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Fachverband Ethik Baden Württemberg

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Organtransplantation: contra - Rohstoff Mensch

Veröffentlichung:1.1.1998

Das Medium ist ein Zeitungsartikel von Christina Berndt mit dem Titel „Organtransplantation: contra – Rohstoff Mensch“, der am 12. November 2008 in der Süddeutschen Zeitung erschienen ist. Der Beitrag setzt sich kritisch mit der Organ und Gewebespende sowie insbesondere mit der zunehmenden medizinischen und wirtschaftlichen Nutzung menschlichen Gewebes nach dem Tod auseinander. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Menschen mit ihrer Zustimmung auf einem Organspendeausweis nicht nur innere Organe wie Herz, Lunge, Leber oder Nieren, sondern auch zahlreiche Gewebe zur Entnahme freigeben können. Nach Ansicht der Autorin sind sich viele Spendende der Tragweite dieser Zustimmung nicht bewusst. Der Artikel unterscheidet deshalb zwischen lebensrettender Organspende und Gewebespende, die häufig der Verbesserung der Lebensqualität dient und teilweise auch für kosmetische Anwendungen genutzt wird. Besonders kritisch thematisiert der Text die wirtschaftliche Verwertung menschlicher Gewebe. Er beschreibt einen Markt, in dem Gewebe verarbeitet, weitergegeben und teilweise kommerziell gehandelt wird. Dadurch entsteht die ethische Frage, ob der menschliche Körper nach dem Tod zu einem wirtschaftlich verwertbaren Rohstoff werden kann. Zugleich verweist der Artikel auf Fragen der Menschenwürde, der informierten Zustimmung, des respektvollen Umgangs mit Verstorbenen und der Grenzen medizinischer Interessen. Die Forderung nach Gewebesparsamkeit stellt dabei einen möglichen ethischen Maßstab dar: Menschliches Gewebe soll nur verwendet werden, wenn dies medizinisch notwendig oder anderen Möglichkeiten deutlich überlegen ist.

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Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders für Unterrichtseinheiten zu Menschenwürde, Menschenbild, Sterben und Tod, Organspende, medizinischer Ethik, Verantwortung und Gewissen. Der Artikel ermöglicht Lernenden zunächst eine sachliche Auseinandersetzung mit der Unterscheidung zwischen Organ und Gewebespende. Vor der Textarbeit sollte geklärt werden, was unter einer Organspende und einer Gewebespende zu verstehen ist. Anschließend können die Lernenden herausarbeiten, welche Kritik die Autorin an der damaligen Praxis und Kommunikation zur Organ und Gewebespende formuliert. Dabei ist es didaktisch wichtig, den Text als journalistischen Beitrag mit einer erkennbar kritischen Perspektive zu behandeln und nicht als neutrale Gesamtdarstellung der Transplantationsmedizin. Die Lernenden können zwischen Informationen, Beispielen, Zitaten und Wertungen unterscheiden und untersuchen, mit welchen sprachlichen Mitteln die Autorin ihre Position verdeutlicht. Begriffe und Formulierungen wie „Rohstoff“, „Verwertung“ oder „zerlegte Leiche“ bieten einen geeigneten Ausgangspunkt für eine Analyse der sprachlichen Wirkung. In einem weiteren Schritt lässt sich die ethische Problemstellung erschließen. Zentral ist die Frage, ob die Zustimmung zu einer Spende nur dann als moralisch und rechtlich selbstbestimmte Entscheidung gelten kann, wenn ein Mensch ausreichend darüber informiert wurde, welche Organe und Gewebe entnommen und zu welchen Zwecken sie verwendet werden können. Damit kann das Prinzip der Autonomie mit der Menschenwürde, dem Schutz des menschlichen Körpers und der Verantwortung gegenüber erkrankten Menschen verbunden werden. Im Religionsunterricht bietet sich insbesondere eine Auseinandersetzung mit dem christlichen Menschenbild an. Die Vorstellung von der Gottebenbildlichkeit des Menschen kann als Ausgangspunkt dienen, um zu fragen, ob und in welcher Weise die besondere Würde des Menschen auch nach seinem Tod bei Entscheidungen über seinen Körper berücksichtigt werden muss. Gleichzeitig kann die Bereitschaft zur Organspende unter dem Gesichtspunkt der Nächstenliebe betrachtet werden. Dabei sollte vermieden werden, aus dem christlichen Liebesgebot eine moralische Verpflichtung zur Spende abzuleiten. Gerade der Gegensatz zwischen freiwilliger Hilfe für andere Menschen und einer möglichen wirtschaftlichen Verwertung des Körpers eröffnet eine anspruchsvolle ethische Diskussion. Methodisch bietet sich zunächst eine Einzelarbeit an, in der die Lernenden zentrale Aussagen markieren und den Kategorien medizinischer Nutzen, Selbstbestimmung, Menschenwürde und wirtschaftliche Interessen zuordnen. In einer anschließenden Partnerarbeit können Argumente gesammelt und auf ihre Überzeugungskraft geprüft werden. Eine Gruppenarbeit kann verschiedene Perspektiven einbeziehen, beispielsweise die Sicht einer spendebereiten Person, eines Menschen, der auf ein Organ wartet, eines Angehörigen, einer Ärztin oder eines Arztes, einer Gewebebank und einer christlichen Ethikerin oder eines christlichen Ethikers. Eine strukturierte Diskussion ermöglicht es danach, die unterschiedlichen Interessen miteinander abzuwägen. Besonders geeignet ist die Leitfrage „Darf der menschliche Körper nach dem Tod medizinisch und wirtschaftlich verwertet werden?“. Dabei sollten die Lernenden zwischen Organspende, medizinisch notwendiger Gewebespende und anderen Verwendungszwecken differenzieren. Abschließend können sie ein begründetes eigenes Urteil formulieren. Auf diese Weise verbindet das Medium Sachkompetenz, Methodenkompetenz, Urteilskompetenz und religiöse Deutungskompetenz. Da der Artikel aus dem Jahr 2008 stammt, sollte im Unterricht außerdem ausdrücklich zwischen der damaligen Darstellung und der heutigen Rechtslage sowie gegenwärtigen Praxis unterschieden werden. Gerade diese historische Distanz kann produktiv genutzt werden, indem Lernende untersuchen, welche ethischen Grundfragen weiterhin bestehen und welche Rahmenbedingungen sich verändert haben.


Aufgabe 1: Beschreiben

Operator: Beschreiben

Beschreibe die im Artikel dargestellten Unterschiede zwischen Organ und Gewebespende.

Musterantwort:

Bei einer Organspende werden nach der Darstellung des Artikels vor allem Organe wie Herz, Lunge, Leber und Nieren übertragen. Die Transplantation kann für die empfangende Person lebensrettend sein. Bei einer Gewebespende können dagegen zahlreiche Bestandteile des menschlichen Körpers verwendet werden, beispielsweise Haut, Knochen, Sehnen, Knorpel, Gefäße oder Hornhäute. Gewebe wird häufig nicht unmittelbar transplantiert, sondern zunächst verarbeitet. Außerdem dient eine Gewebetransplantation nach Darstellung des Artikels häufig der Verbesserung der Lebensqualität und nur in bestimmten Fällen unmittelbar der Rettung eines Lebens. Der Artikel weist zusätzlich darauf hin, dass verarbeitetes menschliches Gewebe wirtschaftlich interessant sein kann.


Aufgabe 2: Herausarbeiten

Operator: Herausarbeiten

Arbeite heraus, welche Kritik die Autorin an der Zustimmung zur Organ und Gewebespende äußert.

Musterantwort:

Die Autorin kritisiert vor allem, dass Menschen möglicherweise einer umfassenderen Verwendung ihres Körpers zustimmen, als ihnen bewusst ist. Wer auf dem beschriebenen Ausweis einer Spende zustimmt, kann damit nicht nur Organe, sondern auch verschiedene Gewebe zur Entnahme freigeben. Nach Auffassung der Autorin werden Spendewillige über die Unterschiede und möglichen Verwendungsformen nicht ausreichend informiert. Problematisch ist dies insbesondere deshalb, weil menschliches Gewebe sehr unterschiedlich eingesetzt werden kann. Neben medizinisch notwendigen Anwendungen nennt der Artikel auch kosmetische Verwendungszwecke. Eine selbstbestimmte Entscheidung setzt jedoch voraus, dass ein Mensch weiß, worüber er entscheidet. Die Kritik betrifft deshalb besonders die Transparenz und die Bedingungen einer informierten Zustimmung.


Aufgabe 3: Analysieren

Operator: Analysieren

Analysiere, wie die Autorin durch ihre Wortwahl die wirtschaftliche Nutzung menschlichen Gewebes problematisiert.

Musterantwort:

Die Autorin verwendet Begriffe aus dem Bereich der Wirtschaft und der industriellen Nutzung. Dazu gehören beispielsweise die Vorstellungen von „Rohstoff“, „Verwertung“, Markt, Preisen und wirtschaftlichen Interessen. Dadurch erscheint der verstorbene menschliche Körper nicht nur als Körper einer Person, sondern zugleich als etwas, dessen Bestandteile einen wirtschaftlichen Wert besitzen. Besonders eindringliche Beschreibungen körperlicher Entnahmen verstärken diese Wirkung. Die Sprache erzeugt damit einen deutlichen Gegensatz zwischen der Würde eines verstorbenen Menschen und einer wirtschaftlichen Betrachtung seines Körpers. Die Wortwahl unterstützt die kritische Perspektive des Artikels und soll die Lesenden dazu bringen, über Grenzen der medizinischen und kommerziellen Nutzung menschlichen Gewebes nachzudenken.


Aufgabe 4: Erläutern

Operator: Erläutern

Erläutere anhand des christlichen Verständnisses von Menschenwürde, weshalb die Verwendung des menschlichen Körpers nach dem Tod eine ethische Frage darstellt.

Musterantwort:

Im christlichen Menschenbild besitzt der Mensch eine besondere Würde. Eine wichtige biblische Grundlage ist die Vorstellung, dass der Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen ist. Menschenwürde hängt damit nicht von Leistung, Gesundheit, Alter oder wirtschaftlichem Nutzen ab. Der menschliche Körper kann deshalb nicht ausschließlich als Material betrachtet werden, über das andere beliebig verfügen können. Daraus lässt sich die Forderung nach einem respektvollen Umgang mit dem Körper eines verstorbenen Menschen ableiten. Gleichzeitig kann die freiwillige Organspende als Ausdruck der Nächstenliebe verstanden werden, weil ein Mensch einem anderen Menschen durch seine Spende helfen kann. Es entsteht somit kein notwendiger Gegensatz zwischen Menschenwürde und Organspende. Entscheidend sind unter anderem Freiwilligkeit, Selbstbestimmung, ein respektvoller Umgang mit dem Körper und die Frage nach dem Zweck der Entnahme. Besonders problematisch wird die Verwendung, wenn wirtschaftliche Interessen wichtiger werden als der Wille und die Würde der spendenden Person.


Aufgabe 5: Vergleichen

Operator: Vergleichen

Vergleiche die ethischen Prinzipien der Nächstenliebe und der Selbstbestimmung im Zusammenhang mit der Organspende.

Musterantwort:

Das Prinzip der Nächstenliebe richtet den Blick auf andere Menschen. Eine Organspende kann einem schwer erkrankten Menschen helfen und möglicherweise dessen Leben retten. Sie kann deshalb als freiwilliger Ausdruck solidarischen Handelns verstanden werden. Das Prinzip der Selbstbestimmung richtet den Blick dagegen auf die Entscheidung der spendenden Person. Jeder Mensch soll selbst entscheiden können, ob und in welchem Umfang der eigene Körper nach dem Tod für andere Menschen verwendet werden darf. Beide Prinzipien müssen sich nicht widersprechen. Nächstenliebe erhält gerade dann besondere ethische Bedeutung, wenn die Hilfe freiwillig geleistet wird. Problematisch wäre dagegen eine Situation, in der Menschen moralisch oder gesellschaftlich unter Druck gesetzt würden, ihre Organe oder Gewebe zur Verfügung zu stellen. Eine verantwortliche Regelung muss deshalb sowohl die Hilfe für erkrankte Menschen als auch die freie Entscheidung der spendenden Person berücksichtigen.


Aufgabe 6: Beurteilen

Operator: Beurteilen

Beurteile die Forderung nach „Gewebesparsamkeit“ unter Berücksichtigung des christlichen Menschenbildes.

Musterantwort:

Die Forderung nach Gewebesparsamkeit bedeutet, menschliches Gewebe nicht allein deshalb zu verwenden, weil dies medizinisch möglich ist. Für eine Verwendung sollten nachvollziehbare Gründe bestehen. Aus der Perspektive eines christlichen Menschenbildes lässt sich diese Forderung mit der besonderen Würde des Menschen begründen. Wenn der menschliche Körper Ausdruck der Person ist, sollte er auch nach dem Tod respektvoll behandelt und nicht ausschließlich unter dem Gesichtspunkt seiner Verwertbarkeit betrachtet werden. Gleichzeitig verpflichtet die Nächstenliebe dazu, die Bedürfnisse kranker Menschen ernst zu nehmen. Wenn menschliches Gewebe Leiden vermindern oder Leben retten kann und die spendende Person informiert zugestimmt hat, bestehen starke ethische Gründe für eine Verwendung. Gewebesparsamkeit kann deshalb als Aufforderung verstanden werden, medizinischen Nutzen, Selbstbestimmung und respektvollen Umgang mit dem menschlichen Körper miteinander abzuwägen. Besonders kritisch sind Verwendungen, bei denen der medizinische Nutzen gering ist und zugleich wirtschaftliche Interessen eine große Rolle spielen.


Aufgabe 7: Erörtern

Operator: Erörtern

Erörtere die Aussage: „Der menschliche Körper darf auch nach dem Tod niemals zu einer Ware werden.“

Musterantwort:

Für die Aussage spricht zunächst die Menschenwürde. Ein Mensch besitzt einen Wert, der nicht in Geld ausgedrückt werden kann. Wenn Bestandteile eines verstorbenen Menschen vor allem nach ihrem wirtschaftlichen Wert beurteilt werden, besteht die Gefahr, den menschlichen Körper auf eine Ressource zu reduzieren. Außerdem können wirtschaftliche Interessen das Vertrauen in die Organ und Gewebespende beeinträchtigen. Aus christlicher Perspektive spricht die Vorstellung von der besonderen Würde jedes Menschen dafür, den Körper nicht wie eine gewöhnliche Ware zu behandeln.

Gleichzeitig verursacht die Entnahme, Prüfung, Aufbereitung, Lagerung und Übertragung von Gewebe Kosten. Dass medizinische Einrichtungen für ihre Leistungen Geld erhalten, bedeutet deshalb noch nicht automatisch, dass der menschliche Körper selbst zur Ware wird. Zudem kann gespendetes Gewebe anderen Menschen erheblich helfen. Eine vollständige Ablehnung jeder wirtschaftlichen Tätigkeit im Zusammenhang mit Transplantationen würde deshalb zu kurz greifen.

Entscheidend ist eine klare Grenze zwischen der notwendigen Finanzierung medizinischer Leistungen und einem Handel, bei dem die Gewinnmaximierung zum bestimmenden Zweck wird. Aus ethischer Sicht sollte der Wille der spendenden Person respektiert werden und die Verwendung transparent sowie medizinisch begründbar sein. Die Menschenwürde verlangt dabei, dass der verstorbene Mensch nicht lediglich als Quelle verwertbarer Körperteile betrachtet wird.


Aufgabe 8: Stellung nehmen

Operator: Stellung nehmen

Nimm begründet Stellung zu der Frage: „Ist Organspende aus christlicher Sicht eine moralische Pflicht?“

Musterantwort:

Organspende kann aus christlicher Sicht als Ausdruck von Nächstenliebe verstanden werden. Wer nach seinem Tod Organe zur Verfügung stellt, kann schwer kranken Menschen helfen und möglicherweise Leben retten. Das Gebot der Nächstenliebe liefert daher ein starkes Argument für die freiwillige Bereitschaft zur Organspende.

Daraus folgt jedoch nicht zwingend eine moralische Pflicht zur Organspende. Zum christlichen Menschenbild gehört auch die Würde und Freiheit des einzelnen Menschen. Eine Spende verliert einen wichtigen Teil ihres Charakters als Gabe, wenn sie gegen den Willen eines Menschen erfolgt oder durch moralischen Druck erzwungen wird. Menschen können außerdem aus persönlichen, religiösen oder ethischen Gründen zu unterschiedlichen Entscheidungen gelangen.

Organspende kann somit überzeugend als Möglichkeit gelebter Nächstenliebe interpretiert werden. Die persönliche Entscheidung dafür oder dagegen sollte jedoch auf ausreichender Information beruhen und freiwillig getroffen werden. Aus dem Gebot der Nächstenliebe allein lässt sich daher keine eindeutige Verpflichtung jedes Menschen zur Organspende ableiten.

Hessen

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Sekundarstufe II | Q3 Ethik – die Frage nach Gut und Böse

Q3.4 Herausforderungen für Kirche und Ethik durch neue Erkenntnisse in Biologie und Medizin.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.3 Das Leben verantworten: Grundfragen medizinischer Ethik.

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