Der Reader eignet sich besonders für den Religionsunterricht in der Sekundarstufe II, kann in ausgewählten und sprachlich angepassten Ausschnitten aber auch in höheren Jahrgangsstufen der Sekundarstufe I eingesetzt werden. Sein religionspädagogisches Potenzial liegt vor allem darin, aktuelle Erfahrungen der Lernenden mit grundlegenden anthropologischen und ethischen Fragen zu verbinden. Ausgangspunkt kann die Frage sein, was den Menschen ausmacht und in welchem Verhältnis menschliche Freiheit zu technischen Möglichkeiten steht. Daran lassen sich christliche Vorstellungen von Menschenwürde, Freiheit, Verantwortung und Personalität anschließen. Besonders ergiebig ist die Frage, ob ein Mensch auf messbare Daten, Verhaltensmuster und algorithmisch berechnete Wahrscheinlichkeiten reduziert werden kann. Juli Zehs Vorstellung eines zu schützenden „Datenkörpers“ bietet hierfür einen geeigneten Zugang, da sie die digitale Identität unmittelbar mit persönlicher Autonomie und Menschenwürde verbindet. Lernende können diese Position beispielsweise mit dem christlichen Verständnis des Menschen als unverfügbarer Person in Beziehung setzen und untersuchen, welche Konsequenzen daraus für den Umgang mit persönlichen Daten entstehen.
Methodisch sollte der Reader nicht vollständig linear gelesen werden. Sinnvoller ist eine thematische Auswahl einzelner Texte, die unterschiedliche Positionen repräsentieren. Für einen problemorientierten Einstieg kann eine alltagsnahe Situation gewählt werden, etwa personalisierte Werbung, Standortdaten, Empfehlungen in sozialen Netzwerken oder die Frage, welche Informationen ein Smartphone über seine nutzende Person sammeln kann. Die Lernenden formulieren zunächst Vermutungen und persönliche Einschätzungen. Anschließend werden diese mit Positionen des Readers konfrontiert. Eine Leitfrage wie „Wie frei bin ich in einer digital vermessenen Welt?“ oder „Gehören meine Daten zu meiner Person?“ gibt der Unterrichtssequenz eine klare ethische Orientierung. Besonders wichtig ist dabei, zwischen persönlicher Meinung, Tatsachenbehauptung und ethischem Argument zu unterscheiden.
Für eine arbeitsteilige Erschließung können verschiedene Gruppen unterschiedliche Texte untersuchen und jeweils Menschenbild, zentrale These, Argumente, verwendete Beispiele sowie zugrunde liegende Werte herausarbeiten. Die Ergebnisse lassen sich anschließend in einem gemeinsamen Vergleich ordnen. Besonders geeignet ist die Gegenüberstellung kontroverser Positionen. Der Reader bietet beispielsweise mit den Texten von Manfred Spitzer und Nora Schultz zwei deutlich unterschiedliche Perspektiven auf die Auswirkungen digitaler Medien auf Lernen und Gedächtnis. Während Spitzer vor negativen Folgen intensiver Nutzung digitaler Medien warnt, stellt Schultz Forschungsergebnisse vor, nach denen das externe Speichern von Informationen auch kognitive Ressourcen für neue Lernprozesse freisetzen kann. Die Lernenden können Argumente rekonstruieren, Voraussetzungen identifizieren und anschließend Kriterien für eine begründete eigene Position entwickeln.
Eine weitere Unterrichtsmöglichkeit besteht darin, die Begriffe Freiheit und Selbstbestimmung ins Zentrum zu stellen. Der Text zum „Digitalen Manifest“ beschreibt personalisierte Empfehlungen und die Sammlung persönlicher Daten als mögliche Formen der Verhaltenssteuerung. Daraus lässt sich ein Gedankenexperiment entwickeln: Wann ist eine Entscheidung tatsächlich meine eigene Entscheidung? Die Lernenden können konkrete digitale Alltagssituationen daraufhin untersuchen, ob sie lediglich Unterstützung bieten oder bereits Verhalten beeinflussen. In einem anschließenden philosophischen oder theologischen Gespräch können unterschiedliche Freiheitsbegriffe herausgearbeitet werden. Auch die Methode der Dilemmadiskussion bietet sich an, beispielsweise anhand der Frage, ob eine Gesellschaft zur Erhöhung von Sicherheit umfangreiche persönliche Daten sammeln darf. Dabei sollten Lernende zunächst Handlungsoptionen entwickeln, anschließend Werte und Interessen benennen und erst danach zu einem begründeten Urteil gelangen.
Für die Urteilsbildung ist außerdem eine Aktualisierung des Materials sinnvoll. Da der Reader 2016 zusammengestellt wurde, sollten historische Beispiele und damalige Prognosen nicht unkritisch als Beschreibung der heutigen digitalen Lebenswelt übernommen werden. Gerade dieser zeitliche Abstand kann jedoch didaktisch produktiv genutzt werden. Lernende können ausgewählte Aussagen des Readers mit heutigen Erfahrungen mit künstlicher Intelligenz, algorithmischen Empfehlungssystemen und digitaler Kommunikation vergleichen. Sie prüfen dabei, welche Befürchtungen oder Erwartungen weiterhin relevant erscheinen und welche Aussagen aus heutiger Perspektive differenziert werden müssen. So wird zugleich Quellenkritik eingeübt.
Als Abschluss einer Unterrichtssequenz eignen sich produktionsorientierte Aufgaben. Lernende können ein eigenes Manifest für digitale Menschenwürde verfassen, ethische Regeln für den Umgang mit persönlichen Daten entwickeln, eine Stellungnahme zur Frage nach digitaler Selbstbestimmung schreiben oder eine Podiumsdiskussion durchführen, in der unterschiedliche Positionen des Readers vertreten werden. Ebenso kann eine Karikatur, ein Podcastkonzept oder ein fiktiver Ethikrat entstehen, der einen konkreten Fall beurteilt. Entscheidend ist, dass die Lernenden nicht lediglich Gefahren digitaler Medien sammeln, sondern Chancen, Risiken, Werte und konkurrierende Interessen gegeneinander abwägen. Auf diese Weise unterstützt das Medium neben Sachkompetenz und Medienkompetenz besonders die ethische Wahrnehmungsfähigkeit, Argumentationskompetenz und begründete Urteilsbildung.