Der Artikel analysiert die Katholische Reform und Gegenreformation als komplexe Reaktion der katholischen Kirche auf die Reformation sowie weitere gesellschaftliche Umbrüche der Frühen Neuzeit. Die Begrifflichkeit wird kritisch hinterfragt: Während "Gegenreformation" von Leopold von Ranke als bloße Reaktion geprägt wurde, etablierte sich "Katholische Reform" als neutralerer Begriff, der eine eigenständige Erneuerungsbewegung beschreibt. Das Konzil von Trient (1545-1563) gilt als zentraler Meilenstein und definierte durch die Festlegung von Glaubensinhalten und sakramentaler Praxis die katholische Konfession neu. Die frühere Historiographie betonte Zwangsmaßnahmen wie Rekatholisierung durch militärische Erfolge, territoriale Kontrolle und die Inquisition. Seit den 1980er Jahren konzentriert sich die Forschung zur Konfessionalisierung auf das Zusammenspiel von obrigkeitlicher Politik und Zustimmung der Bevölkerung. Neuere Arbeiten zeigen, dass der Rekatholisierungsprozess nicht nur durch Zwang, sondern auch durch Überzeugungsarbeit funktionierte. Die Katholische Reform hatte vielfältige Auswirkungen: Sie förderte die Barockarchitektur, stärkte den Jesuitenorden in Bildungsfragen, prägte die Überseemission und etablierte sieben Sakramente als Lehrbestand. Der Artikel betont, dass die Auswirkungen dieser Reformbewegung in Kultur, Kunst, Musik und Bildung bis zur Gegenwart erkennbar und für religiöses Lernen fruchtbar sind.