Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders, um Lernenden die Vielschichtigkeit religiöser Traditionen bewusst zu machen. Didaktisch eröffnet der Text einen Zugang zu der Frage, wie Glaubensinhalte entstehen, wie sie gefeiert, dargestellt, gedeutet und auch kritisch hinterfragt werden können. Lernende können zunächst ihr Vorwissen zu Maria, Mariä Himmelfahrt und konfessionellen Unterschieden sammeln. Anschließend bietet sich eine arbeitsteilige Erschließung einzelner Themenfelder an, etwa Ferragosto als kulturelles Fest, das Dogma von 1950, Tizians Gemälde Assunta, die Rosenkranzfrömmigkeit, die Kritik der Reformation, der Zusammenhang von Frauenbildern und Hexenverfolgung sowie das Magnificat als befreiungstheologischer Gegenentwurf. Methodisch sinnvoll sind Bildanalysen, Quellenarbeit, Zeitleisten, Diskussionsrunden und kreative Schreibaufgaben. Besonders ergiebig ist ein Vergleich zwischen einer dogmatischen Aussage über Maria und der biblischen Darstellung Marias im Lukasevangelium. Dabei können Lernende erkennen, dass religiöse Sprache oft symbolisch, poetisch und erfahrungsbezogen ist und nicht vorschnell als Tatsachenbericht gelesen werden sollte. Wichtig ist eine sensible Gesprächsführung, da Themen wie Missbrauch, Gewalt, Frauenfeindlichkeit und kirchliche Machtstrukturen berührt werden. Der Unterricht sollte daher Raum für kritische Fragen eröffnen, ohne religiöse Praxis pauschal abzuwerten. Ziel ist eine differenzierte Urteilsbildung: Lernende sollen Traditionen verstehen, ihre ästhetische und spirituelle Kraft wahrnehmen, aber auch ihre problematischen Wirkungen reflektieren können. So kann das Medium helfen, Maria nicht nur als entrückte Himmelskönigin, sondern auch als biblische Gestalt der Hoffnung, der Befreiung und der Gerechtigkeit neu zu entdecken.