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Loccumer Pelikan

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KI trifft RU – Dialogisches Lernen mit ChatGPT im Religionsunterricht der Sek I

Veröffentlichung:16.1.2026

Das vorliegende Unterrichtsmedium „KI trifft RU – Dialogisches Lernen mit ChatGPT im Religionsunterricht der Sek I“ von Benjamin Müller-Struß thematisiert den reflektierten Einsatz generativer KI im Religionsunterricht und erschließt ChatGPT als dialogisches Lernwerkzeug für existenzielle, theologische und ethische Fragestellungen in den Jahrgangsstufen 9/10 und darüber hinaus. Der Beitrag verortet sich klar im Spannungsfeld von Digitalisierung, religiöser Bildung und Persönlichkeitsentwicklung und reagiert auf die veränderten Kommunikations- und Lerngewohnheiten Jugendlicher, ohne den Anspruch fachlicher Tiefe und kritischer Urteilsbildung aufzugeben.

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In der ausführlichen Darstellung entfaltet das Medium ein didaktisch klar strukturiertes Unterrichtskonzept, das dialogisches Lernen konsequent mit medienethischer Reflexion verbindet. Ausgangspunkt ist die Einsicht, dass generative Sprachmodelle wie ChatGPT nicht nur Informationslieferanten sind, sondern – richtig eingesetzt – als nicht-menschliche Gesprächspartner fungieren können, die Denkprozesse anstoßen, Perspektiven erweitern und zur eigenen Positionierung herausfordern. Zentrale Voraussetzung dafür ist das gezielte Prompt-Engineering, das im Material nicht nur technisch erklärt, sondern religionspädagogisch funktionalisiert wird: Durch Rollenübernahmen, definierte Adressatenkreise, sprachliche Niveausteuerung und begrenzte Textlängen lernen die Schüler*innen, Verantwortung für die Qualität von Antworten zu übernehmen und Sprache als gestaltbares Medium theologischer Kommunikation zu begreifen. Diese Kompetenz ist sowohl fachlich als auch medienpädagogisch hoch relevant.

Der erste Baustein nutzt große Sinn- und Lebensfragen als Lernanlass und verbindet klassische Methoden wie Think-Pair-Share mit KI-gestützter Multiperspektivität. Die Schülerinnen erfahren, dass es auf existenzielle Fragen keine einfachen oder eindeutigen Antworten gibt, sondern unterschiedliche religiöse, weltanschauliche, naturwissenschaftliche oder ökonomische Deutungen nebeneinanderstehen. ChatGPT fungiert hier als Impulsgeber, nicht als Autorität: Die generierten Antworten werden kritisch geprüft, ergänzt, verworfen oder zu Patchwork-Positionen weiterentwickelt. Religionsdidaktisch zeigt sich hier ein stark subjektorientierter Ansatz, der die Lernenden in ihrer Deutungskompetenz ernst nimmt und zugleich dialogische Gesprächsfähigkeit fördert. Besonders bedeutsam ist, dass der Austausch nicht bei der KI endet, sondern bewusst in analoge Gespräche mit Mitschülerinnen überführt wird, wodurch die soziale Dimension religiösen Lernens gesichert bleibt.

Der zweite Baustein verschärft die Reflexion, indem ChatGPT in die Rolle Jesu versetzt wird und aus dieser Perspektive auf aktuelle ethisch-politische Fragen antworten soll. Diese bewusste Provokation eröffnet einen doppelten Lernraum: Einerseits werden christliche Maßstäbe wie Frieden, Gerechtigkeit, Verantwortung, Gewaltverzicht und Solidarität auf gegenwärtige Konflikte angewendet, andererseits wird die KI selbst zum Gegenstand kritischer Analyse. Die Schüler*innen lernen, dass KI keine Offenbarung, kein Gewissen und keine spirituelle Autorität besitzt, sondern auf Wahrscheinlichkeiten, Trainingsdaten und impliziten Vorannahmen basiert. Die didaktische Stärke des Materials liegt darin, dass es diese Grenzen nicht abstrakt thematisiert, sondern erfahrungsbezogen sichtbar macht, etwa durch das Erkennen eines tendenziell harmonisierenden, konfliktscheuen Jesusbildes der KI. Damit werden zentrale religionspädagogische Kompetenzen gefördert: Unterscheidungsfähigkeit, theologische Urteilskraft und Sensibilität für die Differenz zwischen biblischer Überlieferung, kirchlicher Deutung und technischer Simulation.

Insgesamt überzeugt das Medium durch seine klare Struktur, seine hohe Anschlussfähigkeit an die Lebenswelt Jugendlicher und seine theologisch verantwortete Haltung gegenüber digitalen Technologien. Es wahrt den Beutelsbacher Konsens, indem es keine fertigen Antworten vorgibt, sondern zur eigenständigen Meinungsbildung befähigt, und leistet zugleich einen wichtigen Beitrag zur religiösen Medienbildung in einer von KI geprägten Gegenwart. Der Einsatz von ChatGPT wird weder unkritisch gefeiert noch pauschal problematisiert, sondern als lernförderliches Werkzeug begriffen, dessen Chancen und Grenzen bewusst reflektiert werden müssen.

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16.1.2026

konfessionelle Kooperation ,Interreligiöser Dialog

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Menschen & Welt

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