David Käbisch behandelt die wachsende Herausforderung konfessionsloser Schüler/-innen für den Religionsunterricht an allgemeinbildenden Schulen. Ausgehend von einer Analyse der ostdeutschen Situation und unter Bezug auf die Theorien von Monika Wohlrab-Sahr und Gert Pickel zeigt der Autor, dass Konfessionslosigkeit sowohl als formale Mitgliedschaftsfrage als auch als praktizierte Religionslosigkeit zu verstehen ist. Der Beitrag kritisiert die bisherige religionspädagogische Fokussierung auf außerunterrichtliche Lernorte und plädiert stattdessen für eine bildungstheoretisch fundierte Fachdidaktik, die im regulären 45-Minuten-Unterrichtsformat operabel ist. Zentral ist dabei die Didaktik des Perspektivenwechsels nach Bernhard Dressler, die Käbisch von der Empathie unterscheidet und als kognitive Imaginationsfähigkeit bestimmt. Der Autor entwickelt vier Kriterien für Lernaufgaben im gemeinsamen Lernen mit Konfessionslosen: (1) Schüler/-innen nicht als Religionsexperten positionieren, (2) keine notwendige Teilnahme an religiöser Praxis voraussetzen, (3) konkrete Personen statt Abstraktionen behandeln, (4) Kirchen- und Religionskritik einbeziehen. Abschließend präsentiert Käbisch ein Kategoriensystem zur Analyse und Konstruktion von Lernaufgaben mit neun Dimensionen (Perspektivübernahme, Perspektivenwechsel, Kompetenz, Anforderungsbereich, Wissensart, Wissenseinheiten, Offenheit, Lebensweltbezug, sprachliche Komplexität, Repräsentationsformen). Der Artikel verweist auf das Frankfurter Forschungsprojekt zur religiösen Positionierung, das diese theoretischen Überlegungen empirisch umsetzt.