Das Video eignet sich besonders für den Religionsunterricht der Sekundarstufe und kann in den Themenbereichen Weltreligionen, Heiliges Land, Berufung, Klosterleben, christliche Spiritualität, Frieden, Dialog der Religionen sowie Kirche in Krisenzeiten eingesetzt werden. Durch die authentischen Schilderungen des Abtes erhalten die Lernenden einen lebensnahen Einblick in das Leben eines Benediktiners und in die Herausforderungen des christlichen Glaubens in einer politisch und religiös geprägten Region.
Als Einstieg bietet sich eine Unterrichtsphase an, in der die Lernenden ihre Vorstellungen von Jerusalem und seiner Bedeutung für die drei monotheistischen Religionen sammeln. Anschließend kann das Video mit gezielten Beobachtungsaufträgen angesehen werden. Die Lernenden können beispielsweise darauf achten, welche Rolle Gebet, Gemeinschaft und Vertrauen auf Gott im Alltag des Abtes spielen oder welche Bedeutung der Dialog zwischen den Religionen besitzt.
In der anschließenden Auswertung lassen sich zentrale Aussagen gemeinsam erarbeiten. Besonders geeignet sind Gruppenarbeiten zu Themen wie Berufung, benediktinische Lebensweise, Frieden, Versöhnung, Menschenwürde oder religiöse Vielfalt. Ebenso kann diskutiert werden, weshalb Jerusalem gleichzeitig ein Ort großer religiöser Hoffnung und politischer Spannungen ist.
Das Medium eröffnet zudem vielfältige Möglichkeiten zur persönlichen Reflexion. Die Lernenden können überlegen, welche Bedeutung Stille, Gebet und Gemeinschaft für das eigene Leben haben oder welche Voraussetzungen für ein friedliches Zusammenleben unterschiedlicher Religionen notwendig sind. Kreative Methoden wie das Erstellen einer Mindmap über Jerusalem, das Verfassen eines persönlichen Friedensgebetes oder die Gestaltung eines Plakates zum interreligiösen Dialog vertiefen die Inhalte. Ebenso eignet sich das Video als Grundlage für ein Projekt zu Klöstern, zum Heiligen Land oder zur Bedeutung der Benediktiner für Kirche und Gesellschaft.
Abt Nikodemus Schnabel, Benediktiner der Dormitio-Abtei in Jerusalem, lebt seit über 20 Jahren im Heiligen Land und verkörpert in seinem Leben und Wirken eine eindrucksvolle Verbindung von spiritueller Tiefe, kultureller Offenheit und gesellschaftlichem Engagement. Ursprünglich stammt er aus einer liberalen Künstlerfamilie und hatte mit Kirche zunächst wenig zu tun. Erste religiöse Erfahrungen sammelte er durch Freundschaften mit Kindern aus einem katholischen Heim und deren regelmäßigen Gottesdienstbesuchen. Die Liturgie, insbesondere ihre sinnlich erfahrbare Dimension, wurde für ihn zum zentralen Zugang zum Glauben – ein Glaube, der nicht nur den Verstand, sondern alle Sinne einbezieht.
Im Alter von 13 Jahren trat er zur katholischen Kirche über, zunächst mit dem Wunsch, Astronom, später Journalist oder Politiker zu werden. Nach einem prägenden Aufenthalt in Mexiko und einer schweren Krankheitserfahrung fand er in Jerusalem seine geistliche Heimat. Die Stadt mit ihrer Vielfalt an Religionen, Konfessionen und politischen Spannungen empfand er als zutiefst inspirierend. Für ihn war klar: Wenn Gott im Zentrum seines Lebens stehen soll, dann ganz – und so entschied er sich für das monastische Leben. Als Benediktiner bindet man sich bewusst an einen konkreten Ort – die sogenannte „Stabilitas loci“ –, und in der Dormitio-Abtei auf dem Zionsberg fand er seinen Platz.
Nikodemus betont, dass der benediktinische Weg keine spirituelle Leistungsshow sei, sondern eine Suche nach der Mitte. Er beschreibt sich selbst als „radikal moderat“ – gemäß der Regel Benedikts, die weder Übermaß noch Mangel gutheißt. Diese Haltung wurde auch im Krieg seit dem 7. Oktober 2023 spürbar: Während viele ausländische Institutionen das Land verließen, blieben die Benediktiner präsent. Ihre Klöster in Tabgha und Jerusalem blieben geöffnet, Gebetszeiten wurden gehalten – ein bewusstes Zeichen der Hoffnung und Treue. Besonders eindrucksvoll: Die Brüder beteten nicht nur für die Opfer, sondern auch für die Täter – in der Hoffnung auf Umkehr. Das, so Schnabel, sei kein politisches Statement, sondern Ausdruck des Evangeliums, das zur Feindesliebe aufrufe.
In einer Stadt, in der Glaube keine Privatsache ist, sondern das öffentliche Leben prägt, erlebt er auch die Kraft des interreligiösen Miteinanders. Für ihn ist Jerusalem ein Ort der Gottsucher – eine Herausforderung für Fanatiker, aber ein Segen für Menschen, die sich ernsthaft mit Religion auseinandersetzen. Anders als oft in Deutschland wird Glaube hier nicht wegdiskutiert, sondern gelebt. Das Pilgern – auch für viele säkulare oder distanzierte Menschen – nimmt daher für ihn an Bedeutung zu: als spirituelle Erfahrungsreise, auf der sich viele Menschen neu oder erstmals auf den Glauben einlassen.
Als Abt sieht er seine Aufgabe darin, den Brüdern zu dienen: ihnen Räume zu schaffen, in denen sie geistlich wachsen, beten und wirken können. Verantwortung bedeutet für ihn nicht Kontrolle, sondern Ermöglichung. Dass er Mönch geblieben ist, sieht er als Selbstverständlichkeit – Gottsucher zu sein, bleibt sein zentrales Lebensmotto, auch in Leitungsverantwortung.
Abt Nikodemus Schnabel macht deutlich: Die Kirche hat dann Zukunft, wenn sie sich auf ihre Mitte besinnt, sich nicht in Polarisierungen verliert, sondern Räume der Hoffnung und des Gebets öffnet. Für ihn ist klar: Der Kernauftrag der Kirche besteht darin, die Frage nach Gott wachzuhalten – gerade in einer zerrissenen Welt. Seine Haltung bietet viele Anknüpfungspunkte für den Religionsunterricht, etwa im Blick auf Berufung, interreligiösen Dialog, die Bedeutung liturgischer Praxis oder die Herausforderung der Feindesliebe im Angesicht von Krieg und Gewalt.
Fragestellungen zum Video mit Antworten
Wer ist Abt Nikodemus Schnabel?
Er ist Benediktiner, Leiter der Dormitio Abtei in Jerusalem und lebt seit mehr als zwanzig Jahren im Heiligen Land.
Wie beschreibt er seinen Weg zum Glauben?
Er wuchs in einer liberalen Künstlerfamilie auf und fand über die Liturgie und die Erfahrungen mit Ordensschwestern schrittweise zum katholischen Glauben.
Warum entschied er sich für das Leben als Benediktiner?
Er fühlte sich besonders von der benediktinischen Spiritualität, dem gemeinschaftlichen Leben, dem Gebet und der Verbindung zu Jerusalem angezogen.
Welche Bedeutung hat Jerusalem für ihn?
Jerusalem ist für ihn ein Ort der Gottsuche, der Begegnung zwischen Religionen und zugleich ein Ort großer politischer und religiöser Herausforderungen.
Welche Rolle spielt das Gebet im Alltag des Klosters?
Das Gebet bildet den Mittelpunkt des klösterlichen Lebens und schenkt Orientierung, Hoffnung und Kraft auch in Zeiten von Krieg und Unsicherheit.
Wie versteht Abt Nikodemus den Dialog zwischen den Religionen?
Er betont, dass alle Menschen eine unverlierbare Würde besitzen und dass gegenseitiger Respekt, Zuhören und gemeinsames Gebet wichtige Voraussetzungen für Frieden sind.
Welche Botschaft richtet er an die Kirche?
Die Kirche soll Menschen Orientierung geben, Räume des Gebetes offenhalten und die Frage nach Gott lebendig halten.
Warum bleibt das Kloster trotz des Krieges geöffnet?
Die Mönche möchten ein sichtbares Zeichen der Hoffnung setzen und allen Menschen einen Ort des Gebetes, der Begegnung und des Trostes anbieten.
Welche Bedeutung hat das Pilgern nach Jerusalem?
Pilgerfahrten ermöglichen vielen Menschen eine neue Begegnung mit dem Glauben und können den persönlichen Glaubensweg nachhaltig verändern.
Welche zentrale Botschaft vermittelt das Video?
Der christliche Glaube zeigt sich im Vertrauen auf Gott, im Gebet, in der Suche nach Frieden, im respektvollen Dialog und in der Bereitschaft, auch unter schwierigen Bedingungen Hoffnung zu schenken.