Das Video eignet sich besonders für den Religionsunterricht der gymnasialen Oberstufe sowie der Sekundarstufe II. Es bietet den Lernenden die Möglichkeit, aktuelle gesellschaftliche Fragen mit religionswissenschaftlichen und theologischen Perspektiven zu verbinden. Dabei lernen sie, zwischen dem Islam als Weltreligion und extremistischen Ideologien zu unterscheiden. Das Medium unterstützt die Entwicklung religiöser Urteilsfähigkeit, indem es zeigt, dass religiöse Überzeugungen nicht eindimensional verstanden werden dürfen, sondern immer in ihrem historischen, kulturellen und theologischen Zusammenhang betrachtet werden müssen.
Zu Beginn des Unterrichts bietet sich eine Sammlung der Vorstellungen der Lernenden zum Begriff Islamischer Staat an. Dabei können aktuelle Bilder, Schlagzeilen oder Medienberichte aufgegriffen werden. Anschließend formulieren die Lernenden eigene Fragen, die sie während des Videos beantworten sollen. Während der Sichtung können Arbeitsaufträge vergeben werden, beispielsweise zur Entstehung des Islamischen Staates, zur Bedeutung des Kalifats, zur Rolle religiöser Begründungen oder zu den theologischen Gegenargumenten muslimischer Gelehrter.
Im Anschluss bietet sich eine Gruppenarbeit an, in der verschiedene Aspekte vertieft werden. Eine Gruppe untersucht die politischen Ursachen der Radikalisierung, eine weitere beschäftigt sich mit der Auslegung koranischer Texte, eine dritte analysiert die Rolle der Medien und sozialen Netzwerke und eine vierte erarbeitet Möglichkeiten der Prävention. Die Ergebnisse werden anschließend miteinander verglichen und kritisch diskutiert.
Das Video eignet sich außerdem, um den verantwortungsvollen Umgang mit religiösen Quellen zu thematisieren. Die Lernenden erkennen, dass einzelne Verse nicht isoliert verstanden werden dürfen, sondern stets im historischen und literarischen Zusammenhang interpretiert werden müssen. Dadurch wird deutlich, wie religiöse Texte sowohl missbraucht als auch friedensfördernd ausgelegt werden können. Gleichzeitig fördert das Medium den interreligiösen Dialog, baut Vorurteile ab und stärkt die Fähigkeit der Lernenden, komplexe gesellschaftliche Fragestellungen differenziert zu beurteilen.
Die Veranstaltung „Unsere Religion im Gespräch“ im Haus der Religionen thematisiert, wie „islamisch“ der sogenannte Islamische Staat (IS) ist. Auslöser der breiten Wahrnehmung war Juni 2014, als die zuvor in Syrien/Irak agierende Gruppierung ein „Kalifat“ ausrief und Grenzlinien symbolisch aufhob. Der Anspruch des Kalifen verbindet geistliche und weltliche Führung aller Muslime; daraus leitet die Bewegung exklusive Wahrheits- und Herrschaftsansprüche ab. In muslimischen Communities, auch in Deutschland, dominieren Schock und Ablehnung; nur eine kleine Minderheit fühlt sich angezogen. Zur Genese: Ausgehend von Abu Musab al-Zarqawis Netzwerk (ab 2003) entwickelte sich aus „al-Qaida im Zweistromland“ 2006 der „Islamische Staat im Irak“, der – trotz geringer Größe – durch spektakuläre Anschläge und die Ausnutzung politischer Leerstellen an Bedeutung gewann. Der IS inszeniert sich nicht nur als Terrorgruppe, sondern als Staatsbildungsprojekt: Verwaltung, Polizei, Müllabfuhr, Schulwesen und Steuern wurden in Kerngebieten zeitweise etabliert. Finanzierung bleibt in Teilen unklar (Raub, Kriminalität, Ölquellen, Bankplünderungen u. a.). Zentral ist eine hochprofessionelle Medienarbeit, die Mythenbildung, Rekrutierung und symbolische Dominanz im Netz betreibt.
Theologisch nutzen IS-Ideologen selektive Koran- und Hadithzitate, lösen sie aus Kontexten und rechtfertigen damit Gewalt bis hin zu Versklavung und Zwangskonversion. Dem widersprechen breite islamische Gelehrtenpositionen; prominent ist der „Letter to Baghdadi“ (über 100 Gelehrte), der u. a. das Töten Unschuldiger, Zwangskonversion, willkürliche Exkommunikation (Takfir) und ein illegitim ausgerufenes Kalifat zurückweist. Mohagheghi betont die historische Kontextualisierung koranischer Kriegsverse und die Tradition verantworteter Auslegung; das IS-Frauen- und Gesellschaftsbild gilt als ahistorisch und unmenschlich. Medienlogiken begünstigen allerdings die Aufmerksamkeit für Gewalt, während differenzierte Gegenstimmen weniger Sichtbarkeit erhalten.