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Die Geschichte des Kirchenstaates

Veröffentlichung:14.6.2025

Die Geschichte des Kirchenstaat wird im Medium als langfristiger historischer Prozess dargestellt, in dem geistliche Autorität und weltliche Macht eng miteinander verflochten waren. Ausgangspunkt sind die frühmittelalterlichen Grundlagen päpstlicher Herrschaft, etwa die Pippinische Schenkung im 8. Jahrhundert, über die der Papst territoriale Macht in Mittelitalien erlangte. Das Medium zeichnet die Entwicklung des Kirchenstaates über das Mittelalter und die Frühe Neuzeit nach, thematisiert politische Konflikte, Reformbewegungen und den Verlust der weltlichen Macht im Zuge der italienischen Einigung 1870. Der Übergang zum heutigen Vatikanstadt wird als tiefgreifender Einschnitt in das Selbstverständnis des Papsttums erläutert.


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Didaktisch eignet sich das Medium besonders für den katholischen Religionsunterricht in der Sekundarstufe I und II, wenn es um das Verhältnis von Kirche und Macht, Religion und Politik sowie um historische Lernprozesse geht. Methodisch empfiehlt sich ein strukturierender Einsatz, etwa als Überblicksmedium innerhalb einer Unterrichtseinheit zur Kirchengeschichte. Ein sinnvoller Einstieg ist die Leitfrage: „Sollte Kirche politische Macht besitzen?“ Nach der Rezeption des Mediums können Schüler*innen die verschiedenen Rollen des Papstes (geistliches Oberhaupt vs. weltlicher Herrscher) herausarbeiten und in einem Pro-und-Contra-Schema reflektieren. In der Vertiefung bietet sich eine ethische Bewertung an: Welche Chancen und Risiken brachte der Kirchenstaat für Glaubwürdigkeit und Auftrag der Kirche mit sich? Für den katholischen Religionsunterricht ist besonders bedeutsam, Kirche nicht nur idealisiert, sondern historisch-kritisch zu betrachten und daraus Maßstäbe für heutiges kirchliches Handeln abzuleiten. Methodisch sind Zeitstrahlarbeit, Kartenarbeit und Diskussionen zu Macht, Verantwortung und Dienst am Evangelium besonders geeignet.

Das Video eignet sich besonders für den Religionsunterricht und den Geschichtsunterricht in der Sekundarstufe. Es ermöglicht den Lernenden einen chronologischen Zugang zu einem umfangreichen geschichtlichen Thema und veranschaulicht, dass das Papsttum über viele Jahrhunderte nicht nur eine religiöse, sondern auch eine politische Institution war. Als zentrale Leitfrage bietet sich an, wie sich geistliche Autorität und weltliche Herrschaft im Kirchenstaat miteinander verbanden. Diese Frage eröffnet sowohl historische als auch theologische Perspektiven. Die Lernenden können untersuchen, ob politische Macht zur Erfüllung religiöser Aufgaben beitrug oder ob sie im Widerspruch zur christlichen Botschaft von Dienst, Frieden und Gerechtigkeit stand.

Vor der Betrachtung sollte die Lehrkraft das Vorwissen der Lernenden aktivieren. Dazu können Rom, der Papst, der Vatikan und der Begriff Kirchenstaat auf der Tafel gesammelt werden. Eine Karte Italiens und Europas erleichtert die räumliche Orientierung. Die Lernenden können Vermutungen darüber äußern, weshalb ein religiöses Oberhaupt ein eigenes Staatsgebiet benötigte. Auch ein Bild des heutigen Vatikanstaates kann als Impuls dienen. Die Vermutungen werden nach der Betrachtung erneut aufgegriffen und anhand der Informationen des Videos überprüft.

Wegen der großen Zahl an Personen, Ereignissen und Jahreszahlen empfiehlt sich eine Betrachtung in mehreren Abschnitten. Die Lernenden können arbeitsteilig Beobachtungsaufträge erhalten. Eine Gruppe untersucht die Entstehung des Kirchenstaates, eine weitere Gruppe die Konflikte zwischen Papst und Kaiser, eine dritte Gruppe die Krisen des Papsttums und eine vierte Gruppe das Ende des Kirchenstaates. Die Ergebnisse können in einer gemeinsamen Zeitleiste zusammengeführt werden. Dabei sollten nicht nur Jahreszahlen festgehalten werden. Zu jedem Ereignis sollten auch die beteiligten Personen, die Ursachen, die Folgen und die Bedeutung für das Verhältnis von Religion und Politik notiert werden.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Entwicklung des Kirchenstaates unter den Kategorien Aufstieg, Krise, Reform, kulturelle Blüte und Machtverlust zu ordnen. Dadurch erkennen die Lernenden, dass geschichtliche Entwicklungen nicht geradlinig verlaufen. Eine Tabelle mit den Spalten Zeitraum, Ereignis, religiöse Bedeutung, politische Bedeutung und Folgen unterstützt die strukturierte Auswertung. Fortgeschrittene Lernende können einzelne Ereignisse unterschiedlich bewerten und zwischen der Sicht der Päpste, der Kaiser, der Bevölkerung des Kirchenstaates und der italienischen Einigungsbewegung unterscheiden.

Das Video sollte zugleich als deutungsbedürftige Darstellung behandelt werden. Es enthält mehrere sprachliche und sachliche Ungenauigkeiten. Deshalb eignet es sich gut zur Förderung der Medienkritik. Die Lernenden können Aussagen auswählen und mit einem Schulbuch, einem Lexikon oder geprüften historischen Quellen vergleichen. Zu korrigieren sind unter anderem folgende Angaben: Karl der Große wurde von Papst Leo III. gekrönt. Die gregorianische Reform ist besonders mit Papst Gregor VII. verbunden. Der bedeutende Papst des frühen 13. Jahrhunderts war Innozenz III. Sixtus IV. ließ die Sixtinische Kapelle errichten. Julius II. förderte den Neubau des Petersdoms. Der große Gegner der Päpste im 13. Jahrhundert war Kaiser Friedrich II. Das Papsttum in Avignon dauerte von 1309 bis 1377, das abendländische Schisma von 1378 bis 1417 und der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648. Im Jahr 1870 war Pius IX. Papst. Die Lateranverträge wurden 1929 unter Pius XI. geschlossen. Auf diese Weise lernen die Lernenden, audiovisuelle Medien nicht ungeprüft als historische Wahrheit zu übernehmen.

Zur religiösen Vertiefung kann die Frage behandelt werden, welche Form von Macht mit dem christlichen Verständnis von Kirche vereinbar ist. Als Bezugspunkt eignet sich die biblische Vorstellung von Leitung als Dienst. Die Lernenden können Aussagen Jesu über Herrschaft und Dienen mit dem Auftreten einzelner Renaissancepäpste vergleichen. Ebenso kann diskutiert werden, ob der Verlust des Kirchenstaates nur als politische Niederlage oder auch als Möglichkeit zur stärkeren Konzentration auf die geistliche Aufgabe der Kirche verstanden werden kann.

Methodisch bieten sich Partnerarbeit, Gruppenarbeit, Quellenvergleich, Zeitleiste, Kartenarbeit, Standbild, Schreibgespräch und begründete Urteilsbildung an. Für eine abschließende Sicherung können die Lernenden einen kurzen Kommentar zu der Aussage verfassen, der Kirchenstaat habe die Kirche gleichzeitig geschützt und belastet. Eine andere Möglichkeit ist eine Podiumsdiskussion mit Rollen aus unterschiedlichen Epochen. Denkbare Rollen sind ein Papst, ein Kaiser, ein Bewohner Roms, ein Reformator und ein Anhänger der italienischen Einigungsbewegung. Die Lernenden sollen ihre Urteile mit historischen Beispielen begründen und zwischen persönlicher Meinung und belegbarer Aussage unterscheiden.


Fragestellungen zum Video mit Antworten

Frage 1: Wie entstand der Kirchenstaat?

Antwort: Der Kirchenstaat entstand im 8. Jahrhundert. Papst Stephan II. suchte Schutz vor den Langobarden und wandte sich an den fränkischen König Pippin den Jüngeren. Dieser übertrug dem Papst 756 Gebiete in Mittelitalien. Diese Pippinische Schenkung bildete eine wesentliche Grundlage des Kirchenstaates.

Frage 2: Was unterschied den Kirchenstaat von der Kirche als Glaubensgemeinschaft?

Antwort: Die Kirche war und ist eine religiöse Gemeinschaft. Der Kirchenstaat war dagegen ein politisches Herrschaftsgebiet. Der Papst war dort zugleich geistliches Oberhaupt und weltlicher Herrscher. Er verfügte über eine Verwaltung, erhob Steuern, schloss Bündnisse und beteiligte sich an politischen Konflikten.

Frage 3: Welche Bedeutung hatte die Kaiserkrönung Karls des Großen?

Antwort: Papst Leo III. krönte Karl den Großen im Jahr 800 in Rom zum Kaiser. Dadurch wurde die Verbindung zwischen dem Papsttum und den fränkischen Herrschern gestärkt. Der Papst erhielt politischen Schutz, während die Herrschaft Karls eine religiöse Legitimation bekam.

Frage 4: Worum ging es im Investiturstreit?

Antwort: Im Investiturstreit stritten Papst und Kaiser darüber, wer Bischöfe einsetzen durfte. Papst Gregor VII. wollte den Einfluss weltlicher Herrscher auf kirchliche Ämter begrenzen. Der Konflikt wurde 1122 durch das Konkordat von Worms entschärft. Er zeigt besonders deutlich den Kampf zwischen geistlicher und weltlicher Macht.

Frage 5: Warum erreichte das Papsttum im Mittelalter eine große politische Macht?

Antwort: Die Päpste verfügten über ein eigenes Herrschaftsgebiet, eine Verwaltung und zahlreiche politische Bündnisse. Sie konnten Herrscher unterstützen, unter Druck setzen oder aus der kirchlichen Gemeinschaft ausschließen. Unter Papst Innozenz III. erreichte der politische Einfluss des Papsttums einen Höhepunkt.

Frage 6: Welche Folgen hatte das Papsttum in Avignon?

Antwort: Von 1309 bis 1377 hielten sich die Päpste überwiegend in Avignon auf. Dadurch wurde ihre Abhängigkeit von Frankreich kritisiert. Im Kirchenstaat kam es zu Unruhen, weil päpstliche Vertreter die Gebiete verwalteten und viele Städte nach größerer Unabhängigkeit strebten.

Frage 7: Was war das abendländische Schisma?

Antwort: Während des abendländischen Schismas von 1378 bis 1417 beanspruchten zwei und zeitweise sogar drei Päpste gleichzeitig die Leitung der Kirche. Dies spaltete die westliche Christenheit und beschädigte das Ansehen des Papsttums. Das Konzil von Konstanz beendete den Konflikt.

Frage 8: Welche Rolle spielten die Päpste während der Renaissance?

Antwort: Viele Renaissancepäpste förderten Kunst, Architektur und Wissenschaft. Rom entwickelte sich zu einem bedeutenden kulturellen Zentrum. Gleichzeitig wurden Korruption, Ämterverkauf, Nepotismus und die Beteiligung der Päpste an Kriegen kritisiert. Diese Gegensätze belasteten die Glaubwürdigkeit der Kirche.

Frage 9: Wie wirkte sich die Reformation auf den Kirchenstaat aus?

Antwort: Durch die Reformation verloren die Päpste in vielen Teilen Europas religiösen und politischen Einfluss. Die katholische Kirche reagierte mit inneren Reformen, dem Konzil von Trient und der Unterstützung neuer Orden wie der Jesuiten. Rom blieb ein wichtiges Zentrum des katholischen Glaubens.

Frage 10: Warum endete der Kirchenstaat im Jahr 1870?

Antwort: Im 19. Jahrhundert entstand die Bewegung für einen einheitlichen italienischen Nationalstaat. Der Kirchenstaat stand dieser Einigung im Weg und verlor nach und nach seine Gebiete. Im Jahr 1870 nahmen italienische Truppen Rom ein. Damit endete die weltliche Herrschaft des Papstes über den Kirchenstaat.

Frage 11: Wie entstand der Vatikanstaat?

Antwort: Die Lateranverträge von 1929 regelten das Verhältnis zwischen dem Heiligen Stuhl und dem italienischen Staat. Italien erkannte den Vatikanstaat als souveränen Staat an. Der Vatikanstaat ist wesentlich kleiner als der frühere Kirchenstaat und umfasst nur ein kleines Gebiet innerhalb Roms.

Frage 12: Ist der Vatikanstaat mit dem früheren Kirchenstaat gleichzusetzen?

Antwort: Nein. Der Kirchenstaat umfasste zeitweise große Teile Mittelitaliens und war ein bedeutender politischer Machtfaktor. Der Vatikanstaat ist ein sehr kleines souveränes Gebiet. Er sichert die politische Unabhängigkeit des Papstes, besitzt aber nicht die territoriale Ausdehnung des früheren Kirchenstaates.

Frage 13: Welche Chancen und Gefahren entstanden durch die weltliche Macht der Päpste?

Antwort: Das eigene Staatsgebiet konnte die Unabhängigkeit des Papstes gegenüber anderen Herrschern schützen. Zugleich führte die weltliche Macht zu Kriegen, politischen Bündnissen, hohen Ausgaben, Korruption und Interessenkonflikten. Dadurch geriet die geistliche Aufgabe der Kirche teilweise in den Hintergrund.

Frage 14: Welche zentrale Erkenntnis vermittelt die Geschichte des Kirchenstaates?

Antwort: Die Geschichte zeigt, dass Religion und Politik über viele Jahrhunderte eng miteinander verbunden waren. Religiöse Autorität konnte politische Herrschaft begründen, während politische Macht die Kirche schützen oder belasten konnte. Deshalb muss kirchliche Macht immer auch an den Maßstäben des Evangeliums, der Verantwortung und des Dienstes am Menschen beurteilt werden.

Hessen

Hessen

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 8

8G.4a Auseinandersetzung in der Kirche. Von der Reformation zur Ökumene.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 8

8.3 Konfessionen wahrnehmen und verstehen: Reformation und Ökumene.

Beispielhafte Lernsequenzen

  • Katholisch – Evangelisch: Ist das nicht dasselbe?

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