Die Selbstbezeichnung Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zeigt den exklusiven Anspruch der Glaubensgemeinschaft: Sie sieht sich selbst als die einzig wahre, von Gott autorisierte Kirche – eine Haltung, die von anderen christlichen Konfessionen in der Regel nicht geteilt wird. In der öffentlichen Wahrnehmung wird die Gruppierung daher häufig als „Sekte“ eingestuft, was zu starker Abgrenzung führen kann. Diese Diskrepanz zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung ist besonders geeignet, im Unterricht kritisch und differenziert analysiert zu werden.
Für Mitglieder bedeutet die Zugehörigkeit zur mormonischen Kirche ein tiefes Bekenntnis: Sie verpflichten sich nicht nur zu moralischen und spirituellen Regeln, sondern auch zu finanziellen Opfern. Zehn Prozent ihres Einkommens werden als Kirchenzehnt erwartet. Weitere freiwillige Spenden, Ausgaben für Kleidung, Bücher und die Missionszeit kommen hinzu. Daraus ergibt sich die Frage: Wo endet persönlicher Glaube – und wo beginnt institutionelle Kontrolle?
Ziel einer unterrichtlichen Auseinandersetzung mit diesem Thema sollte es sein, Vorurteile abzubauen, fundiertes Wissen über Glaubensinhalte und Lebenspraxis zu vermitteln und zugleich Raum für kritische Reflexion zu lassen: Was motiviert junge Menschen zu einem solch intensiven Engagement? Wo liegen die Chancen und Grenzen einer stark regulierten Religionsgemeinschaft? Und wie verhält sich ein solcher Glaubensanspruch zur pluralistischen Gesellschaft?
Die Dokumentation „Glaube und Geld – Die Mission der Mormonen“ beleuchtet die Geschichte, die Strukturen und die Besonderheiten der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Sie wurde 1830 gegründet und entwickelte sich zu einer der wohlhabendsten Religionsgemeinschaften weltweit. Eine zentrale Rolle spielt dabei der sogenannte Zehnte, also die Verpflichtung der Mitglieder, zehn Prozent ihres Einkommens an die Kirche abzuführen. Dieses Finanzierungsmodell schafft nicht nur wirtschaftliche Stabilität, sondern ermöglicht auch den Aufbau eines globalen Netzwerkes an Tempeln, Institutionen und Archiven. Besonders auffällig ist zudem die intensive Missionstätigkeit: Vor allem junge Erwachsene verbringen Monate oder Jahre als Vollzeitmissionare, oft fern der Familie, um die Lehre zu verbreiten.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Ritualen und Praktiken, die für die mormonische Identität prägend sind. Dazu gehört die Taufe Verstorbener, die eng mit genealogischer Forschung verbunden ist. Auf diese Weise hat die Kirche eine der größten genealogischen Datenbanken der Welt aufgebaut. Im Selbstverständnis sehen sich die Mormonen als die wahre christliche Kirche, geführt von lebenden Propheten, die direkten Kontakt mit Gott haben. Von außen wird die Bewegung dagegen nicht selten kritisch betrachtet. Historische Praktiken wie die Polygamie und die starke hierarchische Struktur führen bis heute zu Kontroversen, manche Kritiker sprechen sogar von einer Sekte.
Für den Unterricht bietet die Dokumentation vielfältige Anknüpfungspunkte. Schülerinnen und Schüler können sich mit den Fragen beschäftigen, wie Religion und Geld zusammenhängen, welche Bedeutung Mission für eine Glaubensgemeinschaft hat und wie Rituale Identität stiften. Auch der Gegensatz zwischen Selbstbild und Außenwahrnehmung lädt zu Diskussionen ein. Im Unterricht lassen sich diese Themen in Arbeitsgruppen erschließen, durch Mindmaps oder Rollenspiele vertiefen und in der Abschlussdiskussion auf die Gegenwart übertragen. So eignet sich der Film sowohl für jüngere Jahrgänge, bei denen Aspekte wie Gemeinschaft und Rituale im Vordergrund stehen können, als auch für ältere Schülerinnen und Schüler, die stärker die ökonomische Dimension, religiöse Vielfalt und mediale Wahrnehmung kritisch reflektieren können.