Zunächst werden grundlegende Zusammenhänge präsentiert: Abraham gilt im Judentum, Christentum und Islam als „Vater des Glaubens“ und als Mensch, der als Erster an den einen Gott glaubte. Die drei Religionen erzählen von ihm in ihren heiligen Schriften und sehen in ihm ihre gemeinsame Wurzel. Seine Söhne Isaak und Ismael bilden nach religiöser Tradition die Ausgangspunkte der späteren Glaubensgemeinschaften. Die Stunde will diese Gemeinsamkeit betonen und damit schon früh eine Grundlage für interreligiöses Lernen schaffen, bevor die Schülerinnen und Schüler in späteren Jahrgangsstufen spezifisch Judentum oder Islam kennenlernen.
Didaktisch setzt die Stunde an der elementaren Erfahrung von Familie und Herkunft an. Die Lernenden beschäftigen sich zunächst mit dem Symbol des Baumes und übertragen dessen Strukturen auf ihre eigene Familiengeschichte, indem sie, sensibel angeleitet – einen persönlichen Stammbaum ausfüllen. Das Material weist zugleich darauf hin, dass biografische Besonderheiten der Kinder (z. B. Verlust, Trennung, unbekannte Elternteile) pädagogisch bedacht werden müssen. Der Stammbaum vermittelt das Gefühl von Wurzeln, Zugehörigkeit und Verbundenheit und eröffnet eine intuitive Annäherung an den Begriff „Stammvater“.
Nachdem die Schülerinnen und Schüler ihren eigenen Stammbaum erstellt haben, übertragen sie das Konzept auf die Figur Abrahams. Sie ergänzen einen vorgegebenen Stammbaum mit Abraham, Sara, Isaak, Hagar und Ismael und überprüfen anhand der biblischen Verheißung (Gen 22,17), ob sich Gottes Zusage „zahlreicher Nachkommen“ bereits erfüllt hat. Die spätere Partnerarbeit vertieft diese Frage: Die Lernenden arbeiten mit drei kurzen Texten zu Abraham im Christentum, Judentum und Islam und halten fest, wie jede Religion Abraham versteht, welche Heilige Schrift jeweils wichtig ist und auf welchen Nachkommen sie sich beziehen. Im gemeinsamen Unterrichtsgespräch erkennen sie, dass alle drei Religionen – bei allen Unterschieden – Abraham als gemeinsamen Ursprung betrachten.
Am Ende der Stunde fassen die Schülerinnen und Schüler die Gemeinsamkeiten schriftlich zusammen. Ein kleiner Forschungsauftrag für zuhause (Zahl der Gläubigen weltweit) soll zeigen, dass aus Abraham tatsächlich ein „großes Volk“ im übertragenen Sinn entstanden ist: mehrere Milliarden Menschen sehen sich in seiner Nachfolge. Die Stunde endet damit, dass die Lernenden die Verbundenheit der drei Religionen wahrnehmen und die Bedeutung dieser gemeinsamen Wurzeln für ein friedliches Miteinander verstehen.