetzungen ein späterer Schwangerschaftsabbruch möglich ist.


Aufgabe 3: Analysieren

Operator: Analysieren

Analysiere die sprachlichen Mittel, mit denen die Autorin ihre Position zur PID unterstützt.

Musterantwort:

Die Autorin verwendet eine deutlich wertende Sprache. Beispielsweise spricht sie von „grausamen Folgen“ eines ihrer Ansicht nach falsch verstandenen Embryonenschutzes. Dadurch werden die Auswirkungen der damaligen Regelungen emotional zugespitzt. Auch die Formulierung „Schwangerschaft auf Probe“ soll die bestehende Situation problematisch erscheinen lassen.

Gleichzeitig verwendet die Autorin konkrete Beispiele schwerer Erbkrankheiten. Dadurch wird die Diskussion nicht nur abstrakt geführt, sondern mit dem möglichen Leiden betroffener Menschen verbunden. Die Argumentation erhält damit eine emotionale Dimension.

Die Überschrift „Embryonen auf Eis“ besitzt ebenfalls eine doppelte Bedeutung. Sie verweist einerseits auf das Einfrieren von Embryonen und andererseits darauf, dass nach Ansicht der Autorin notwendige politische Entscheidungen nicht getroffen werden. Die sprachlichen Mittel unterstützen insgesamt die Forderung nach einer Veränderung der gesetzlichen Regelungen.


Aufgabe 4: Erläutern

Operator: Erläutern

Erläutere, weshalb die PID aus Sicht des christlichen Menschenbildes eine ethische Herausforderung darstellt.

Musterantwort:

Eine zentrale Grundlage des christlichen Menschenbildes ist die Vorstellung, dass der Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen ist. Daraus wird die besondere Würde jedes Menschen abgeleitet. Diese Würde hängt nicht davon ab, ob ein Mensch gesund oder krank ist, welche Fähigkeiten er besitzt oder welchen Nutzen er für andere Menschen hat.

Bei der PID entsteht deshalb die Frage, welchen Schutz ein menschlicher Embryo besitzt. Wenn Embryonen aufgrund genetischer Eigenschaften ausgewählt werden, muss geklärt werden, ob dadurch menschliches Leben nach bestimmten Merkmalen bewertet wird.

Gleichzeitig gehört auch die Verantwortung gegenüber zukünftigen Kindern und ihren Eltern zur ethischen Betrachtung. Wenn eine schwere genetische Erkrankung großes Leiden verursacht, kann der Wunsch verständlich sein, dieses Leiden zu verhindern.

Die ethische Herausforderung besteht deshalb darin, den Schutz menschlichen Lebens mit Selbstbestimmung, Fürsorge und der Vermeidung schweren Leidens abzuwägen.


Aufgabe 5: Vergleichen

Operator: Vergleichen

Vergleiche die Prinzipien Embryonenschutz und Selbstbestimmung der Eltern im Zusammenhang mit der PID.

Musterantwort:

Der Embryonenschutz stellt den Schutz des entstehenden menschlichen Lebens in den Mittelpunkt. Wenn einem Embryo bereits ein hoher moralischer Schutz zukommt, darf er nicht allein aufgrund bestimmter genetischer Eigenschaften von einer weiteren Entwicklung ausgeschlossen werden.

Das Prinzip der Selbstbestimmung richtet den Blick dagegen auf die Eltern. Sie müssen möglicherweise mit dem Risiko umgehen, ein Kind mit einer schweren genetischen Erkrankung zu bekommen. Befürwortende der PID argumentieren deshalb, dass Eltern selbst entscheiden dürfen sollten, ob sie eine genetische Untersuchung durchführen lassen.

Beide Prinzipien können miteinander in Konflikt geraten. Die Freiheit der Eltern kann nicht betrachtet werden, ohne zugleich nach dem moralischen Status des Embryos zu fragen. Umgekehrt muss eine Forderung nach umfassendem Embryonenschutz berücksichtigen, welche Folgen sie für betroffene Familien haben kann.


Aufgabe 6: Erläutern

Operator: Erläutern

Erläutere den Zusammenhang zwischen Menschenwürde und Behinderung in der Diskussion über PID.

Musterantwort:

Die Menschenwürde gilt jedem Menschen unabhängig von Gesundheit, Krankheit oder Behinderung. Aus christlicher Perspektive kann dies mit der Gottebenbildlichkeit begründet werden. Ein Mensch mit einer genetischen Erkrankung besitzt daher denselben Wert und dieselbe Würde wie jeder andere Mensch.

In der Diskussion über PID entsteht die Sorge, dass die Auswahl von Embryonen ohne bestimmte genetische Erkrankungen den Eindruck erwecken könnte, ein Leben mit Behinderung sei weniger wertvoll. Befürwortende einer begrenzten PID unterscheiden dagegen zwischen der Bewertung eines bereits lebenden Menschen und dem Wunsch, eine schwere Erkrankung zu vermeiden.

Die entscheidende ethische Aufgabe besteht deshalb darin, die Vermeidung von Krankheit nicht mit einer Abwertung erkrankter oder behinderter Menschen gleichzusetzen. Eine Gesellschaft muss die Würde und Rechte von Menschen mit Behinderungen unabhängig davon schützen, welche medizinischen Möglichkeiten zur Vermeidung bestimmter Erkrankungen existieren.


Aufgabe 7: Beurteilen

Operator: Beurteilen

Beurteile die Aussage: „Wenn eine schwere Erbkrankheit verhindert werden kann, sollte die PID angewendet werden.“

Musterantwort:

Für die Aussage spricht, dass eine schwere Erbkrankheit erhebliches körperliches und seelisches Leiden verursachen kann. Wenn Eltern bereits Erfahrungen mit einer solchen Erkrankung gemacht haben, kann ihr Wunsch verständlich sein, dieses Leiden einem zukünftigen Kind zu ersparen. Die PID kann in bestimmten Fällen eine Möglichkeit bieten, das Risiko einer schweren genetischen Erkrankung zu reduzieren.

Gegen die Aussage spricht, dass bei einer PID eine Auswahl zwischen Embryonen stattfindet. Damit stellt sich die Frage nach dem moralischen Status und dem Schutz menschlicher Embryonen. Außerdem muss verhindert werden, dass aus der Vermeidung schwerer Erkrankungen schrittweise eine Auswahl nach immer mehr gewünschten genetischen Eigenschaften entsteht.

Die Aussage ist deshalb zu allgemein formuliert. Die Möglichkeit, eine Erkrankung zu vermeiden, reicht allein noch nicht für eine ethische Entscheidung aus. Menschenwürde, Embryonenschutz, Selbstbestimmung, Schwere der Erkrankung und mögliche Folgen der Auswahl müssen gemeinsam berücksichtigt werden.


Aufgabe 8: Erörtern

Operator: Erörtern

Erörtere die Frage: „Darf menschliches Leben aufgrund genetischer Eigenschaften ausgewählt werden?“

Musterantwort:

Gegen eine Auswahl spricht zunächst die Vorstellung von der gleichen Würde jedes menschlichen Lebens. Wenn Embryonen aufgrund genetischer Eigenschaften ausgewählt werden, besteht die Gefahr, menschliches Leben nach erwünschten und unerwünschten Merkmalen zu unterscheiden. Besonders problematisch wäre eine Auswahl nach Eigenschaften wie Aussehen, Geschlecht oder erwarteten Fähigkeiten.

Für eine begrenzte Auswahl kann dagegen die Vermeidung schwerer Erkrankungen angeführt werden. Eltern könnten mithilfe der PID verhindern wollen, dass ihr Kind an einer schweren und möglicherweise tödlich verlaufenden Erbkrankheit leidet. Eine solche Entscheidung verfolgt nicht unbedingt das Ziel, ein möglichst perfektes Kind zu schaffen, sondern kann aus Fürsorge und der Erfahrung schweren Leidens entstehen.

Eine ethische Beurteilung muss deshalb zwischen unterschiedlichen Zielen genetischer Auswahl unterscheiden. Die Auswahl eines Embryos nach beliebigen gewünschten Eigenschaften wirft andere ethische Fragen auf als die Untersuchung auf eine schwere Erbkrankheit. Gleichzeitig bleibt auch bei medizinischen Anwendungen die grundlegende Frage nach dem Schutz des Embryos bestehen.


Aufgabe 9: Erörtern

Operator: Erörtern

Erörtere die Frage: „Führt die PID zu einer Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen?“

Musterantwort:

Für diese Befürchtung spricht, dass durch die PID Embryonen mit bestimmten genetischen Auffälligkeiten von einer weiteren Entwicklung ausgeschlossen werden können. Dadurch könnte gesellschaftlich der Eindruck entstehen, ein Leben mit einer bestimmten Behinderung sei unerwünscht oder weniger lebenswert. Menschen mit Behinderungen könnten dies als Abwertung ihrer eigenen Existenz wahrnehmen.

Dagegen lässt sich einwenden, dass eine Entscheidung gegen die Weitergabe einer schweren Erbkrankheit nicht zwangsläufig eine Ablehnung bereits lebender Menschen mit dieser Erkrankung bedeutet. Eltern können einen Menschen mit Behinderung vollständig in seiner Würde anerkennen und gleichzeitig versuchen, eine schwere Erkrankung bei einem zukünftigen Kind zu vermeiden.

Entscheidend ist deshalb eine klare Unterscheidung zwischen der Vermeidung einer Krankheit und der Bewertung eines Menschen. Eine Gesellschaft, die PID ermöglicht, trägt zugleich eine besondere Verantwortung dafür, Menschen mit Behinderungen umfassend anzuerkennen, zu unterstützen und vor Diskriminierung zu schützen.


Aufgabe 10: Stellung nehmen

Operator: Stellung nehmen

Nimm aus christlich ethischer Perspektive begründet Stellung zu der Frage: „Soll die PID bei schweren Erbkrankheiten erlaubt sein?“

Musterantwort:

Für eine begrenzte Zulassung spricht die Verantwortung gegenüber zukünftigen Kindern und ihren Familien. Eine schwere genetische Erkrankung kann mit erheblichem Leiden verbunden sein. Eltern können deshalb den Wunsch haben, ihrem zukünftigen Kind dieses Leiden zu ersparen. Fürsorge und Verantwortung können somit Argumente für eine begrenzte Anwendung der PID liefern.

Gleichzeitig besitzt der Schutz menschlichen Lebens aus christlicher Perspektive eine hohe Bedeutung. Die Vorstellung von der Gottebenbildlichkeit macht deutlich, dass der Wert menschlichen Lebens nicht von genetischen Eigenschaften, Gesundheit oder Leistungsfähigkeit abhängig ist. Eine Auswahl von Embryonen darf deshalb nicht leichtfertig erfolgen.

Besonders problematisch wäre eine Anwendung der PID zur Auswahl von Eigenschaften wie Aussehen oder erwarteten Fähigkeiten. Dadurch würde die Gefahr entstehen, menschliches Leben zunehmend nach den Vorstellungen anderer Menschen zu bewerten.

Eine begrenzte Zulassung bei besonders schweren Erbkrankheiten kann ethisch vertreten werden, wenn der Schutz menschlichen Lebens ernst genommen wird, klare Grenzen bestehen und Menschen mit Erkrankungen oder Behinderungen nicht in ihrer Würde abgewertet werden. Gleichzeitig bleibt eine ablehnende Position aus Gründen eines umfassenden Embryonenschutzes ethisch begründbar. Entscheidend ist, dass das Urteil die Menschenwürde, den Schutz des Embryos, die Situation der Eltern und die Verantwortung gegenüber dem zukünftigen Kind berücksichtigt.

Hessen

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Sekundarstufe II | Q3 Ethik – die Frage nach Gut und Böse

Q3.4 Herausforderungen für Kirche und Ethik durch neue Erkenntnisse in Biologie und Medizin.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.3 Das Leben verantworten: Grundfragen medizinischer Ethik.

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