Didaktisch eignet sich das Medium besonders für einen erfahrungsbezogenen Zugang zu Behinderung, Barrierefreiheit, gesellschaftlicher Teilhabe, Menschenwürde und Verantwortung. Im Religionsunterricht kann es beispielsweise in Unterrichtseinheiten zum christlichen Menschenbild, zur Einzigartigkeit jedes Menschen, zur Nächstenliebe, zur Gerechtigkeit oder zum verantwortlichen Zusammenleben eingesetzt werden. Das Spiel sollte dabei nicht für sich allein stehen. Eine simulierte Einschränkung vermittelt nicht, wie es tatsächlich ist, dauerhaft mit einer Behinderung zu leben. Sie kann jedoch konkrete Kommunikationsprobleme und Barrieren erfahrbar machen und damit einen Ausgangspunkt für Reflexion schaffen. Vor dem Spiel sollte die Lehrkraft deshalb deutlich machen, dass keine Behinderung nachgespielt und keine Lebenswirklichkeit von Menschen mit Behinderung vollständig nachvollzogen werden kann. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Erfahrung, wie Kommunikation, Orientierung und Unterstützung durch bestimmte Rahmenbedingungen erleichtert oder erschwert werden. Nach dem Spiel empfiehlt sich eine ausführliche Auswertung. Die Lernenden können beschreiben, wann sie sich sicher oder unsicher fühlten, welche Informationen ihnen fehlten, wodurch Missverständnisse entstanden und welche Formen der Unterstützung hilfreich waren. Daran anschließend kann die Perspektive bewusst von der einzelnen Person auf die Umwelt gelenkt werden: Welche Barrieren wurden durch die Gestaltung des Spiels erzeugt und welche Veränderungen hätten die Aufgabe erleichtert? Auf diese Weise lässt sich die Vorstellung problematisieren, Behinderung ausschließlich als Eigenschaft eines Menschen zu verstehen. Das Arbeitsblatt eignet sich anschließend zur Systematisierung und Vertiefung. In Einzelarbeit oder Partnerarbeit können die Lernenden zunächst eigene Kenntnisse und Vermutungen in die Tabelle eintragen. Danach können die Ergebnisse in Kleingruppen verglichen und durch die Informationen des Materials ergänzt werden. Die Übersicht für Lehrpersonen nennt dafür konkrete Beispiele wie eingeschränkte Mobilität, Kommunikationsbarrieren, schwer zugängliche Gebäude, fehlende Leitsysteme, schwer lesbare Informationen und gesellschaftliches Unverständnis. Als Unterstützung werden unter anderem Rampen und Aufzüge, barrierefreie Infrastruktur, Leitsysteme, leichte Sprache, große Schrift, Blindenschrift, Untertitelung und technische Hilfsmittel genannt. Die Ergebnisse können anschließend im Plenum gebündelt werden. Besonders ergiebig ist die Frage, welche Barrieren räumlich, kommunikativ und gesellschaftlich entstehen und wer für deren Abbau Verantwortung trägt. Für den Religionsunterricht bietet sich danach eine ethische und theologische Vertiefung an. Die Lernenden können beispielsweise diskutieren, was es bedeutet, jedem Menschen Würde zuzuerkennen, ob Hilfe allein bereits Teilhabe ermöglicht und wie eine Gemeinschaft gestaltet sein muss, damit Menschen nicht aufgrund unterschiedlicher Voraussetzungen ausgeschlossen werden. Dabei sollte die Lehrkraft auf eine respektvolle Sprache achten und vermeiden, Menschen mit Behinderung ausschließlich unter dem Gesichtspunkt von Defiziten und Hilfsbedürftigkeit zu betrachten. Ebenso wichtig ist es, Fähigkeiten, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Strukturen in den Blick zu nehmen. Als Abschluss können die Lernenden konkrete Barrieren in Schule, Gemeinde oder öffentlichem Raum identifizieren und Vorschläge für mehr Teilhabe formulieren. So entwickelt sich die Arbeit mit dem Medium von der persönlichen Erfahrung über die sachliche Auseinandersetzung hin zu einer ethischen Urteilsbildung und konkreten Handlungsorientierung.
Das Spiel „Ich sehe was, was du nicht hörst!“ simuliert durch Rollenzuweisungen (blind, stumm, ohne Sicht) Barrieren in der Kommunikation und Koordination. Die Schüler:innen müssen gemeinsam ein Ziel erreichen – etwa Wasserflaschen auf einem Feld einsammeln – unter eingeschränkten Wahrnehmungsbedingungen. Diese Selbsterfahrung macht eindrücklich spürbar, wie stark Alltagsaktivitäten durch Einschränkungen beeinflusst werden können, und fördert zugleich Teamgeist, Empathie und Perspektivübernahme.
Das Arbeitsblatt „Was bedeutet Behinderung?“ strukturiert die Auseinandersetzung mit verschiedenen Behinderungsformen (körperlich, geistig, seelisch, Sinnes- und Lernbehinderungen). Es thematisiert konkrete Barrieren, benennt Unterstützungsbedarfe und sensibilisiert für die Wirkung gesellschaftlicher Vorurteile. Die gemeinsame Auswertung lenkt den Blick auf übergreifende Herausforderungen für Menschen mit Behinderungen und die Bedeutung von Aufgeschlossenheit, Sensibilität und aktiver Teilhabe.
Im katholischen Religionsunterricht bietet der Impuls zahlreiche Anknüpfungspunkte: Inklusion, Nächstenliebe, Menschenwürde und Solidarität sind zentrale ethisch-theologische Themen, die hier erlebbar gemacht und reflektiert werden. Die didaktische Verbindung von Selbsterfahrung, Reflexion und konkretem Wissen fördert ein tiefgreifendes Verständnis für Inklusion als Ausdruck christlicher Verantwortung und gesellschaftlicher Gerechtigkeit – im Sinne der biblischen Botschaft: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40).
Das Material eignet sich für Einzelstunden, Projekttage, Ethikunterricht oder schulische Inklusionsinitiativen – auch in fächerverbindendem Kontext.