Der Artikel analysiert die wachsende Bedeutung digitaler Medien im Religionsunterricht und die Rolle digitaler Religionsbücher in der schulischen Praxis. Die Autorinnen argumentieren, dass Medienbildung nicht als zusätzliche, externe Aufgabe des Religionsunterrichts zu verstehen ist, sondern als notwendige Dimension schulischer Bildung, die bereits mit religiöser Bildung verschränkt ist. Sie belegen dies mit der These, dass Mediensozialisation zu einem Teil religiöse Sozialisation darstellt und maßgeblich die weltanschaulichen sowie religiösen Vorstellungen Heranwachsender prägt. Der Artikel präsentiert empirische Befunde aus den KIM- und JIM-Studien, die zeigen, dass digitale Geräte im Alltag von Kindern und Jugendlichen omnipräsent sind: 44% der 6- bis 13-Jährigen besitzen ein Smartphone, 95% der 12- bis 19-Jährigen sind regelmäßig online, und 93% der Jugendlichen nutzen täglich ihr Smartphone. Im Schulunterricht werden digitale Medien zunehmend eingesetzt, wobei eine Umfrage von Palkowitsch-Kühl zeigt, dass 70,7% der Religions- und Ethiklehrkräfte digitale Recherche regelmäßig nutzen. Die Bitkom-Studie 2023 dokumentiert allerdings erhebliche infrastrukturelle Defizite: 87% der Schülerinnen und Schüler nennen mangelhaftes WLAN als dringlichstes Problem. Die Autorinnen betonen, dass digitale Erschließungsformen die Zugänge zu religiösen Themenfeldern erweitern und dass der Umgang mit digitalen Schulbüchern zur Medienbildung sowie zur Kompetenzentwicklung im Sinne der Subjektorientierung beiträgt. Insgesamt argumentiert der Artikel für eine Integration von Medienbildung in religiöse Lernprozesse, die sowohl Persönlichkeitsbildung als auch kultur- und gesellschaftskritische Bildung unterstützt.