Für den Religionsunterricht bietet dieser zweite Teil die Chance, die Fragen nach Schuld, Gerechtigkeit und Erneuerung auf eine noch grundsätzlichere Ebene zu heben. Die Doku macht deutlich, dass institutionelles Versagen nicht allein durch Entschuldigungen oder symbolische Gesten überwunden werden kann, sondern echte Veränderung in Strukturen und Haltungen notwendig ist. Schülerinnen und Schüler können dabei lernen, zwischen dem Evangelium und dem Handeln kirchlicher Verantwortungsträger zu unterscheiden. Gerade diese Unterscheidung ist für eine reflektierte Glaubenshaltung wichtig: Christlicher Glaube lebt von Wahrhaftigkeit, Zuwendung und Gerechtigkeit – nicht von Machtmissbrauch oder dem Schutz von Tätern.
Im Unterricht ist es hilfreich, nach der Sicht der Opfer auch die Forderungen nach Reformen und systemischen Veränderungen zu thematisieren. Diskussionsanlässe könnten etwa die Frage sein, wie Kirche heute mit Macht umgehen sollte, was echte Aufarbeitung bedeutet oder welche Rolle Laien, Frauen und unabhängige Gremien dabei spielen können. Methodisch eignet sich die Arbeit mit Stellungnahmen von Bischöfen, mit kirchlichen Reforminitiativen oder auch mit biblischen Texten wie den prophetischen Mahnworten gegen falsche Hirten (z. B. Ez 34). So kann der Film nicht nur Betroffenheit hervorrufen, sondern zur aktiven Auseinandersetzung mit der Frage führen, wie Kirche sich erneuern und ihrem Auftrag treu bleiben kann.
Zusatz: Umgang mit möglichen Betroffenheiten von Schüler:innen
Da das Thema sexuelle Gewalt und Missbrauch für Betroffene traumatisierend sein kann, ist es entscheidend, von Anfang an sensibel und transparent vorzugehen. Die Lehrkraft sollte den Schüler:innen signalisieren, dass die Auseinandersetzung freiwillig ist und niemand persönliche Erfahrungen schildern muss. Es ist ratsam, vorab und nach der Einheit Hilfsangebote (z. B. Beratungsstellen, Telefonnummern) zur Verfügung zu stellen. Eine klare Absprache über Gesprächsregeln schützt die Schüler:innen und schafft einen Rahmen, in dem Gefühle geäußert werden dürfen, ohne dass Druck entsteht. Auch sollte genügend Zeit für Entlastung und positiven Abschluss eingeplant werden, etwa durch einen Blick auf Möglichkeiten von Veränderung, Heilung und Reform.