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Fachverband Ethik Baden Württemberg

Fachverband Ethik Baden Württemberg

Thema: Leihmutterschaft

Veröffentlichung:1.1.1998

Das Medium ist ein Zeitungsartikel von Christian Heinrich mit dem Titel „Abgenabelt für immer“, der am 22. Juli 2008 in der Süddeutschen Zeitung erschienen ist. Am Beispiel der Leihmutter Jennifer Cantor und der Zwillinge Ethan und Jonathan thematisiert der Beitrag die Frage, welche Folgen die Trennung eines Kindes von der Frau haben kann, die es während der Schwangerschaft ausgetragen und geboren hat. Der Artikel erläutert zunächst das Prinzip der Leihmutterschaft und unterscheidet verschiedene Formen. Anschließend werden wissenschaftliche Untersuchungen und Einschätzungen von Fachleuten vorgestellt, die sich mit der Bindung zwischen Kind, gebärender Frau und späteren Eltern beschäftigen. Während eine britische Studie keine eindeutigen langfristigen Nachteile für Kinder aus Leihmutterschaften feststellt, verweisen andere Fachleute auf mögliche Belastungen durch die frühe Trennung von der gebärenden Frau. Darüber hinaus behandelt der Text die Bedeutung von Schwangerschaft, körperlicher Nähe, Hormonen und frühen Bindungserfahrungen. Das Medium eröffnet damit eine kontroverse Auseinandersetzung mit Leihmutterschaft, Elternschaft, Kindeswohl und moderner Reproduktionsmedizin.

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Das Medium eignet sich für den Religionsunterricht besonders für Unterrichtseinheiten zu Menschenwürde, christlichem Menschenbild, Familie, Elternschaft, Verantwortung, Liebe, Kinderwunsch, Reproduktionsmedizin und medizinischer Ethik. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob alles, was medizinisch möglich ist und den Wunsch nach einem eigenen Kind erfüllen kann, auch ethisch verantwortbar ist. Die Leihmutterschaft eignet sich besonders für ethisches Lernen, weil verschiedene berechtigte Interessen miteinander in Spannung geraten. Zu berücksichtigen sind der Kinderwunsch der zukünftigen Eltern, die Selbstbestimmung der Leihmutter, das Wohl des Kindes, die Bedeutung der Schwangerschaft für die Entstehung von Bindung und die Gefahr einer wirtschaftlichen Nutzung des weiblichen Körpers.

Als Einstieg kann die Frage „Wer ist die Mutter eines Kindes?“ verwendet werden. Die Lernenden sammeln zunächst mögliche Antworten und erkennen, dass der Begriff Mutterschaft im Zusammenhang mit moderner Reproduktionsmedizin unterschiedliche Bedeutungen besitzen kann. Mutter kann die Frau sein, von der die Eizelle stammt, die Frau, die das Kind austrägt und zur Welt bringt, oder die Frau, die dauerhaft Verantwortung für das Kind übernimmt. Diese Unterscheidung eröffnet einen Zugang zur ethischen Komplexität der Leihmutterschaft. Gleichzeitig kann deutlich werden, dass Elternschaft nicht ausschließlich durch genetische Abstammung bestimmt wird, sondern ebenso durch Beziehung, Fürsorge und dauerhaft übernommene Verantwortung.

Für die Texterschließung bietet sich eine arbeitsteilige Vorgehensweise an. Die Lernenden können Aussagen des Artikels den Perspektiven des Kindes, der Leihmutter und der zukünftigen Eltern zuordnen. Eine weitere Gruppe kann die im Text genannten wissenschaftlichen Aussagen untersuchen. Anschließend werden die Ergebnisse zusammengeführt. Dabei erkennen die Lernenden, dass die Beteiligten unterschiedliche Interessen, Hoffnungen und mögliche Belastungen besitzen. Zugleich lernen sie, zwischen wissenschaftlichen Befunden, Einschätzungen einzelner Fachleute, Vermutungen und journalistischen Zuspitzungen zu unterscheiden.

Besondere Aufmerksamkeit sollte der wissenschaftlichen Argumentation des Artikels gelten. Die Lernenden können herausarbeiten, dass die dargestellten Forschungsergebnisse keine völlig eindeutige Antwort auf die Frage nach langfristigen Folgen der Leihmutterschaft liefern. Während eine Untersuchung keine eindeutigen Unterschiede in der Qualität familiärer Beziehungen feststellt, werden zugleich mögliche erhöhte Belastungen erwähnt. Im Unterricht sollte deshalb darauf geachtet werden, einzelne Aussagen über mögliche Traumatisierungen nicht vorschnell als allgemeingültige Tatsachen zu behandeln. Da der Artikel aus dem Jahr 2008 stammt, sollten die dargestellten Forschungsergebnisse zudem als zeitgebundener Forschungsstand verstanden werden. Für die ethische Auseinandersetzung bleibt jedoch die Grundfrage relevant, welche Risiken für ein Kind bei Entscheidungen über Reproduktionsmedizin berücksichtigt werden müssen.

Eine zentrale didaktische Möglichkeit besteht in der Auseinandersetzung mit dem Begriff des Kindeswohls. Die Lernenden können Kriterien entwickeln, die für das Wohl eines Kindes bedeutsam sind. Dazu können Geborgenheit, verlässliche Beziehungen, körperliche und seelische Gesundheit, Fürsorge, Schutz, Liebe, Identität und das Wissen um die eigene Herkunft gehören. Anschließend kann geprüft werden, welche dieser Kriterien durch Leihmutterschaft berührt werden. Dadurch wird vermieden, die Diskussion ausschließlich aus der Perspektive der Erwachsenen und ihres Kinderwunsches zu führen.

Für den Religionsunterricht bietet sich anschließend die Verbindung mit dem christlichen Menschenbild an. Die Vorstellung von der Gottebenbildlichkeit des Menschen kann als Grundlage für die Überzeugung dienen, dass jeder Mensch einen eigenen Wert besitzt und niemals ausschließlich als Mittel zur Erfüllung der Wünsche anderer betrachtet werden darf. Dies betrifft sowohl das Kind als auch die Leihmutter. Gleichzeitig können Liebe, Fürsorge und Verantwortung als wesentliche Merkmale von Elternschaft herausgearbeitet werden. Die Lernenden können dadurch untersuchen, ob Elternschaft aus christlicher Perspektive stärker durch biologische Abstammung oder durch dauerhaft übernommene Verantwortung bestimmt wird.

Eine weitere zentrale Fragestellung betrifft die Selbstbestimmung der Leihmutter. Einerseits kann argumentiert werden, dass eine erwachsene Frau selbst über ihren Körper entscheiden und sich freiwillig für eine Schwangerschaft für andere Menschen entscheiden darf. Andererseits stellt sich die Frage, ob finanzielle Not oder wirtschaftliche Abhängigkeit die Freiwilligkeit einer solchen Entscheidung einschränken können. Damit eröffnet das Medium einen Zugang zur Frage, wo die Grenzen körperlicher Selbstbestimmung liegen und ob Schwangerschaft zu einer bezahlten Dienstleistung werden darf. Besonders die im Artikel erwähnte finanzielle Vergütung kann zum Ausgangspunkt für eine Diskussion über die Kommerzialisierung menschlicher Fortpflanzung werden.

Methodisch eignet sich hierzu eine ethische Fallanalyse. Die Lernenden untersuchen einen fiktiven Fall zunächst aus verschiedenen Perspektiven. Anschließend ordnen sie Argumente den ethischen Prinzipien Menschenwürde, Selbstbestimmung, Verantwortung, Fürsorge und Kindeswohl zu. Erst danach formulieren sie ein begründetes Urteil. Dieses Vorgehen verhindert vorschnelle Bewertungen und fördert die Fähigkeit, unterschiedliche Interessen wahrzunehmen und gegeneinander abzuwägen.

Auch ein Perspektivwechsel kann gewinnbringend eingesetzt werden. Lernende können die Situation aus Sicht eines erwachsenen Kindes, einer Leihmutter oder der zukünftigen Eltern beschreiben. Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, keine Gefühle als zwangsläufig vorzugeben. Nicht jedes durch Leihmutterschaft geborene Kind muss seine Entstehungsgeschichte als belastend erleben und nicht jede Leihmutter empfindet die Trennung vom Kind auf dieselbe Weise. Ziel des Perspektivwechsels ist daher nicht die Behauptung bestimmter Gefühle, sondern das Erkennen möglicher Interessen und Konflikte.

Für eine strukturierte Diskussion eignet sich die Leitfrage „Darf der Wunsch nach einem eigenen Kind die Inanspruchnahme einer Leihmutter rechtfertigen?“. Die Lernenden sammeln zunächst Argumente verschiedener Positionen und prüfen anschließend deren ethische Tragfähigkeit. Eine weitere Leitfrage kann lauten: „Kann Schwangerschaft eine Dienstleistung sein?“ Dadurch rücken wirtschaftliche Interessen und die mögliche Kommerzialisierung des Körpers stärker in den Mittelpunkt.

Ein Vergleich mit Adoption kann ebenfalls sinnvoll sein. Dabei können die Lernenden Gemeinsamkeiten und Unterschiede hinsichtlich genetischer Abstammung, Schwangerschaft, früher Bindung, Kinderwunsch und Elternschaft herausarbeiten. Entscheidend ist, Adoption und Leihmutterschaft nicht gleichzusetzen, sondern durch den Vergleich unterschiedliche Vorstellungen von Elternschaft sichtbar zu machen.

Das Medium bietet darüber hinaus die Möglichkeit, zwischen einem Wunsch und einem Anspruch zu unterscheiden. Ein Kinderwunsch kann als menschlich nachvollziehbares und existenziell bedeutsames Bedürfnis betrachtet werden. Daraus ergibt sich jedoch die ethische Frage, ob aus diesem Wunsch ein Anspruch auf ein genetisch eigenes Kind abgeleitet werden kann und welche Grenzen durch die Rechte und Interessen anderer Beteiligter entstehen. Die Lernenden erkennen dadurch, dass ethische Urteile häufig nicht zwischen einem eindeutig guten und einem eindeutig schlechten Interesse entscheiden, sondern verschiedene schützenswerte Interessen miteinander abwägen müssen.

Da Themen wie unerfüllter Kinderwunsch, Adoption, Schwangerschaft und familiäre Herkunft für einzelne Lernende persönlich bedeutsam sein können, sollte die Unterrichtsgestaltung sensibel erfolgen. Persönliche familiäre Erfahrungen sollten nicht eingefordert werden. Die Diskussion sollte anhand des Mediums, fiktiver Fälle und ethischer Prinzipien geführt werden. Auf diese Weise fördert das Medium Sachkompetenz, Perspektivübernahme, Methodenkompetenz, religiöse Deutungskompetenz und ethische Urteilskompetenz.


Prüfungsfragen für eine Klausur in Klasse 10 mit Musterantworten


Aufgabe 1: Zusammenfassen

Operator: Zusammenfassen

Fasse die zentralen Aussagen des Artikels über mögliche Folgen einer Leihmutterschaft für das Kind zusammen.

Musterantwort:

Der Artikel beschäftigt sich mit der Frage, ob die Trennung eines Kindes von der Frau, die es ausgetragen und geboren hat, langfristige Folgen haben kann. Eine im Artikel dargestellte britische Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass sich zunächst keine eindeutigen Unterschiede in der Qualität der Beziehungen zwischen Eltern und Kindern verschiedener Familienformen feststellen lassen. Gleichzeitig werden leichte Tendenzen zu höheren Stresswerten und möglichen Problemen erwähnt. Andere Fachleute betonen die Bedeutung der Erfahrungen während der Schwangerschaft. Das Kind gewöhne sich beispielsweise an Stimme, Bewegungen und körperliche Merkmale der gebärenden Frau. Eine unmittelbare Trennung nach der Geburt könne deshalb eine Belastung darstellen. Der Artikel zeigt somit unterschiedliche Einschätzungen und liefert keine völlig eindeutige Antwort auf die Frage nach langfristigen Folgen.


Aufgabe 2: Beschreiben

Operator: Beschreiben

Beschreibe die unterschiedlichen Formen von Elternschaft, die durch Leihmutterschaft entstehen können.

Musterantwort:

Bei einer Leihmutterschaft können verschiedene Formen von Elternschaft voneinander getrennt sein. Genetische Elternschaft bezeichnet die Verbindung zu den Menschen, von denen Eizelle und Samen stammen. Die gebärende Frau trägt das Kind während der Schwangerschaft aus und bringt es zur Welt. Die soziale Elternschaft übernehmen dagegen diejenigen Menschen, die dauerhaft für das Kind sorgen, es erziehen und Verantwortung für sein Leben übernehmen. Je nach Form der Leihmutterschaft können diese Funktionen von unterschiedlichen Personen übernommen werden. Dadurch wird die Frage aufgeworfen, wodurch Elternschaft hauptsächlich bestimmt wird.


Aufgabe 3: Herausarbeiten

Operator: Herausarbeiten

Arbeite die Argumente heraus, die im Artikel für mögliche Belastungen eines Kindes durch Leihmutterschaft genannt werden.

Musterantwort:

Als mögliches Problem nennt der Artikel die Trennung des Kindes von der gebärenden Frau unmittelbar nach der Geburt. Während der Schwangerschaft nimmt das Kind körperliche Reize wie Stimme, Bewegungen und Gerüche wahr. Nach der Geburt fallen diese vertrauten Erfahrungen plötzlich weg. Fachleute im Artikel vermuten deshalb, dass die Trennung eine Belastung darstellen könnte. Zusätzlich werden in einer Studie leicht erhöhte Stresswerte und Tendenzen zu Schwierigkeiten im Bereich des Verhaltens, der Emotionen und der familiären Beziehungen erwähnt. Der Artikel macht jedoch auch deutlich, dass diese Ergebnisse nicht eindeutig sind und keine sicheren allgemeinen Aussagen über alle durch Leihmutterschaft geborenen Kinder erlauben.


Aufgabe 4: Analysieren

Operator: Analysieren

Analysiere, wie bereits die Überschrift „Abgenabelt für immer“ die Wahrnehmung der Leihmutterschaft beeinflusst.

Musterantwort:

Die Überschrift verwendet den Begriff „abgenabelt“ in einer doppelten Bedeutung. Einerseits bezeichnet die Nabelschnur die körperliche Verbindung zwischen der gebärenden Frau und dem Kind während der Schwangerschaft. Andererseits wird das Abnabeln bildlich als Trennung von einem Menschen verstanden. Durch die Ergänzung „für immer“ wird die Endgültigkeit dieser Trennung hervorgehoben.

Dadurch richtet die Überschrift die Aufmerksamkeit besonders auf mögliche negative Folgen der Trennung. Noch bevor der eigentliche Artikel gelesen wird, erscheint Leihmutterschaft als eine Situation, in der eine bedeutsame Beziehung dauerhaft beendet wird. Die Formulierung ist daher nicht neutral, sondern beeinflusst die Erwartung der Lesenden und unterstützt die problemorientierte Ausrichtung des Artikels.


Aufgabe 5: Erläutern

Operator: Erläutern

Erläutere anhand des christlichen Menschenbildes, weshalb Leihmutterschaft eine ethische Frage darstellt.

Musterantwort:

Nach christlichem Verständnis besitzt jeder Mensch eine besondere und unverfügbare Würde. Eine wichtige Grundlage dafür ist die Vorstellung von der Gottebenbildlichkeit des Menschen. Der Wert eines Menschen hängt deshalb nicht von seiner Leistung oder seinem Nutzen für andere ab.

Bei der Leihmutterschaft muss aus dieser Perspektive sowohl die Würde des Kindes als auch die Würde der Leihmutter berücksichtigt werden. Das Kind darf nicht ausschließlich als Mittel zur Erfüllung eines Kinderwunsches betrachtet werden. Ebenso darf die Leihmutter nicht auf die Funktion reduziert werden, ein Kind für andere auszutragen. Gleichzeitig können der Wunsch nach Familie, Liebe, Fürsorge und die Bereitschaft, dauerhaft Verantwortung für ein Kind zu übernehmen, positiv bewertet werden.

Die ethische Schwierigkeit besteht somit darin, unterschiedliche Interessen und Rechte miteinander abzuwägen. Menschenwürde, Kindeswohl, Selbstbestimmung und Verantwortung müssen gemeinsam berücksichtigt werden.


Aufgabe 6: Vergleichen

Operator: Vergleichen

Vergleiche die Bedeutung der Selbstbestimmung der Leihmutter mit dem Prinzip des Kindeswohls.

Musterantwort:

Das Prinzip der Selbstbestimmung betont das Recht eines erwachsenen Menschen, Entscheidungen über das eigene Leben und den eigenen Körper zu treffen. Daraus kann das Argument entstehen, dass eine Frau selbst entscheiden darf, ob sie für andere Menschen ein Kind austragen möchte.

Das Kindeswohl richtet den Blick dagegen auf die Interessen und Bedürfnisse des Kindes. Dabei geht es beispielsweise um Schutz, Geborgenheit, verlässliche Beziehungen, Identität und eine gesunde Entwicklung. Das Kind selbst kann vor seiner Entstehung oder Geburt der Vereinbarung nicht zustimmen.

Beide Prinzipien können deshalb miteinander in Spannung geraten. Die Freiheit der Erwachsenen ist ethisch bedeutsam, aber Entscheidungen über Leihmutterschaft betreffen gleichzeitig einen weiteren Menschen. Eine ethische Bewertung muss daher sowohl die Selbstbestimmung der Leihmutter als auch mögliche Auswirkungen auf das Kind berücksichtigen.


Aufgabe 7: Beurteilen

Operator: Beurteilen

Beurteile die Aussage: „Wer ein Kind liebevoll erzieht, ist seine eigentliche Mutter oder sein eigentlicher Vater.“

Musterantwort:

Für die Aussage spricht, dass Elternschaft wesentlich durch Beziehung, Fürsorge und dauerhaft übernommene Verantwortung geprägt wird. Ein Kind benötigt Menschen, die es schützen, lieben, begleiten und für seine Bedürfnisse sorgen. Auch Adoption zeigt, dass eine enge Eltern Kind Beziehung ohne genetische Verwandtschaft entstehen kann.

Gleichzeitig kann die biologische und genetische Herkunft für die Identität eines Menschen bedeutsam sein. Bei einer Leihmutterschaft kommt zusätzlich die Beziehung zur gebärenden Frau während der Schwangerschaft hinzu. Deshalb wäre es zu einfach, biologische oder genetische Aspekte grundsätzlich für bedeutungslos zu erklären.

Elternschaft lässt sich daher nicht ausschließlich auf ein einzelnes Merkmal reduzieren. Für soziale Elternschaft sind Liebe, Fürsorge und Verantwortung von zentraler Bedeutung. Gleichzeitig können genetische Abstammung und die eigene Entstehungsgeschichte für einen Menschen ebenfalls wichtig sein.


Aufgabe 8: Erörtern

Operator: Erörtern

Erörtere die Frage: „Darf Schwangerschaft zu einer bezahlten Dienstleistung werden?“

Musterantwort:

Für eine bezahlte Leihmutterschaft kann das Selbstbestimmungsrecht der Frau angeführt werden. Eine erwachsene Frau könnte freiwillig entscheiden, ein Kind für andere Menschen auszutragen. Die Schwangerschaft verlangt ihr körperlich und zeitlich viel ab. Eine finanzielle Entschädigung könnte deshalb als Anerkennung dieser Belastung verstanden werden. Außerdem kann eine Leihmutter Menschen helfen, die auf anderem Weg kein genetisch eigenes Kind bekommen können.

Dagegen spricht die Gefahr einer Kommerzialisierung des menschlichen Körpers. Wenn für eine Schwangerschaft Geld gezahlt wird, könnte der Körper der Frau als wirtschaftliche Ressource betrachtet werden. Besonders problematisch wäre es, wenn Frauen aufgrund finanzieller Not Leihmutterschaften übernehmen. Dann stellt sich die Frage, wie freiwillig die Entscheidung tatsächlich ist. Auch das Kind darf nicht den Charakter einer bestellten und bezahlten Ware erhalten.

Aus christlicher Perspektive muss die Würde aller Beteiligten berücksichtigt werden. Eine ethische Beurteilung muss daher Selbstbestimmung, wirtschaftliche Bedingungen, Kindeswohl und Menschenwürde gegeneinander abwägen. Besonders problematisch erscheinen Situationen, in denen wirtschaftlicher Druck die Entscheidungsfreiheit einschränkt oder das Kind und die Leihmutter überwiegend unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden.


Aufgabe 9: Erörtern

Operator: Erörtern

Erörtere die Aussage: „Der Wunsch nach einem eigenen Kind rechtfertigt die Inanspruchnahme einer Leihmutter.“

Musterantwort:

Für die Aussage spricht, dass ein unerfüllter Kinderwunsch für Menschen eine erhebliche persönliche Belastung darstellen kann. Reproduktionsmedizin eröffnet Möglichkeiten, trotz medizinischer Einschränkungen Eltern zu werden. Wenn eine Leihmutter freiwillig zustimmt und die zukünftigen Eltern bereit sind, dauerhaft Verantwortung für das Kind zu übernehmen, kann dies als Ausdruck gegenseitiger Hilfe verstanden werden.


Gegen die Aussage spricht, dass aus einem verständlichen Wunsch nicht automatisch ein Anspruch entsteht. Eine Leihmutterschaft betrifft nicht nur die zukünftigen Eltern, sondern auch die austragende Frau und das entstehende Kind. Deshalb müssen deren Würde, Rechte und Interessen ebenfalls berücksichtigt werden. Wirtschaftliche Abhängigkeit könnte zudem die Freiheit der Leihmutter einschränken.


Der Kinderwunsch besitzt somit ein großes persönliches Gewicht, kann aber nicht allein über die ethische Bewertung entscheiden. Entscheidend ist, ob die Würde, Selbstbestimmung und Interessen aller Beteiligten angemessen geschützt werden.


Aufgabe 10: Stellung nehmen

Operator: Stellung nehmen

Nimm aus christlich ethischer Perspektive begründet Stellung zu der Frage: „Ist Leihmutterschaft mit der Menschenwürde vereinbar?“

Musterantwort:

Bei einer christlich ethischen Beurteilung muss zunächst davon ausgegangen werden, dass alle beteiligten Menschen die gleiche Würde besitzen. Dies betrifft das Kind, die Leihmutter und die zukünftigen Eltern. Die Gottebenbildlichkeit des Menschen bedeutet, dass niemand ausschließlich als Mittel für die Interessen anderer betrachtet werden darf.

Für die Vereinbarkeit kann sprechen, dass eine Frau aus freier Entscheidung anderen Menschen helfen möchte, ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Ebenso können die zukünftigen Eltern bereit sein, das Kind liebevoll aufzunehmen und dauerhaft Verantwortung zu übernehmen.

Problematisch wird Leihmutterschaft insbesondere dann, wenn die austragende Frau aufgrund wirtschaftlicher Not handelt oder ihr Körper hauptsächlich als Mittel zur Erfüllung eines fremden Kinderwunsches betrachtet wird. Auch das Kind darf nicht wie ein bestellbares Produkt behandelt werden. Darüber hinaus müssen mögliche Interessen des Kindes an seiner Herkunft und seiner Identität berücksichtigt werden.

Ob Leihmutterschaft mit der Menschenwürde vereinbar ist, hängt daher wesentlich davon ab, wie Selbstbestimmung, Kindeswohl, Schutz vor Ausbeutung und Verantwortung gewährleistet werden. Aus christlich ethischer Perspektive verlangt das Thema eine besonders sorgfältige Abwägung, weil nicht allein die Wünsche der Erwachsenen, sondern die Würde aller Beteiligten berücksichtigt werden muss.

Hessen

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Sekundarstufe II | Q3 Ethik – die Frage nach Gut und Böse

Q3.4 Herausforderungen für Kirche und Ethik durch neue Erkenntnisse in Biologie und Medizin.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.3 Das Leben verantworten: Grundfragen medizinischer Ethik.

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