Der Einstieg gelingt durch eine Einführung in eine jüdische Gemeinde rund um die Synagoge in der Lindenstrasse. Die drei Biografien werden in Gruppenarbeit untersucht und anhand von Quellen und Bildern im Material über dort angegebene Aufgabenstellungen bearbeitet. Es entstehen Zeitstrahlen und Postkarten. Über eine angeleitete Internetrecherche werden die Fluchtwege und Schicksale der drei Personen und ihrer Familien nachvollzogen.
Die Antworten auf die Fragen zur Webrecherche lauten wie folgt:
Samuel Antmann:
a) Ein Kantor, auch Chasan genannt, hat verschiedene Aufgaben in der Synagoge. Er ist in erster Linie für das Vorbeten und Leiten der Gebete während des Gottesdienstes verantwortlich. Seine Stimme ist oft melodisch und trägt die liturgischen Gesänge und Gebete vor. In einigen Gemeinden kann der Kantor auch eine pädagogische Rolle übernehmen, indem er beispielsweise Kindern und Erwachsenen das Singen von Gebeten und liturgischen Melodien beibringt. Es handelt sich traditionell um einen männlichen Beruf, obwohl es in einigen liberalen jüdischen Gemeinden auch weibliche Kantoren gibt. Die Attraktivität dieses Berufs kann darin liegen, dass er eine spirituelle Verbindung zur Gemeinde ermöglicht, sowie die Möglichkeit bietet, musikalische Fähigkeiten und religiöse Kenntnisse zu nutzen, um anderen zu dienen.
b) Viele deutsche Juden wählten Shanghai als Zufluchtsort während des Zweiten Weltkriegs, hauptsächlich aufgrund seiner relativ offenen Einwanderungspolitik und der Tatsache, dass ein Visum nicht erforderlich war, um dorthin zu gelangen. Die Lage für jüdische Emigranten in Shanghai zwischen 1941 und 1945 war jedoch äußerst schwierig. Sie lebten in überfüllten und armen Stadtteilen unter oft prekären Bedingungen. Obwohl sie vor direkter Verfolgung durch die Nationalsozialisten sicher waren, waren sie dennoch von Armut, Krankheit und Diskriminierung betroffen.
c) Der Hausvogteiplatz in Berlin wurde in den 1920er und 30er Jahren zu einem bedeutenden Konfektionsstandort aufgrund seiner zentralen Lage und der Verfügbarkeit von Fabrikgebäuden, die zu Produktionsstätten umgewandelt wurden. Jüdische Modemacher spielten eine bedeutende Rolle in der Modebranche dieser Zeit in Berlin, indem sie innovative Designs und Stile prägten. Ein Denkzeichen auf dem Hausvogteiplatz erinnert an die ehemalige Bedeutung des Ortes für die Modeindustrie und die jüdischen Modemacher, die dort tätig waren.
Harry Kindermann:
a) Die Anzahl der Juden und Jüdinnen, die in Deutschland während des Holocaust überlebt haben, ist vergleichsweise gering im Vergleich zu denen, die ermordet wurden. Es wird geschätzt, dass etwa 20.000 bis 30.000 Juden und Jüdinnen in Deutschland überlebt haben. Sie konnten auf unterschiedliche Weise überleben, darunter durch Flucht ins Ausland, Versteckspiel in Deutschland oder durch Hilfe von nicht-jüdischen Mitbürgern. Eine bemerkenswerte Überlebensgeschichte ist die von Anne Frank und ihrer Familie, die sich während der deutschen Besatzung der Niederlande zwei Jahre lang in einem Versteck in einem Hinterhaus in Amsterdam versteckten, bevor sie entdeckt und deportiert wurden.
b) Die "Fabrikaktion" war eine Razzia, die am 27. Februar 1943 von den Nationalsozialisten in Berlin durchgeführt wurde. Dabei wurden Tausende von Juden und Jüdinnen, die in jüdischen Betrieben und Fabriken arbeiteten, verhaftet und deportiert. Die meisten von ihnen wurden in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Es gab vereinzelten Widerstand gegen die Fabrikaktion, darunter Sabotageversuche und Versteckaktionen von jüdischen Arbeitern. Ein bekanntes Beispiel ist die Geschichte der Fabrik "Opekta", in der Anne Frank's Vater Otto Frank arbeitete. Mitarbeiter versteckten einige jüdische Kollegen, um sie vor der Verhaftung zu schützen.
c) Das Gebäude in der Großen Hamburger Straße 27 in Berlin-Mitte hat eine bewegte Geschichte. Während der NS-Zeit diente es als jüdische Schule und Gemeindezentrum. Es wurde jedoch während der Reichspogromnacht 1938 von den Nationalsozialisten verwüstet und geschlossen. Nach dem Krieg wurde das Gebäude zunächst von der sowjetischen Militäradministration genutzt und später als Bürogebäude verwendet. In den letzten Jahren wurde es renoviert und beherbergt nun eine Gedenkstätte und Ausstellung zum jüdischen Leben in Berlin vor dem Holocaust.
Lotte und Siegbert Rotholz:
a) Die Kennzeichnung der Jüdinnen und Juden in Nazi-Deutschland hatte für das Regime mehrere Funktionen. Sie diente zunächst der rassistischen und antisemitischen Ideologie, die darauf abzielte, die jüdische Bevölkerung als "anders" und minderwertig zu kennzeichnen. Darüber hinaus erleichterte die Kennzeichnung die systematische Diskriminierung und Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens, indem sie ihre Identifizierung und Trennung von der nicht-jüdischen Bevölkerung ermöglichte. Die Kennzeichnung war auch ein Mittel zur Kontrolle und Überwachung der jüdischen Bevölkerung durch das Regime.
b) Die Kennzeichnung der Jüdinnen und Juden hatte verheerende Auswirkungen auf die Betroffenen. Sie führte zu einer massiven Stigmatisierung und Ausgrenzung, die das tägliche Leben stark beeinträchtigte. Die Kennzeichnung machte die jüdische Bevölkerung zu leicht erkennbaren Zielen für Diskriminierung, Gewalt und letztendlich für Deportation und Vernichtung in den Konzentrationslagern.
c) Für Nicht-Jüdinnen und Nicht-Juden hatte die Kennzeichnung verschiedene Wirkungen. Einige erlebten möglicherweise eine Form der Komplizenschaft oder des Schweigens angesichts der Diskriminierung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung, während andere möglicherweise ein Gefühl der Angst, des Unbehagens oder der Schuld empfanden. Die Kennzeichnung könnte auch dazu beigetragen haben, antisemitische Einstellungen und Vorurteile in der nicht-jüdischen Bevölkerung zu verstärken oder zu normalisieren.
Zusatzaufgabe:
a) Heutzutage gibt es verschiedene Zeichen, an denen bestimmte Gruppen erkannt werden können, obwohl sie oft subtiler sind als die Kennzeichnungen in der Nazi-Zeit. Beispiele hierfür sind religiöse Kleidung wie das Kopftuch im Islam, ethnische oder kulturelle Symbole, bestimmte Tattoo-Designs oder sogar politische Abzeichen.
b) Die Funktion dieser Zeichen kann je nach Kontext variieren. Sie können dazu dienen, Zugehörigkeit oder Identität auszudrücken, politische oder soziale Überzeugungen zu signalisieren oder sogar als Warnung oder Abschreckung für andere dienen.
c) Ein Hauptunterschied zur Kennzeichnung der Jüdinnen und Juden in der Nazi-Zeit besteht darin, dass die heutigen Zeichen normalerweise nicht von staatlicher Stelle verordnet werden und nicht zwangsläufig mit systematischer Verfolgung oder Diskriminierung einhergehen. Dennoch können sie immer noch zur Stigmatisierung oder Ausgrenzung führen und haben das Potenzial, Vorurteile und Spannungen in der Gesellschaft zu verstärken.
a) Der jüdische Widerstand gegen die Nazis nahm verschiedene Formen an, darunter politischer Widerstand, Sabotage, Versteckspiel, Flucht und die Verbreitung von Untergrundliteratur. Eine bemerkenswerte Widerstandsgruppe war die "Bielski-Partisanen" unter der Führung der Brüder Tuvia, Asael und Zus Bielski. Diese Gruppe operierte im von den Deutschen besetzten Polen und rettete mehr als 1.200 Juden, indem sie sie in den Wäldern versteckte und gegen die deutschen Besatzer kämpfte.
Im Dritten Reich gab es verschiedene Formen des Widerstands gegen das nationalsozialistische Regime. Hier sind einige der prominentesten Formen:
Politischer Widerstand: Einige mutige Einzelpersonen und Gruppen widersetzten sich aktiv den nationalsozialistischen Ideologien und Handlungen. Dazu gehörten politische Aktivisten, Mitglieder verbotener politischer Parteien wie der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), sowie Widerstandsgruppen wie die Weiße Rose.
Sabotage: Einige Widerstandskämpfer führten Sabotageakte gegen die nationalsozialistische Regierung und ihre Institutionen durch. Dies umfasste das Zerstören von Infrastruktur, das Stören von Kommunikationsnetzwerken und das Beschädigen von Rüstungsfabriken, um die Kriegsanstrengungen des Regimes zu behindern.
Versteckspiel: Viele Menschen, insbesondere Juden und politisch Verfolgte, versteckten sich vor den nationalsozialistischen Behörden, um der Verhaftung und Deportation zu entgehen. Sie wurden oft von mutigen Helfern unterstützt, die sie in ihren Häusern, Dachböden, Kellern oder im Untergrund versteckten.
Flucht: Einige Deutsche und Juden versuchten, aus dem nationalsozialistisch beherrschten Gebiet zu fliehen, um ihrem Schicksal zu entkommen. Dies umfasste die Flucht ins Ausland, oft unter großen Gefahren und Risiken. Einige Länder gewährten Asyl, während andere die Einreise verweigerten oder restriktive Einwanderungsgesetze hatten.
Verbreitung von Untergrundliteratur: Widerstandsgruppen verbreiteten heimlich Informationen, Pamphlete und Flugblätter, um die Menschen über die wahren Absichten und Verbrechen des Regimes aufzuklären. Die Weiße Rose ist ein bekanntes Beispiel für eine Gruppe, die Flugblätter gegen das Regime verteilte und zum Widerstand aufrief.
Diese Formen des Widerstands waren oft gefährlich und mit hohen Risiken verbunden, da das nationalsozialistische Regime hart gegen jeden Widerstand vorging und Widerstandskämpfer oft brutal verfolgte und bestrafte. Dennoch demonstrierten diese mutigen Menschen den Kampfgeist und den Glauben an Gerechtigkeit inmitten einer der dunkelsten Zeiten der Geschichte.b) Viele jüdische Flüchtlinge aus Nazideutschland wanderten in Länder aus, die bereit waren, sie aufzunehmen und ihnen Schutz zu bieten. Dazu gehörten Länder wie die USA, Großbritannien, Palästina (später Israel), Argentinien und einige andere südamerikanische Länder. Diese Länder öffneten ihre Grenzen für jüdische Flüchtlinge aufgrund humanitärer Motive, politischer Entscheidungen oder bestehender jüdischer Gemeinschaften vor Ort. Ein Land, das jedoch nur sehr wenige jüdische Flüchtlinge aufnahm, war beispielsweise das nationalsozialistische Deutschland selbst, das seine Grenzen für Juden und Jüdinnen schloss und sie zur Emigration zwang.
Ein Land, dessen Umgang mit jüdischen Geflüchteten genauer betrachtet werden kann, ist Großbritannien. Während Großbritannien im Vergleich zu einigen anderen Ländern eine beträchtliche Anzahl von jüdischen Flüchtlingen aufnahm, waren die Einreisebestimmungen restriktiv und es gab eine strenge Kontrolle über die Zuwanderung. Das bekannteste Beispiel ist das Schicksal der jüdischen Flüchtlinge an Bord des Passagierschiffs "St. Louis" im Jahr 1939, das Kuba und die USA ansteuerte, aber von beiden Ländern abgewiesen wurde. Großbritannien erlaubte nur einer begrenzten Anzahl von Flüchtlingen die Einreise, während die anderen gezwungen waren, nach Europa zurückzukehren, wo viele von ihnen später Opfer des Holocaust wurden.