Das Medium eignet sich besonders für den Religionsunterricht der Sekundarstufe sowie für den fächerübergreifenden Unterricht mit Ethik, Biologie oder Sozialwissenschaften. Es ermöglicht den Lernenden, sich mit den Fragen nach Identität, Menschenwürde, Verantwortung, Krankheit, Alter und Vergänglichkeit auseinanderzusetzen. Zu Beginn bietet sich ein Gespräch über eigene Erfahrungen mit älteren Menschen oder demenzkranken Angehörigen an, um Vorwissen und persönliche Bezüge zu aktivieren. Während der Arbeit mit dem Medium können einzelne Filmsequenzen oder Fallbeispiele analysiert und mithilfe von Beobachtungsaufträgen ausgewertet werden. Anschließend fördern Partnergespräche, Gruppenarbeiten oder Schreibaufgaben die Vertiefung der Inhalte und ermöglichen eine persönliche Reflexion. Aus religiöser Perspektive lassen sich biblische Aussagen zur Würde des Menschen, zur Nächstenliebe, zu Mitgefühl und Fürsorge sowie Fragen nach dem Sinn von Krankheit und Leid einbeziehen. Ebenso können ethische Fragestellungen zur Verantwortung gegenüber pflegebedürftigen Menschen, zum Umgang mit Schwäche und zur Bedeutung von Erinnerung thematisiert werden. Kreative Methoden wie Perspektivwechsel, Rollenspiel, Tagebucheinträge aus der Sicht eines betroffenen Menschen oder die Gestaltung von Symbolen und Gebeten unterstützen einen empathischen Zugang. Aufgrund der emotionalen Thematik sollte ausreichend Zeit für Austausch, Reflexion und einen sensiblen Umgang mit persönlichen Erfahrungen der Lernenden eingeplant werden. Das umfangreiche Begleitmaterial bietet hierfür zahlreiche differenzierte Unterrichtsanregungen und Hintergrundinformationen.
Aus der Sicht des Betroffenen formuliert der Film Sätze wie: „Ich verlier’ den Verstand. Das muss man sich erst mal bewusst machen.“ – und erreicht so eine besondere Authentizität. Die Darstellung eröffnet einen emotionalen und ethischen Zugang zum Thema Demenz, der Zuschauerinnen und Zuschauer herausfordert, ihre eigenen Bilder und Bewertungen zu hinterfragen. Unterstützt durch ein reichhaltiges Begleitmaterial – von Hintergrundinformationen über Arbeitsblätter bis hin zu konkreten Methoden für Unterricht und Gespräch – lässt sich der Film differenziert erschließen.
Im katholischen Religionsunterricht eignet sich der Film ab Klasse 7 für eine sensible Auseinandersetzung mit Themen wie Würde des Menschen, Identität, Vergänglichkeit, Solidarität, Pflege, Generationenverhältnis, Hilfsbedürftigkeit und christliches Menschenbild. Besonders die Frage, wie wir mit Menschen umgehen, deren Fähigkeiten nachlassen, lässt sich aus theologischer Perspektive fruchtbar bearbeiten: Was macht einen Menschen „wertvoll“, wenn Sprache, Logik und Erinnerung verblassen? Was bedeutet „Mensch sein“ in der Abhängigkeit? Welche Haltung fordert der christliche Glaube im Umgang mit Schwäche und Verletzlichkeit?
Didaktisch bietet sich ein gestufter Zugang an – vom Assoziieren über Gesprächsrunden bis zu kreativen Gestaltungsformen. Die im Material vorgeschlagenen Sequenzunterbrechungen, Rollenzuweisungen und Reflexionsaufgaben eröffnen vielfältige Möglichkeiten zur individuellen und gemeinschaftlichen Verarbeitung. Auch biblische Bezüge (z. B. Heilung von Kranken, das Bild des barmherzigen Samariters oder das Gottesbild eines mitgehenden und tragenden Gottes) können eingebunden werden.
„Ich verlier’ den Verstand“ ist mehr als ein Film über Demenz – er ist ein Beitrag zur Menschenkunde, zur Ethik des Mitgefühls und zur spirituellen Auseinandersetzung mit Verletzlichkeit, Alter und Menschlichkeit. Ein wertvoller Impuls für einen Religionsunterricht, der Haltung bilden will.