Der Zugang erfolgt lebensweltlich über die Frage nach der Entstehung der evangelischen Kirche und knüpft an vorhandene Vorstellungen der Lernenden an. Die Materialien ermöglichen entdeckendes Lernen durch Quellenarbeit, kooperative Lernformen und kreative Gestaltungsaufgaben. Besonders gewinnbringend sind die Perspektivübernahmen, etwa in Gesprächen mit Zeitgenossen Luthers, bei der Auseinandersetzung mit dem Wormser Edikt oder in Briefen und Dialogen aus der Sicht Katharina von Boras. Historische Zusammenhänge werden nicht nur vermittelt, sondern durch Rollenspiele, Standbilder und Diskussionen erfahrbar gemacht. Die Materialien fördern die Fähigkeit, unterschiedliche Positionen zu analysieren, historische Entwicklungen kritisch zu beurteilen und zentrale reformatorische Grundgedanken wie Gewissen, Freiheit, Rechtfertigung, Bibelorientierung und das Priestertum aller Gläubigen auf gegenwärtige Fragestellungen zu beziehen. Für eine vertiefende Arbeit bieten sich Gruppenpuzzle, Stationenlernen, Szenisches Spiel sowie die Gestaltung von Lernprodukten wie Flugblättern, Kirchengrundrissen oder Präsentationen an. Das Material ermöglicht damit einen handlungsorientierten und schüleraktivierenden Religionsunterricht, der historische Bildung mit theologischer Reflexion verbindet.
Der Einstieg gelingt über eine persönliche Evaluation der Erwartungen zum Unterrichtsverfahren anhand eines Materials. Auch das Vorwissen wird dort über Fragen erfasst.
In einem weiteren Schritt wird die allgemeine Situation der gläubigen Christen im Mittelalter anhand eines Lückentextes vorgestellt. Der Fokus liegt dabei auf der Position zwischen Jenseits Hoffnung und Höllenangst.
Ein weiterer Text thematisiert Luthers neue Theologie zur Hoffnung auf Gottes Gnade. Die Strophen dieses Liedtextes werden in Gruppen zu einem Standbild weiterentwickelt.
Das nächste Material thematisiert die 95 Thesen.
Die Thesen sind als separate PDF auf dieser seite von ru-digital im dropdown-men eingebette Medien enthalten. Die Aufgabenstellungen in diesem Material leiten das Übersetzen eine Reihe von Thesen in moderne deutsche Sprache an. Dazu werden diese Textabschnitte, die im Material angegeben sind, in eigene Worte gefasst und im Material notiert.
Es folgt ein weiteres Material mit einer selbsteinschätzung zu einer Reihe von Fragen. Dabei geht es um grundlegende theologische Annahmen eines Christenmenschen, wie z.B die Verehrung von Heiligen, die Notwendigkeit von Pfarrern als Vermittlern zu Gott, die Bedeutung des Papstes und seiner Lehrmeinung.
In einem weiteren Schritt werden Ausschnitte aus Luthers reformatorischen Schriften erarbeitet. Dabei zeigt sich der Unterschied zu den vorher festgehaltenen Punkten der christlichen Lehre das Mittelalters und auch der katholischen Lehre heute. So wird der Einfluss aller kirchlichen Autoritäten eingeschränkt. Die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung der Gläubigen wird betont.
Ein weiterer Schritt behandelt Luthers Auftreten vor dem Reichstag in Worms 1521. Dabei werden die Positionen von Luthers Anklägern festgehalten. Anschließend daran enthält ein Material die Ergebnisse des Wormser Ediktes. Es wird ein kurzes Rollenspiel entwickelt, in dem die Folgen dieses Ediktes für die Protestanten durch mehrere Personen vorgespielt werden. Das Rollenspiel wird durch das Eintragen solcher Positionen in Sprechblasen vorbereitet. Die Exkommunikation Luthers macht klar, dass auch alle seine Anhänger in Zukunft verfolgt werden und ein Martyrium für ihren Glauben erleiden können.
Es folgt ein Tabu-Spiel dessen Spielkarten aus dem Material ausgeschnitten werden. Die Regeln zum Spiel sind ebenfalls im Material enthalten.
Es folgt ein Material zur bedeutung der Heiligen Schrift für Luther. Dazu werden vier Fragen antworten zugeordnet.
Im nächsten Schritt entsteht ein Flugblatt zum sogenannten September Testament Martin Luthers. Handelt es sich um die Übersetzung der Bibel durch Luther, die durch die neue aufkommenden Buchdruck in großen Zahlen verteilt wird.
In einem weiteren Schritt werden zwei Ausschnitte von Bibelübersetzungen verglichen. Dabei fällt auf dass die Übersetzung Luthers trotz des altdeutschen wesentlich leichter zu verstehen ist. Hier raus lässt sich auch seine Volksnähe leicht erklären. In diesem Ausschnitt wird auch Luthers Theologie deutlich. Während der Herr vorher der Regent war, ist er nun der Hirte. Die unhierarchische Herangehensweise Luthers prägt auch das evangelische Kirchenbild.
Ein weiteres Material befasst sich mit Katharina von Bora. Ihre Entscheidung zum Verlassen des Klosters und das fallen lassen des Zölibates werden thematisiert. Auch die Vorwürfe der katholischen Seite gegenüber diesem Verhalten und dem Zusammenleben von Pfarrern mit Frauen werden behandelt. Dazu entsteht ein Dialog Katharinas mit einer Nonne, in dem die Fluchtpläne und die Gründe dazu vorgestellt werden.
Ein weiteres Material untersucht die persönlichen Vorstellungen von Beziehungen und Liebe so wie die Beziehung zwischen Katharina von Bora und Luther.
Ein abschließendes Material thematisiert die Veränderungen des Kirchenraumes nach der Reformation. Dazu wird aus einer Liste von Gegenständen bewusst ausgewählt. Auch werden Begründungen formuliert warum eine Reihe von Gegenständen in evangelischen Kirchen nicht vorkommen.
M 1.1 „Oder kannst du mir erklären, warum es die evangelische Kirche gibt?“
Die Lernenden werden mit einer alltagsnahen Gesprächssituation konfrontiert. Ein katholischer Freund stellt die provokative Frage nach dem Ursprung der evangelischen Kirche. Die Lernenden formulieren aus ihrem Vorwissen eine eigene Antwort.
Im Unterricht passiert:
Aktivierung von Vorwissen, Problemorientierung, Formulierung erster Vorstellungen zur Reformation, Diagnose des Lernstandes.
M 1.2 Martin Luther und die Reformation
Ein Assoziationsblatt mit Bildern, Begriffen und Schreibfeldern regt dazu an, vorhandenes Wissen und Fragen zu Martin Luther zu sammeln.
Im Unterricht passiert:
Brainstorming, Sammeln von Erwartungen, Entwicklung eigener Fragestellungen für die Unterrichtsreihe, Visualisierung von Vorwissen.
M 2.1 Frömmigkeit im ausgehenden Mittelalter
Ein Lückentext behandelt Jenseitsvorstellungen, Höllenangst, Wallfahrten, Reliquien und Ablasswesen.
Im Unterricht passiert:
Erarbeitung des historischen Hintergrunds der Reformation, Sicherung zentraler Fachbegriffe, Verständnis der religiösen Situation vor Luther.
M 3.1 Martin Luthers Gottesbild verändert sich
Anhand eines Lutherliedes gestalten die Lernenden Standbilder zu verschiedenen Phasen von Luthers Glaubensentwicklung.
Im Unterricht passiert:
Szenisches Lernen, Interpretation religiöser Texte, Erarbeitung von Luthers Gottesbild und seiner Rechtfertigungserfahrung.
M 4.1 Martin Luthers 95 Thesen
Ausgewählte Thesen werden gelesen, in heutige Sprache übertragen und auf Fragen von Zeitgenossen angewendet.
Im Unterricht passiert:
Quellenarbeit, historische Perspektivübernahme, Analyse von Luthers Kritik am Ablasshandel, Rollenspiel mit Zeitzeugen.
M 5.1 Wer wird der Erste sein im Himmel?
Ein Gedankenexperiment mit zwei religiösen Gesprächspartnern regt zur Stellungnahme zu zentralen Glaubensfragen an.
Im Unterricht passiert:
Positionierung, Diskussion, Reflexion eigener Überzeugungen, Vorbereitung auf reformatorische Kerngedanken.
M 5.2 Martin Luthers reformatorische Schriften von 1520
Auszüge aus drei zentralen Schriften Luthers werden gelesen und zusammengefasst.
Im Unterricht passiert:
Arbeit an Originalquellen, Erschließung der Grundprinzipien der Reformation, Partnerarbeit und Ergebnissicherung. Themen sind Freiheit, Bibelauslegung, Priestertum aller Gläubigen und Sakramente.
M 6.1 Luther vor dem Reichstag in Worms
Anklage, Verteidigung und Stellungnahme Kaiser Karls V. werden verglichen.
Im Unterricht passiert:
Multiperspektivische Quellenanalyse, Argumentationsvergleich, Auseinandersetzung mit Gewissen und Autorität.
M 6.2 Für den Glauben das Leben riskieren?
Das Wormser Edikt wird untersucht und anschließend in einem Rollenspiel verarbeitet.
Im Unterricht passiert:
Analyse historischer Folgen, Bewertung persönlicher Risiken, Rollenspiel und ethische Reflexion über Mut und Gewissensfreiheit.
M 7.1 und M 7.2 Tabuspiel Reformation
Begriffskarten mit zentralen Fachbegriffen der Reformation werden spielerisch erklärt.
Im Unterricht passiert:
Wiederholung und Festigung von Fachwissen, Aktivierung, Lernspiel zur Ergebnissicherung.
M 8.1 Sola Scriptura
Die Lernenden setzen Probleme des Bibelverständnisses mit reformatorischen Lösungsansätzen in Beziehung.
Im Unterricht passiert:
Problemlösendes Lernen, Erarbeitung des Prinzips „Allein die Schrift“, Reflexion über Bildung, Lesen und Auslegung.
M 8.2 Martin Luther übersetzt die Bibel
Ein Informationstext schildert die Entstehung des Septembertestaments.
Im Unterricht passiert:
Auseinandersetzung mit Mediengeschichte und Buchdruck, kreative Gestaltung eines Werbeflugblattes für die Lutherbibel.
M 9.1 Interlinearübersetzung
Ein Bibeltext wird in seiner ursprünglichen sprachlichen Form präsentiert.
Im Unterricht passiert:
Vergleich von Übersetzungen, Einsicht in Übersetzungsprobleme und Sprachverständnis.
M 9.2 Psalm 23 im Vergleich
Zwei unterschiedliche Bibelübersetzungen werden gegenübergestellt.
Im Unterricht passiert:
Sprachvergleich, Analyse von Gottesbildern, Reflexion über Luthers theologisches Verständnis und Übersetzungsentscheidungen.
M 10.1 Katharina von Bora
Ein biografischer Informationstext stellt Leben und Wirken Katharina von Boras vor.
Im Unterricht passiert:
Biografisches Lernen, Erstellung eines Spickzettels, Erarbeitung wichtiger Lebensstationen.
M 10.2 Katharina von Bora – die entflohene Nonne
Ein Informationstext und eine Gegenstimme eines Luthergegners beleuchten den Klosteraustritt.
Im Unterricht passiert:
Kontroverses Lernen, Abwägen von Argumenten, Perspektivwechsel zwischen Befürwortern und Gegnern der Reformation.
M 10.3 Flucht aus dem Kloster
Die Flucht der Nonnen wird beschrieben.
Im Unterricht passiert:
Historische Imagination, kreatives Schreiben, Dialoggestaltung aus der Sicht Katharina von Boras.
M 10.4 Entlaufene Nonne heiratet geächteten Mönch
Die Ehe von Katharina von Bora und Martin Luther wird thematisiert.
Im Unterricht passiert:
Vergleich von Lebensentwürfen, Perspektivübernahme, Schreiben eines fiktiven Briefes aus der Sicht Katharina von Boras.
M 11.1 Reformation im Kirchengebäude
Die Lernenden richten eine evangelische Kirche mit vorgegebenen Gegenständen ein.
Im Unterricht passiert:
Anwendung des erworbenen Wissens, Transferleistung, Gestaltung eines Kirchenraums und Begründung theologischer Entscheidungen. Dadurch werden zentrale reformatorische Einsichten sichtbar gemacht.