Das Unterrichtsmaterial eignet sich besonders für interreligiöses Lernen in der Grundschule und am Beginn der Sekundarstufe I. Es kann im katholischen oder evangelischen Religionsunterricht sowie in einem gemeinsamen Unterricht mit Ethik und anderen Religionsfächern eingesetzt werden. Als Einstieg wird das Bild eines Baumes präsentiert. Die Lernenden beschreiben Wurzeln, Stamm, Äste, Zweige, Blätter, Früchte und Krone. Anschließend überlegen sie, welche Bedeutung diese Bestandteile für einen Stammbaum haben können. Die Wurzeln können für Herkunft und Vorfahren stehen, der Stamm für tragende Beziehungen, die Zweige für unterschiedliche Familienlinien und die Früchte für neue Generationen. Diese Symbolarbeit fördert Wahrnehmung, sprachlichen Ausdruck und mehrdimensionales Denken. Ein Wortpuzzle zum Begriff Stammbaum kann die Hinführung spielerisch ergänzen. Bei der anschließenden Arbeit mit einem persönlichen Stammbaum ist große Sensibilität erforderlich. Familien können durch Trennung, Tod, Adoption, Pflegeverhältnisse, unbekannte Elternteile, gleichgeschlechtliche Eltern, Stieffamilien oder andere Lebensformen geprägt sein. Deshalb darf keine feste Familienordnung vorgegeben oder als normal bewertet werden. Lernende sollten selbst entscheiden können, welche Menschen sie als zugehörig eintragen und ob sie ihr Ergebnis zeigen möchten. Eine neutrale Alternative ist ein Beziehungsbaum mit Menschen, Orten oder Gemeinschaften, die Halt geben. Auch ein erfundener Stammbaum kann verwendet werden. Persönliche Ergebnisse sollten nur freiwillig vorgestellt und niemals bewertet werden. Danach kann die Verheißung Gottes an Abraham gelesen und das Bild der zahlreichen Nachkommen gedeutet werden. Der Stammbaum Abrahams führt zu Sara, Hagar, Isaak und Ismael. Dabei sollte Hagar nicht nur als Dienerin Saras erscheinen. Ihre Erfahrung von Unterdrückung, Flucht und göttlicher Zuwendung ist eigenständig zu behandeln. Ebenso dürfen Isaak und Ismael nicht als einfache Begründer voneinander getrennter Religionen dargestellt werden. Das Baumbild ist ein didaktisches Symbol und keine historisch beweisbare Abstammungskarte. Die im Material angelegte Zuordnung des Christentums und Judentums zu Isaak sowie des Islams zu Ismael sollte daher als religiöse Traditionsdeutung kenntlich gemacht und differenziert besprochen werden. In Partnerarbeit können Lernende jeweils einen Informationstext zu einer Religion lesen und zentrale Aussagen über Abraham festhalten. Sinnvoll ist eine arbeitsteilige Gruppenarbeit, bei der jede Gruppe eine Religion untersucht und ihre Ergebnisse anschließend an andere Gruppen weitergibt. Ein Vergleichsraster kann die Bezeichnungen Abraham und Ibrahim, die jeweiligen heiligen Schriften, zentrale Erzählungen, Ehrentitel und Glaubensaussagen übersichtlich gegenüberstellen. Die Gruppen sollten dabei nicht nur Gemeinsamkeiten suchen, sondern auch Unterschiede respektvoll benennen. Vertreterinnen und Vertreter der Religionen dürfen nicht auf eine einheitliche Sichtweise reduziert werden. Formulierungen wie „Im Judentum gibt es die Deutung“ oder „In muslimischen Traditionen wird erzählt“ verdeutlichen die Vielfalt innerhalb der Religionen. Lernende mit eigener jüdischer, christlicher, muslimischer oder nicht religiöser Prägung dürfen ihre Erfahrungen einbringen, sollten aber niemals als Auskunftspersonen für eine gesamte Religion behandelt werden. Das Material sollte durch aktuelle und möglichst authentische Quellen ergänzt werden, beispielsweise durch Auszüge aus Tora, Bibel und Koran, Erklärungen jüdischer und muslimischer Bildungsangebote oder kurze Aussagen von Gläubigen. Die Erzählung von der Gefährdung Isaaks verlangt eine sensible Behandlung, da die Darstellung als bloße Glaubensprüfung problematisch sein kann. Lernende sollten Fragen nach Angst, Gewalt, Gehorsam, Vertrauen und dem rettenden Eingreifen Gottes stellen dürfen. Als Sicherung kann ein gemeinsames Tafelbild in Form eines Baumes entstehen. Abraham bildet die Wurzel, während drei Äste unterschiedliche religiöse Traditionen darstellen. Verbindende Begriffe wie Vertrauen, Segen, Gerechtigkeit, Gastfreundschaft und der Glaube an den einen Gott können am Stamm angebracht werden. Unterschiede werden an den Ästen festgehalten, ohne sie als Trennung oder Mangel zu bewerten. Die Aussage des Materials, die Zahl heutiger Gläubiger beweise unmittelbar die Erfüllung der biblischen Verheißung, sollte nicht unkritisch übernommen werden. Besser ist ein theologisches Gespräch darüber, ob Verheißung wörtlich, symbolisch oder als Hoffnung verstanden werden kann. Als Abschluss eignen sich ein Lernplakat, ein Museumsrundgang, ein Schreibgespräch oder ein Brief an Abraham. Darin können Lernende erklären, weshalb Abraham Menschen verschiedener Religionen verbindet und welche Bedeutung ein gemeinsamer Ursprung für ein friedliches Zusammenleben haben kann. Eine abschließende Reflexion sollte deutlich machen, dass interreligiöser Dialog nicht die Auflösung von Unterschieden verlangt, sondern Wissen, Respekt, Begegnung und die Bereitschaft zum Zuhören.
Zunächst werden grundlegende Zusammenhänge präsentiert: Abraham gilt im Judentum, Christentum und Islam als „Vater des Glaubens“ und als Mensch, der als Erster an den einen Gott glaubte. Die drei Religionen erzählen von ihm in ihren heiligen Schriften und sehen in ihm ihre gemeinsame Wurzel. Seine Söhne Isaak und Ismael bilden nach religiöser Tradition die Ausgangspunkte der späteren Glaubensgemeinschaften. Die Stunde will diese Gemeinsamkeit betonen und damit schon früh eine Grundlage für interreligiöses Lernen schaffen, bevor die Schülerinnen und Schüler in späteren Jahrgangsstufen spezifisch Judentum oder Islam kennenlernen.
Didaktisch setzt die Stunde an der elementaren Erfahrung von Familie und Herkunft an. Die Lernenden beschäftigen sich zunächst mit dem Symbol des Baumes und übertragen dessen Strukturen auf ihre eigene Familiengeschichte, indem sie, sensibel angeleitet – einen persönlichen Stammbaum ausfüllen. Das Material weist zugleich darauf hin, dass biografische Besonderheiten der Kinder (z. B. Verlust, Trennung, unbekannte Elternteile) pädagogisch bedacht werden müssen. Der Stammbaum vermittelt das Gefühl von Wurzeln, Zugehörigkeit und Verbundenheit und eröffnet eine intuitive Annäherung an den Begriff „Stammvater“.
Nachdem die Lernenden ihren eigenen Stammbaum erstellt haben, übertragen sie das Konzept auf die Figur Abrahams. Sie ergänzen einen vorgegebenen Stammbaum mit Abraham, Sara, Isaak, Hagar und Ismael und überprüfen anhand der biblischen Verheißung (Gen 22,17), ob sich Gottes Zusage „zahlreicher Nachkommen“ bereits erfüllt hat. Die spätere Partnerarbeit vertieft diese Frage: Die Lernenden arbeiten mit drei kurzen Texten zu Abraham im Christentum, Judentum und Islam und halten fest, wie jede Religion Abraham versteht, welche Heilige Schrift jeweils wichtig ist und auf welchen Nachkommen sie sich beziehen. Im gemeinsamen Unterrichtsgespräch erkennen sie, dass alle drei Religionen – bei allen Unterschieden – Abraham als gemeinsamen Ursprung betrachten.
Am Ende der Stunde fassen die Schülerinnen und Schüler die Gemeinsamkeiten schriftlich zusammen. Ein kleiner Forschungsauftrag für zuhause (Zahl der Gläubigen weltweit) soll zeigen, dass aus Abraham tatsächlich ein „großes Volk“ im übertragenen Sinn entstanden ist: mehrere Milliarden Menschen sehen sich in seiner Nachfolge. Die Stunde endet damit, dass die Lernenden die Verbundenheit der drei Religionen wahrnehmen und die Bedeutung dieser gemeinsamen Wurzeln für ein friedliches Miteinander verstehen.