Walter Benjamin war ein Literaturwissenschaftler und Philosoph, der für seine erkenntnistheoretische Vorrede in seiner Habilitationsschrift berühmt wurde. Diese Schrift kritisiert die damalige wissenschaftliche Praxis der Klassifikation und Typisierung und schlägt stattdessen ein phänomenologisches Erkennensmodell vor, das sich stark an der Philosophie Husserls orientiert. Benjamin war auch ein produktiver Übersetzer, insbesondere für Werke von Marcel Proust, und er hielt Rundfunkvorträge für Kinder. Er beschäftigte sich mit der jüdischen Messianologie und der Geschichte, wobei er kritisch gegenüber Fortschrittsidealen war. Sein Werk wurde nach 1945 unterschiedlich rezipiert, wobei er teilweise als unsichtbarer Stachel in der Kritischen Theorie betrachtet wurde. Benjamin, beeinflusst von Marxismus und Judentum, hatte eine komplexe Beziehung zur Kunst und Kultur, die in der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule weiterentwickelt wurde. Die Frankfurter Schule kritisierte nicht nur ökonomische, sondern auch kulturelle Entfremdung und sah in der Kulturindustrie eine Verformung der Kultur. Benjamin war gegen eine vereinfachte revolutionäre Veränderung und betonte die Negativität als Grundverhältnis der modernen Welt.