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EulenfischEster DreinerHermann-Josef Perrar

Eulenfisch,

Ester Dreiner,

Hermann-Josef Perrar

Mehr Mitmenschlichkeit in die Welt bringen

Veröffentlichung:1.1.2014

Die Unterrichtssequenz "Mehr Mitmenschlichkeit in die Welt bringen" ermöglicht auf vier Seiten mit drei Materialien die Reflexion des Begriffs Barmherzigkeit. Durch das Verständnis dieses Grundbegriffes der christlichen Nächstenliebe entwickeln die Lernenden ihre religiöse Sprachfähigkeit weiter. Dies gelingt anhand von Biografiearbeit mit bekannten Heiligen, einer Liedanalyse und der Erforschung der Tätigkeit der großen christlichen Hilfswerke. In dem Material sind Sequenzen sowohl für 1/2 als auch für 3/4 verwendungsfähig.

Das Medium „Mehr Mitmenschlichkeit in die Welt bringen“ von Esther Dreiner und Hermann Josef Perrar bietet Unterrichtsideen für die Grundschule zur Erschließung von Barmherzigkeit, Mitmenschlichkeit und christlicher Nächstenliebe. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Barmherzigkeit für viele Lernende zunächst ein abstrakter Begriff ist. Das Medium erschließt ihn deshalb über die Bilder des Herzauges und der Herzhand: Barmherzig sein bedeutet, die Not eines Menschen wahrzunehmen, sich davon berühren zu lassen und schließlich helfend zu handeln. Für die ersten beiden Jahrgangsstufen werden Nikolaus, Martin von Tours und Elisabeth als Vorbilder vorgestellt. In Jahrgangsstufe 3 ermöglicht das Magnifikat einen Zugang zur Barmherzigkeit Gottes, während in Jahrgangsstufe 4 die christliche Tradition des Teilens, die Werke der Barmherzigkeit sowie Nächstenliebe und Feindesliebe vertieft werden können. Ergänzt werden die Unterrichtsideen durch Materialien zu christlichen Hilfswerken wie Misereor, Missio, den Sternsingern und Brot für die Welt. Das Medium verbindet damit biblisches Lernen, ethische Bildung, soziales Lernen und konkrete Handlungsperspektiven.

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Für den Einstieg in das Thema empfiehlt sich eine lebensweltliche Annäherung an den Begriff Barmherzigkeit. Anstatt den Begriff zunächst abstrakt zu definieren, können die Lernenden Situationen sammeln, in denen ein Mensch die Not eines anderen wahrnimmt und darauf reagiert. Fragen wie „Wann braucht ein Mensch Hilfe?“, „Woran erkenne ich, dass es jemandem nicht gut geht?“, „Was bedeutet es, ein Herz für jemanden zu haben?“ oder „Wann habe ich erlebt, dass jemand für mich da war?“ ermöglichen einen persönlichen Zugang. Dabei sollte niemand dazu verpflichtet werden, belastende eigene Erfahrungen offenzulegen. Ebenso können fiktive Alltagssituationen verwendet werden, etwa ein einsames Kind auf dem Schulhof, ein Mensch, der Trost benötigt, oder eine Person, die von anderen ausgeschlossen wird.

Besonders anschaulich ist die vom Medium vorgeschlagene Arbeit mit Herzauge und Herzhand. Das Herzauge steht dafür, einen Menschen und seine Not wirklich zu sehen. Die Herzhand symbolisiert das daraus entstehende Handeln. Das Medium verbindet beide Symbole mit der Bereitschaft, sich vom Schicksal anderer berühren zu lassen, tröstende Worte und Gesten zu finden und konkrete Hilfe anzubieten. Methodisch können zunächst ein großes Auge und eine große Hand in die Mitte des Sitzkreises gelegt werden. Die Lernenden sammeln zum Auge Situationen des Wahrnehmens und zur Hand Möglichkeiten des Handelns. Ein Herz kann zwischen beide Symbole gelegt werden und die emotionale Dimension verdeutlichen. So entsteht eine für die Grundschule verständliche Struktur: sehen, sich berühren lassen und handeln.

Die Symbole können anschließend auf Alltagssituationen übertragen werden. Kleingruppen erhalten kurze Fallbeispiele und beantworten drei Fragen: Was sieht das Herzauge? Was fühlt der Mensch? Was kann die Herzhand tun? Die Ergebnisse können als kurze Szenen, Zeichnungen oder Standbilder präsentiert werden. Wichtig ist dabei die Einsicht, dass gutes Helfen nicht nur bedeutet, sofort etwas zu tun. Auch Zuhören, Nachfragen, Trösten, Dasein und das Respektieren der Wünsche eines anderen Menschen können Formen mitmenschlichen Handelns sein.

Für die ersten beiden Jahrgangsstufen schlägt das Medium Nikolaus, Martin von Tours und Elisabeth als Vorbilder der Barmherzigkeit vor. Ihre Legenden zeigen Menschen, die Not wahrnehmen, sich davon berühren lassen und ihren Besitz mit anderen teilen. Die Geschichten können erzählt, vorgelesen oder mit einem Bodenbild gestaltet werden. Anschließend suchen die Lernenden in jeder Erzählung nach dem Herzauge und der Herzhand. Sie können beispielsweise markieren, an welcher Stelle Martin die Not des Bettlers wahrnimmt, wann Nikolaus oder Elisabeth sich zum Handeln entscheiden und welche Folgen ihre Taten haben.

Das Arbeitsmaterial M1 auf Seite 53 fordert dazu auf, ein Bild zu Nikolaus, Martin oder Elisabeth zu gestalten. Diese Aufgabe kann erweitert werden, indem die Lernenden Herzauge und Herzhand in ihr Bild integrieren oder einen kurzen Satz ergänzen: „Dieser Mensch sieht mit dem Herzen, weil …“ Anschließend können die Bilder in einer Galerie betrachtet werden. In einem gemeinsamen Gespräch wird herausgearbeitet, was die drei Personen trotz unterschiedlicher Lebensgeschichten miteinander verbindet. Dabei sollte die Beschäftigung mit Heiligen nicht bei bewundernden Vorbilderzählungen stehen bleiben. Entscheidend ist die vom Medium angeregte Übertragung auf eigene Handlungsmöglichkeiten: Wo kann ich selbst ein Herzauge und eine Herzhand haben?

Für Jahrgangsstufe 3 bietet das Magnifikat einen anspruchsvolleren biblischen Zugang. Maria besingt darin einen Gott, der ein Herz für unterdrückte und hungernde Menschen hat, Mächtige infrage stellt, die Kleinen groß macht und Hungernden Nahrung gibt. Das Material differenziert die Aufgaben nach verschiedenen Anforderungsbereichen und zielt besonders auf die Förderung der Deutungskompetenz. Dadurch lässt sich das Material gut für eine Lerngruppe mit unterschiedlichen Voraussetzungen einsetzen.

Zunächst können die Lernenden mit eigenen Worten wiedergeben, wofür Maria Gott lobt und dankt. Anschließend gestalten sie ein Bild zu den im Magnifikat beschriebenen Taten Gottes und vergleichen ihre Darstellungen miteinander. Besonders wichtig ist dabei die Begründung der eigenen Gestaltung. Die Lernenden erklären, welche Aussage ihnen wichtig war und wie sie diese bildlich dargestellt haben. Dadurch wird die kreative Aufgabe mit theologischer Deutung verbunden.

Für eine vertiefende Auseinandersetzung stellt das Medium zwei gegensätzliche Aussagen gegenüber: Marias Lied kann Menschen Angst machen oder Menschen Mut machen. Die Lernenden sollen darüber miteinander diskutieren. Methodisch eignet sich dafür eine Positionierung im Klassenraum. Die Lernenden entscheiden, welcher Aussage sie eher zustimmen, und begründen ihre Position. Im Gespräch kann deutlich werden, dass dieselben Aussagen je nach Perspektive unterschiedlich wirken können. Menschen, die unter Ungerechtigkeit leiden, können die angekündigte Veränderung als Hoffnung verstehen, während Menschen, die von bestehenden Machtverhältnissen profitieren, sie möglicherweise als Bedrohung erleben. Dadurch eröffnet das Magnifikat einen Zugang zur gesellschaftlichen Dimension christlicher Barmherzigkeit.

In Jahrgangsstufe 4 kann die individuelle Ebene des Helfens durch die Beschäftigung mit christlichen Hilfswerken erweitert werden. Das Medium stellt Misereor, Missio, die Sternsinger und Brot für die Welt vor und fordert die Lernenden dazu auf, die Hilfswerke miteinander zu vergleichen, ihre jeweiligen Anliegen herauszuarbeiten und Verbindungen zu den Werken der Barmherzigkeit zu entdecken. Methodisch bietet sich eine arbeitsteilige Gruppenarbeit an. Jede Gruppe beschäftigt sich mit einem Hilfswerk und erstellt ein Plakat. Dabei können Fragen leitend sein wie: Wem hilft das Hilfswerk? Welche Not nimmt es wahr? Was tut es konkret? Welche Verbindung besteht zur christlichen Nächstenliebe? Welche Möglichkeiten gibt es für Kinder, sich zu beteiligen?

Die Gruppen präsentieren anschließend ihre Ergebnisse. Das Medium empfiehlt ausdrücklich kooperative Lernformen sowie die gemeinsame Vorstellung und Reflexion der Arbeitsergebnisse. Als Sicherung kann eine gemeinsame Übersicht entstehen, in der Herzauge und Herzhand erneut aufgegriffen werden. Beim Herzauge wird notiert, welche Formen von Not die Hilfswerke wahrnehmen. Bei der Herzhand werden ihre konkreten Aktivitäten gesammelt. Dadurch verbindet sich die institutionelle Arbeit christlicher Hilfswerke mit der zu Beginn entwickelten Vorstellung von Barmherzigkeit.

Für einen handlungsorientierten Abschluss können die Lernenden überlegen, wo sie selbst Mitmenschlichkeit in die Welt bringen können. Möglich sind kleine Vorhaben innerhalb der Klasse, der Schule, der Kirchengemeinde oder des Wohnortes. Dabei sollte nicht der Umfang einer Aktion entscheidend sein. Einem Menschen zuhören, jemanden in eine Gruppe aufnehmen, teilen, trösten, sich gegen Ausgrenzung einsetzen oder gemeinsam eine Hilfsaktion unterstützen können gleichermaßen Ausdruck von Mitmenschlichkeit sein. Die Lernenden können persönliche Vorhaben auf ausgeschnittene Herzaugen und Herzhände schreiben und daraus ein gemeinsames Klassenbild gestalten.

Zum Abschluss sollte der Begriff Barmherzigkeit erneut aufgegriffen werden. Die Lernenden können eigene Erklärungen formulieren und mit ihren Vorstellungen vom Beginn der Unterrichtsreihe vergleichen. Satzanfänge wie „Barmherzig sein bedeutet für mich …“, „Mit dem Herzen sehen bedeutet …“, „Eine Herzhand brauche ich, wenn …“ oder „Mitmenschlichkeit kann ich zeigen, indem …“ unterstützen die Reflexion. Auf diese Weise ermöglicht das Medium einen Religionsunterricht, in dem Barmherzigkeit nicht nur als christlicher Begriff kennengelernt, sondern als Verbindung von Wahrnehmung, Mitgefühl, Glauben, gesellschaftlicher Verantwortung und konkretem Handeln verstanden wird.


Der Einstieg gelingt durch das Malen eines Heiligen, z.B. Nikolaus, Martin oder Elisabeth. In einem weiteren Schritt wird das Magnifikat, ein Loblied Marias an den Herrn, erarbeitet. Zu den Taten des Herrn werden Bilder gemalt. Eine Diskussion über den Inhalt schließt sich an. Erzeugt das Lied eher Angst oder Mut? Der nächste Schritt thematisiert Hilfswerke über je einen Kurztext zu vier Werken. Verbindungen zu den Werken der Barmherzigkeit werden hergestellt.

Material:

M1 Heilige – Lernende malen ein Bild von Nikolaus, Martin oder Elisabeth

M2 Magnifikat Lerner/innen beschreiben und diskutieren den Inhalt des Lobliedes

M3 Hilfswerke – Webrecherche


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