Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders zur Auseinandersetzung mit Menschenwürde, Freiheit, Privatsphäre, Vertrauen, Verantwortung, Sicherheit und dem Verhältnis von Individuum und Staat. Als Einstieg kann die Abbildung auf Seite 2 genutzt werden. Die Lernenden beschreiben zunächst ihre Wahrnehmungen und sammeln Assoziationen zu Begriffen wie persönliche Daten, digitale Kommunikation, Privatsphäre und Überwachung. Anschließend kann ein lebensweltlicher Zugang geschaffen werden, indem die Lernenden darüber nachdenken, welche Bedeutung es für sie hat, dass persönliche Nachrichten grundsätzlich nicht von anderen Personen mitgelesen werden. Dabei sollten keine persönlichen Inhalte offengelegt werden. Vielmehr geht es um die grundsätzliche Bedeutung vertraulicher Kommunikation für menschliche Beziehungen und individuelle Freiheit. Von dieser Erfahrung ausgehend kann Artikel 10 GG auf Seite 3 erschlossen werden. Die Lernenden können zentrale Begriffe herausarbeiten und erläutern, weshalb der Staat die Vertraulichkeit von Kommunikation als Grundrecht schützt. Danach wird die erweiterte Fassung von Artikel 10 GG auf Seite 4 einbezogen. Hier zeigt sich ein Spannungsverhältnis, das für ethische Urteilsbildung besonders geeignet ist. Einerseits besitzt der Mensch ein Recht auf geschützte Kommunikation, andererseits können staatliche Sicherheitsinteressen unter bestimmten Voraussetzungen Einschränkungen dieses Rechts begründen. Die Lernenden können zunächst Argumente für den Schutz privater Kommunikation und anschließend Argumente für staatliche Überwachungsmaßnahmen sammeln. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass nicht vorschnell eine eindeutige Lösung erwartet wird. Ziel ist vielmehr die Wahrnehmung eines ethischen Konflikts zwischen unterschiedlichen schutzwürdigen Gütern. Im Religionsunterricht kann diese Abwägung mit der Menschenwürde und einem christlichen Verständnis des Menschen als Person verbunden werden. Fragen nach Vertrauen, Freiheit, Gewissen und Verantwortung ermöglichen eine Vertiefung über die rechtliche Perspektive hinaus. Die Lernenden können etwa diskutieren, warum Menschen geschützte Räume benötigen, welche Bedeutung Vertrauen für Beziehungen besitzt und in welchem Umfang Sicherheit Einschränkungen persönlicher Freiheit rechtfertigen kann. Ebenso lässt sich danach fragen, ob Überwachung menschliches Verhalten verändert und welche gesellschaftlichen Folgen entstehen können, wenn Menschen davon ausgehen müssen, dass ihre Kommunikation beobachtet wird. Methodisch greift das Medium auf Seite 6 die Methode Bienenkorb auf. Die Lernenden tauschen sich in kleinen Gruppen über ihre Erfahrungen und Argumente aus und entscheiden anschließend individuell, ob für sie die Vorteile oder die Nachteile der Überwachung von Messenger Diensten überwiegen. Diese individuelle Positionierung sollte durch eine Begründung ergänzt werden, die sowohl rechtliche als auch ethische Gesichtspunkte berücksichtigt. Eine weitere Möglichkeit ist die Arbeit mit einem Wertequadrat, in dem Freiheit und Sicherheit einander gegenübergestellt werden. Die Lernenden können untersuchen, wann der Schutz eines Wertes zur Einschränkung des anderen führt und welche Kriterien für eine verantwortbare Abwägung erforderlich sind. Für eine religionspädagogische Vertiefung können zusätzlich Vertrauen, Gewissen, Verantwortung für andere und der Schutz der menschlichen Person einbezogen werden. Als Abschluss eignet sich ein begründetes Urteil zur Frage, unter welchen Bedingungen eine Einschränkung vertraulicher Kommunikation ethisch vertretbar sein kann. Das Medium fördert damit die Fähigkeit, Grundrechte nicht nur als rechtliche Regelungen wahrzunehmen, sondern ihre Bedeutung für das eigene Leben und für das Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft zu reflektieren.