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Fachverband Ethik Baden Württemberg

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Wie wir Sklaven von Google wurden

Veröffentlichung:1.1.2013

Das Medium „Wie wir Sklaven von Google wurden“, erschienen am 3. März 2016 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, beschäftigt sich kritisch mit einem Wirtschaftsmodell, das die Autorin als „Überwachungskapitalismus“ bezeichnet. Im Mittelpunkt steht die These, dass Unternehmen wie Google menschliches Verhalten nicht nur beobachten, sondern die dabei entstehenden Daten wirtschaftlich verwerten und für Vorhersagen über zukünftiges Verhalten nutzen. Die Autorin beschreibt Nutzende als Quelle eines sogenannten „Verhaltensüberschusses“. Daten, die bei Suchanfragen und anderen digitalen Aktivitäten entstehen, werden mithilfe von maschinellem Lernen, künstlicher Intelligenz und Datenanalyse verarbeitet. Daraus entstehen Vorhersagen über menschliches Verhalten, die wirtschaftlich genutzt werden können. Nach Auffassung der Autorin verändert dieses Geschäftsmodell das Verhältnis zwischen Mensch, Technik und Wirtschaft grundlegend, weil Menschen zunehmend zum Gegenstand wirtschaftlicher Beobachtung und Beeinflussung werden. Der Text verbindet diese Entwicklung mit grundlegenden Fragen nach Privatsphäre, Menschenwürde, Autonomie, Selbstbestimmung und demokratischer Freiheit. Besonders zugespitzt vertritt die Autorin die Position, dass nicht mehr allein der Schutz persönlicher Daten betroffen sei, sondern die menschliche Fähigkeit, das eigene Leben selbstbestimmt zu gestalten.



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Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders für die Auseinandersetzung mit Menschenwürde, Freiheit, Selbstbestimmung, Verantwortung, Menschenbild, Macht, Wirtschaft und digitaler Ethik. Aufgrund der sprachlichen und inhaltlichen Komplexität sollte der Text für die Jahrgangsstufe 10 abschnittsweise erschlossen werden. Begriffe wie „Überwachungskapitalismus“, „Verhaltensüberschuss“, „Voraussageprodukte“ und „Selbstbestimmung“ sollten vor oder während der Textarbeit geklärt werden. Die Lernenden müssen dabei unterscheiden können zwischen der Beschreibung wirtschaftlicher Prozesse und der deutlich wertenden Position der Autorin.

Als Einstieg eignet sich die Frage: „Warum sind viele digitale Dienste kostenlos?“ Die Lernenden können zunächst mögliche Antworten sammeln. Anschließend kann die Aussage „Wenn ich für einen digitalen Dienst kein Geld bezahle, bedeutet das nicht automatisch, dass meine Nutzung für das Unternehmen keinen wirtschaftlichen Wert besitzt“ diskutiert werden. Damit wird die Aufmerksamkeit auf Daten und menschliches Verhalten als wirtschaftlich nutzbare Ressourcen gelenkt.

Bei der Texterschließung können die Lernenden zunächst den von der Autorin beschriebenen wirtschaftlichen Prozess nachvollziehen. Ausgangspunkt sind menschliche Aktivitäten bei der Nutzung digitaler Angebote. Dabei entstehen Verhaltensdaten. Diese Daten werden gesammelt und mithilfe technischer Verfahren analysiert. Daraus sollen Aussagen über gegenwärtiges und zukünftiges Verhalten entstehen. Diese Vorhersagen können anschließend wirtschaftlich genutzt werden. Methodisch bietet es sich an, diesen Prozess in einem Schaubild darzustellen: Nutzung digitaler Angebote / Entstehung von Verhaltensdaten / Sammlung und Analyse / Erstellung von Vorhersagen / wirtschaftliche Nutzung / mögliche Beeinflussung zukünftigen Verhaltens. Dadurch wird ein abstrakter wirtschaftlicher Zusammenhang für die Lernenden nachvollziehbarer.

Eine zweite Phase sollte sich mit der Sprache des Mediums beschäftigen. Bereits der Titel „Wie wir Sklaven von Google wurden“ verwendet ein stark wertendes Bild. Auch Formulierungen wie „menschlicher Rohstoff“ oder die Beschreibung einer Bedrohung menschlicher Souveränität erzeugen eine deutliche Wirkung. Die Lernenden können untersuchen, welche Vorstellungen diese Begriffe hervorrufen und welche Position die Autorin dadurch vermittelt. Gerade für den Religionsunterricht ist es wichtig, zwischen Analyse und eigener Bewertung zu unterscheiden. Die Lernenden sollen zunächst verstehen, wie die Autorin argumentiert, bevor sie selbst ein ethisches Urteil formulieren.

Religionspädagogisch bietet das Medium einen besonders geeigneten Zugang zur christlichen Anthropologie. Die Vorstellung der Gottesebenbildlichkeit aus Gen 1,26 bis 27 kann der im Text beschriebenen wirtschaftlichen Betrachtung des Menschen gegenübergestellt werden. Wenn menschliches Verhalten zur wirtschaftlich nutzbaren Ressource wird, stellt sich die Frage, ob der Mensch zunehmend als Mittel für wirtschaftliche Zwecke betrachtet wird. Das christliche Menschenbild betont dagegen einen Wert des Menschen, der nicht von seiner wirtschaftlichen Verwertbarkeit, seinem Konsumverhalten oder seinen Daten abhängt.

Die zentrale Leitfrage kann deshalb lauten: „Darf der Mensch zum Rohstoff einer digitalen Wirtschaft werden?“ Dabei muss differenziert werden. Unternehmen benötigen Informationen über Nutzende, um Dienstleistungen anzubieten und zu verbessern. Problematisch kann es werden, wenn Menschen lediglich unter dem Gesichtspunkt ihrer wirtschaftlichen Verwertbarkeit betrachtet werden. Die Lernenden können deshalb Kriterien entwickeln, anhand derer legitime Datennutzung von einer problematischen Instrumentalisierung des Menschen unterschieden werden kann.

Besonders wichtig ist die Auseinandersetzung mit dem Begriff der Menschenwürde. Aus christlicher Perspektive besitzt jeder Mensch eine unverlierbare Würde. Diese Würde bedeutet unter anderem, dass ein Mensch nicht ausschließlich als Mittel für fremde Interessen behandelt werden sollte. Übertragen auf das Medium können die Lernenden untersuchen, ob und unter welchen Bedingungen die wirtschaftliche Nutzung von Verhaltensdaten mit der Würde des Menschen vereinbar sein kann. Dabei sollte keine vorschnelle Gleichsetzung von Datennutzung und Menschenwürdeverletzung erfolgen. Entscheidend sind beispielsweise Wissen, Zustimmung, Transparenz, Zweck, Umfang und mögliche Folgen der Datennutzung.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Freiheit. Der Text behauptet, dass die wirtschaftliche Analyse menschlichen Verhaltens letztlich die Selbstbestimmung bedrohen könne. Diese These eignet sich für eine vertiefte ethische Auseinandersetzung. Die Lernenden können zunächst zwischen Entscheidungsunterstützung, Beeinflussung und Manipulation unterscheiden. Wenn ein Navigationssystem beispielsweise ein Restaurant vorschlägt, bleibt grundsätzlich eine Wahlmöglichkeit bestehen. Wenn jedoch nicht erkennbar ist, warum gerade dieses Restaurant vorgeschlagen wird und welche wirtschaftlichen Interessen dahinterstehen, verändert sich die Situation. Die Lernenden können untersuchen, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit eine Entscheidung als selbstbestimmt gelten kann.

Methodisch eignet sich hierzu eine Fallanalyse. Eine erfundene Person sucht mit einer digitalen Anwendung nach einem Weg durch eine fremde Stadt. Die Anwendung schlägt gleichzeitig Geschäfte und Restaurants vor. Die Person weiß nicht, ob diese Empfehlungen aufgrund ihrer Interessen, ihres bisherigen Verhaltens oder aufgrund bezahlter Werbung erscheinen. Die Lernenden beurteilen diese Situation anhand der Kriterien Transparenz, Freiheit, Selbstbestimmung, wirtschaftliches Interesse und Verantwortung.

Das Medium bietet außerdem einen Zugang zum christlichen Verständnis von Freiheit. Christliche Freiheit bedeutet nicht, völlig unabhängig von anderen Menschen und äußeren Einflüssen zu leben. Der Mensch steht in Beziehungen und gesellschaftlichen Zusammenhängen. Freiheit ist deshalb mit Verantwortung verbunden. Eine selbstbestimmte Person sollte jedoch grundsätzlich die Möglichkeit besitzen, Einflüsse wahrzunehmen, Entscheidungen zu reflektieren und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Verdeckte Manipulation kann problematisch sein, weil sie genau diese reflektierte Entscheidung erschwert.

Ein weiterer Schwerpunkt kann auf künstlicher Intelligenz und Vorhersagbarkeit liegen. Die Autorin beschreibt technische Verfahren, mit denen zukünftiges Verhalten möglichst genau vorhergesagt werden soll. Daraus ergibt sich die anthropologische Frage: „Wenn menschliches Verhalten vorhergesagt werden kann, ist der Mensch dann noch frei?“ Die Lernenden sollten dabei erkennen, dass Vorhersagbarkeit und vollständige Determination nicht dasselbe sind. Statistische Wahrscheinlichkeiten können Verhalten bestimmter Gruppen beschreiben, ohne die einzelne Person vollständig festzulegen. Gerade hier bietet sich eine Verbindung zwischen digitaler Ethik und der religiösen Frage nach menschlicher Freiheit an.

Methodisch kann ein Gedankenexperiment eingesetzt werden. Eine künstliche Intelligenz behauptet, aufgrund umfangreicher Daten mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhersagen zu können, welches Produkt eine Person kaufen, welchen Film sie ansehen oder welches Verkehrsmittel sie wählen wird. Die Lernenden diskutieren, ob eine erfolgreiche Vorhersage bedeutet, dass die Entscheidung unfrei war. Dadurch wird die Unterscheidung zwischen Vorhersage, Einfluss und Fremdbestimmung eingeübt.

Auch die Frage nach Macht ist für den Religionsunterricht zentral. Wer große Mengen von Informationen besitzt und menschliches Verhalten beeinflussen kann, verfügt über gesellschaftliche Macht. Aus christlich ethischer Perspektive kann deshalb gefragt werden, welche Verantwortung mit solcher Macht verbunden ist. Die Lernenden können die Aussage prüfen: „Je größer die Möglichkeiten eines Unternehmens sind, menschliches Verhalten vorherzusagen und zu beeinflussen, desto größer ist seine Verantwortung.“ Dabei können Menschenwürde, Gerechtigkeit, Transparenz, Freiheit und Gemeinwohl als Kriterien dienen.

Eine weitere methodische Möglichkeit ist ein Perspektivwechsel. Verschiedene Gruppen übernehmen die Perspektive von Nutzenden, Unternehmen, staatlichen Institutionen, Verbraucherschutz und Ethik. Jede Gruppe entwickelt Interessen und Argumente. Die Unternehmen können beispielsweise auf Innovation, Finanzierung digitaler Dienste und personalisierte Angebote verweisen. Nutzende können Komfort und nützliche Empfehlungen schätzen, zugleich aber Schutz ihrer Privatsphäre verlangen. Staatliche Institutionen müssen zwischen wirtschaftlicher Freiheit und Schutz der Bevölkerung abwägen. Die ethische Perspektive fragt nach Menschenwürde, Freiheit und Verantwortung. Durch diesen Perspektivwechsel erkennen die Lernenden, dass die ethische Bewertung komplexer ist als eine einfache Gegenüberstellung von guter oder schlechter Technik.

Das Medium ermöglicht darüber hinaus eine Auseinandersetzung mit der Frage nach dem guten Leben. Wenn digitale Systeme immer genauer erkennen, was Menschen wahrscheinlich kaufen, sehen oder tun möchten, stellt sich die Frage, wer eigentlich bestimmt, was für einen Menschen gut ist. Christliche Ethik versteht das gute Leben nicht ausschließlich als maximale Bequemlichkeit, Konsum oder Effizienz. Beziehungen, Verantwortung, Gerechtigkeit, Freiheit, Nächstenliebe und Sinn gehören ebenfalls dazu. Die Lernenden können deshalb untersuchen, ob technische Optimierung automatisch zu einem besseren Leben führt.

Für die abschließende Sicherung können die Lernenden einen Kriterienkatalog für eine menschenwürdige digitale Wirtschaft entwickeln. Dazu können Transparenz, verständliche Zustimmung, Schutz persönlicher Daten, echte Wahlmöglichkeiten, Begrenzung von Manipulation, Verantwortung für Algorithmen, nachvollziehbare wirtschaftliche Interessen und die Achtung der Menschenwürde gehören. Das Medium eignet sich damit in besonderer Weise zur Förderung von Wahrnehmungskompetenz, Deutungskompetenz, ethischer Urteilskompetenz, Medienkompetenz und Handlungskompetenz. Es verbindet Fragen christlicher Anthropologie mit grundlegenden Herausforderungen einer digitalen Wirtschaftsordnung und fordert die Lernenden dazu auf, über die Bedingungen menschlicher Freiheit in einer datenorientierten Gesellschaft nachzudenken.



Klausurfragen für die Jahrgangsstufe 10


Aufgabe 1, Anforderungsbereich I, Operator „Zusammenfassen“

Fasse die zentralen Aussagen des Mediums zum sogenannten Überwachungskapitalismus zusammen.

Musterantwort:

Die Autorin bezeichnet ein digitales Wirtschaftsmodell als Überwachungskapitalismus. Unternehmen sammeln dabei Daten, die durch die Nutzung digitaler Angebote entstehen. Diese Verhaltensdaten werden analysiert und wirtschaftlich genutzt.

Nach Darstellung des Mediums werden Daten nicht mehr ausschließlich verwendet, um digitale Angebote zu verbessern. Sie werden vielmehr zu einem wirtschaftlich wertvollen Gut. Mithilfe von Algorithmen, künstlicher Intelligenz und Datenanalyse sollen aus ihnen Vorhersagen über zukünftiges menschliches Verhalten entstehen.

Diese Vorhersagen können wirtschaftlich genutzt werden, beispielsweise um Werbung gezielter einzusetzen oder menschliches Verhalten zu beeinflussen. Die Autorin sieht darin eine Gefahr für Privatsphäre, Menschenwürde und Selbstbestimmung.


Aufgabe 2, Anforderungsbereich II, Operator „Erläutern“

Erläutere anhand des Mediums den Begriff „Verhaltensüberschuss“.

Musterantwort:

Mit „Verhaltensüberschuss“ bezeichnet die Autorin Daten, die bei der Nutzung digitaler Angebote zusätzlich entstehen. Wenn Menschen beispielsweise eine Suchmaschine verwenden, hinterlassen sie Informationen über ihre Suchanfragen und ihr Verhalten.

Ursprünglich können solche Daten dazu dienen, einen digitalen Dienst zu verbessern. Nach Darstellung des Mediums erkannte Google jedoch, dass zusätzliche Verhaltensdaten auch wirtschaftlich genutzt werden können.

Die Daten werden analysiert, um Aussagen über Interessen und zukünftiges Verhalten zu gewinnen. Daraus können wirtschaftlich verwertbare Vorhersagen entstehen.

Der Begriff macht somit deutlich, dass menschliches Verhalten in diesem Wirtschaftsmodell zu einer Ressource wird, aus der Unternehmen wirtschaftlichen Nutzen ziehen können.


Aufgabe 3, Anforderungsbereich II, Operator „Analysieren“

Analysiere das Menschenbild, das die Autorin mit den Formulierungen „menschlicher Rohstoff“ und „Verhaltensüberschuss“ kritisiert.

Musterantwort:

Die Formulierungen beschreiben ein Menschenbild, bei dem der Mensch vor allem als Quelle wirtschaftlich wertvoller Daten erscheint. Seine Suchanfragen, Interessen, Aufenthaltsorte und Entscheidungen erzeugen Informationen, die gesammelt und verarbeitet werden können.

Der Ausdruck „menschlicher Rohstoff“ ist bewusst zugespitzt. Ein Rohstoff wird normalerweise genutzt, verarbeitet und wirtschaftlich verwertet. Wird dieses Bild auf Menschen übertragen, entsteht der Eindruck, dass nicht die Person selbst, sondern ihr wirtschaftlicher Nutzen im Mittelpunkt steht.

Der Begriff „Verhaltensüberschuss“ verstärkt diese Vorstellung. Menschliches Verhalten erscheint als Quelle zusätzlicher Daten, aus denen wirtschaftlicher Wert gewonnen werden kann.

Die Autorin kritisiert damit eine mögliche Instrumentalisierung des Menschen. Der Mensch erscheint nicht mehr ausschließlich als selbstbestimmte Person und Nutzender eines Angebots, sondern zugleich als Lieferant eines wirtschaftlich verwertbaren Datenbestandes.


Aufgabe 4, Anforderungsbereich II, Operator „Vergleichen“

Vergleiche das von der Autorin kritisierte Bild des Menschen als wirtschaftlich nutzbare Datenquelle mit dem christlichen Menschenbild der Gottesebenbildlichkeit aus Gen 1,26 bis 27.

Musterantwort:

Das von der Autorin kritisierte Menschenbild betrachtet menschliches Verhalten unter dem Gesichtspunkt seiner wirtschaftlichen Verwertbarkeit. Daten über Interessen und Handlungen werden gesammelt, analysiert und für Vorhersagen verwendet.

Die christliche Vorstellung der Gottesebenbildlichkeit versteht den Menschen dagegen als Person mit besonderer und unverlierbarer Würde. Sein Wert hängt nicht von seiner wirtschaftlichen Bedeutung, seinen Daten oder seinem Konsumverhalten ab.

Der zentrale Unterschied besteht darin, dass eine rein wirtschaftliche Perspektive den Menschen danach betrachtet, welchen Nutzen seine Daten besitzen. Das christliche Menschenbild betrachtet ihn dagegen als Zweck und Wert an sich.

Daraus folgt nicht, dass jede wirtschaftliche Nutzung von Daten grundsätzlich abzulehnen ist. Aus christlich ethischer Perspektive muss jedoch geprüft werden, ob die Würde, Freiheit und Selbstbestimmung des Menschen respektiert werden.


Aufgabe 5, Anforderungsbereich II, Operator „Analysieren“

Analysiere die sprachliche Wirkung des Titels „Wie wir Sklaven von Google wurden“ und beziehe deine Analyse auf die Argumentation des Mediums.

Musterantwort:

Der Titel verwendet mit dem Begriff „Sklaven“ eine stark zugespitzte und emotional wirkende Formulierung. Sklaverei wird mit Unfreiheit, Abhängigkeit und dem Verlust von Selbstbestimmung verbunden.

Durch diese Wortwahl wird bereits vor der eigentlichen Argumentation eine kritische Perspektive auf Google und die digitale Wirtschaft eröffnet. Die Lesenden werden darauf vorbereitet, die beschriebenen wirtschaftlichen Prozesse als Bedrohung menschlicher Freiheit wahrzunehmen.

Die Formulierung passt zur weiteren Argumentation des Mediums. Die Autorin vertritt die Auffassung, dass umfassende Datensammlung und die gezielte Beeinflussung menschlichen Verhaltens die Selbstbestimmung gefährden können.

Der Titel ist jedoch stärker zugespitzt als eine sachliche Beschreibung des beschriebenen Geschäftsmodells. Für eine eigene ethische Bewertung muss deshalb zwischen der rhetorischen Wirkung des Titels und den konkreten Argumenten des Mediums unterschieden werden.


Aufgabe 6, Anforderungsbereich III, Operator „Beurteilen“

Beurteile aus christlich ethischer Perspektive die Aussage: „Ein Unternehmen darf menschliches Verhalten wirtschaftlich nutzen, solange die Nutzenden dafür einen hilfreichen digitalen Dienst erhalten.“

Musterantwort:

Die Aussage kann nicht allein anhand des Nutzens eines digitalen Dienstes beurteilt werden. Ein hilfreiches Angebot kann grundsätzlich einen legitimen wirtschaftlichen Wert besitzen. Unternehmen dürfen für ihre Leistungen Einnahmen erzielen.

Aus christlich ethischer Perspektive müssen jedoch zusätzlich Menschenwürde, Freiheit und Selbstbestimmung berücksichtigt werden. Nutzende sollten möglichst nachvollziehen können, welche Daten gesammelt und für welche Zwecke sie verwendet werden.

Problematisch wäre es, wenn Menschen lediglich als Quelle wirtschaftlich verwertbarer Daten betrachtet oder ohne ausreichendes Wissen gezielt beeinflusst würden. Der Nutzen eines digitalen Dienstes rechtfertigt deshalb nicht automatisch jede Form der Datensammlung und Verhaltensanalyse.

Eine ethisch verantwortliche Nutzung setzt Transparenz, nachvollziehbare Zwecke, Schutz persönlicher Informationen und echte Entscheidungsmöglichkeiten voraus. Wirtschaftlicher Nutzen und Menschenwürde müssen deshalb miteinander in Beziehung gesetzt werden.


Aufgabe 7, Anforderungsbereich III, Operator „Erörtern“

Erörtere die Frage: „Bedroht die Vorhersage menschlichen Verhaltens durch künstliche Intelligenz die Freiheit des Menschen?“ Berücksichtige dabei das Medium und ein christliches Verständnis von Freiheit und Verantwortung.

Musterantwort:

Für eine Gefährdung der Freiheit spricht, dass umfangreiche Daten und künstliche Intelligenz verwendet werden können, um Interessen und zukünftiges Verhalten vorherzusagen. Wenn Unternehmen diese Erkenntnisse gezielt einsetzen, können sie versuchen, menschliche Entscheidungen zu beeinflussen.

Besonders problematisch kann dies sein, wenn Menschen nicht erkennen, dass ihre Wahrnehmung oder ihre Entscheidungssituation gezielt gestaltet wird. Selbstbestimmung setzt voraus, dass eine Person Einflüsse zumindest grundsätzlich reflektieren und zwischen Möglichkeiten wählen kann.

Gegen die Vorstellung eines vollständigen Verlustes von Freiheit spricht, dass eine Vorhersage noch keine vollständige Bestimmung des Verhaltens bedeutet. Ein Algorithmus kann möglicherweise mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit vorhersagen, welches Produkt ein Mensch bevorzugt. Die einzelne Person kann sich dennoch anders entscheiden.

Aus christlicher Perspektive ist der Mensch ein freies und verantwortliches Wesen, wobei menschliche Freiheit immer innerhalb von Beziehungen und äußeren Bedingungen verwirklicht wird. Freiheit bedeutet deshalb nicht völlige Unbeeinflussbarkeit.

Künstliche Intelligenz bedroht menschliche Freiheit daher nicht allein dadurch, dass sie Verhalten analysiert oder teilweise vorhersagt. Ethisch problematisch wird ihr Einsatz insbesondere dann, wenn Vorhersagen für verdeckte Manipulation genutzt werden oder echte Entscheidungsmöglichkeiten eingeschränkt werden.


Aufgabe 8, Anforderungsbereich III, Operator „Erörtern“

Erörtere die Aussage: „Bequemlichkeit und personalisierte Angebote sind es wert, einen Teil der digitalen Selbstbestimmung aufzugeben.“

Musterantwort:

Für die Aussage spricht, dass personalisierte digitale Angebote den Alltag erleichtern können. Navigationssysteme können passende Ziele vorschlagen, Suchmaschinen relevante Ergebnisse liefern und digitale Dienste auf persönliche Interessen reagieren. Dafür kann die Verarbeitung bestimmter Daten notwendig sein.

Gegen die Aussage spricht, dass Bequemlichkeit nicht das einzige Kriterium für ein gutes Leben ist. Wenn Menschen nicht mehr nachvollziehen können, welche Daten gesammelt werden und wie ihr Verhalten beeinflusst wird, kann Selbstbestimmung eingeschränkt werden.

Aus christlich ethischer Perspektive besitzt menschliche Freiheit einen hohen Wert. Gleichzeitig bedeutet Freiheit nicht, grundsätzlich auf technische Unterstützung verzichten zu müssen. Entscheidend ist, ob Menschen informiert entscheiden und Angebote auch ablehnen können.

Personalisierung kann deshalb sinnvoll sein, wenn sie transparent erfolgt und die Entscheidungsmöglichkeiten des Menschen respektiert. Bequemlichkeit allein reicht jedoch nicht aus, um weitreichende Einschränkungen von Selbstbestimmung und Privatsphäre zu rechtfertigen.


Aufgabe 9, Anforderungsbereich III, Operator „Entwickeln“

Entwickle sechs ethisch begründete Regeln für eine menschenwürdige digitale Wirtschaft.

Musterantwort:

Eine erste Regel lautet, Menschen nicht ausschließlich als wirtschaftlich verwertbare Datenquelle zu betrachten. Die Menschenwürde muss Vorrang vor einer rein wirtschaftlichen Betrachtung besitzen.

Eine zweite Regel lautet, transparent über die Sammlung und Verwendung von Verhaltensdaten zu informieren. Selbstbestimmung benötigt Wissen.

Eine dritte Regel besteht darin, Menschen echte Wahlmöglichkeiten zu geben. Die Nutzung eines digitalen Dienstes sollte nicht automatisch eine unbegrenzte wirtschaftliche Verwertung persönlicher Daten bedeuten.

Eine vierte Regel lautet, persönliche Daten nur für nachvollziehbare Zwecke zu verwenden. Nicht jede technisch mögliche Datennutzung ist deshalb automatisch ethisch gerechtfertigt.

Eine fünfte Regel betrifft die Beeinflussung menschlichen Verhaltens. Empfehlungen und Werbung sollten so gestaltet werden, dass Menschen ihre Entscheidungen möglichst selbstständig reflektieren können.

Eine sechste Regel lautet, Unternehmen entsprechend ihrer gesellschaftlichen Macht Verantwortung zuzuweisen. Je größer ihre Möglichkeiten zur Sammlung von Daten und zur Beeinflussung menschlichen Verhaltens sind, desto wichtiger werden Transparenz, Kontrolle und Verantwortung.

Eine menschenwürdige digitale Wirtschaft muss somit wirtschaftliche Innovation mit Menschenwürde, Freiheit, Selbstbestimmung, Gerechtigkeit und Verantwortung verbinden.

Hessen

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.1 Verantwortung für das Leben. Menschenwürde und Gottesebenbildlichkeit.

Sekundarstufe II | E1 Religion und Mensch in einer pluralen Welt

E1.2 Anthropologie und Religion.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe II | 11/1 Was ist der Mensch?

11.1 / 3. Der Mensch und seine Verantwortung.

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