Didaktisch eignet sich das Medium besonders für die Jahrgangsstufen 9 und 10 und eröffnet einen lebensweltlichen Zugang zu aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen. Die Unterrichtseinheit beginnt mit einem Videoclip zum Thema Rassismus, der vorhandene Erfahrungen und Beobachtungen der Lernenden aktiviert. Dadurch wird deutlich, dass Rassismus kein historisches Randphänomen ist, sondern bis heute in unterschiedlichen Formen auftritt. In arbeitsteiligen Gruppen erschließen die Lernenden anschließend zentrale Erscheinungsformen von Diskriminierung wie Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Rassismus. Die Ergebnisse werden in Mindmaps oder Schaubildern gesichert und miteinander vernetzt. Im Zentrum der Einheit steht die biografische Auseinandersetzung mit Martin Luther King und Malcolm X. Besonders motivierend ist die Aufgabe, ein Erklärvideo oder ein fiktives Profil in einem sozialen Netzwerk zu erstellen. Dadurch verbinden die Lernenden historische Recherche mit kreativer Medienarbeit. Die vergleichende Analyse beider Persönlichkeiten ermöglicht die Frage nach unterschiedlichen Wegen des Widerstands gegen Ungerechtigkeit sowie nach der Bedeutung religiöser Überzeugungen für gesellschaftliches Engagement. Im weiteren Verlauf entwickeln die Lernenden eigene Handlungsmöglichkeiten gegen Diskriminierung und Rassismus. Dabei können Projekte wie Ausstellungen, Schülerzeitungsbeiträge, Podiumsdiskussionen oder Initiativen im Rahmen von „Schule ohne Rassismus“ entstehen. Die Unterrichtseinheit fördert Sachkompetenz, Urteilsfähigkeit, Empathie, Perspektivwechsel und demokratische Handlungskompetenz. Gleichzeitig regt sie dazu an, die biblische Vorstellung von der gleichen Würde aller Menschen mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen in Beziehung zu setzen und Verantwortung für ein respektvolles Zusammenleben zu übernehmen.
Das Material entstammt einer Reihe, die nicht mehr verfügbar ist, deshalb ist kein Einstieg dafür im Material vorgesehen. Der erste Schritt ist somit eine Gruppenarbeit mit fünf Gruppen. Dabei werden fünf unterschiedliche Themenfelder aus dem Bereich Rassismus untersucht und mit Beispielen aus der eigenen Lebenswelt angereichert.
In einem weiteren Schritt wird die Entwicklung eines Erklärvideos zum Thema Luther und Malcolm X angeleitet. Über eine Sammlung von Links werden Informationen in Internetrecherche ermittelt und dann mit dem eigenen Handy zu einem kurzen Video verdichtet.
Material M1: Rassismus in unserer Gesellschaft
Dieses Material ist als Gruppenpuzzle angelegt. Verschiedene Kleingruppen bearbeiten jeweils einen eigenen Schwerpunkt und stellen ihre Ergebnisse anschließend der Klasse vor.
Gruppe 1: Statistik zu Rassismus
Die Lernenden analysieren eine Infografik der Bundeszentrale für politische Bildung zur Verbreitung rassistischer Einstellungen in Deutschland. Dabei untersuchen sie Unterschiede nach Alter, Bildung, Einkommen, politischer Einstellung, Religion und Region. Anschließend präsentieren sie ihre Ergebnisse und diskutieren mögliche Ursachen für die dargestellten Entwicklungen.
Gruppe 2: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit
Die Lernenden arbeiten mit einem Sachtext über das Konzept der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit. Sie lernen, dass unterschiedliche Formen der Abwertung häufig zusammenhängen und auf einer Vorstellung von Ungleichwertigkeit beruhen. Anschließend sammeln sie Beispiele aus ihrem Alltag und überprüfen, wo ihnen ähnliche Denkmuster begegnen.
Gruppe 3: Rassismus
Diese Gruppe untersucht einen Informationstext über Rassismus. Die Lernenden erarbeiten Definitionen, historische Hintergründe und aktuelle Erscheinungsformen. Sie reflektieren Vorurteile, stereotype Zuschreibungen und Diskriminierungserfahrungen und übertragen die theoretischen Erkenntnisse auf gesellschaftliche Situationen der Gegenwart.
Gruppe 4: Islamfeindlichkeit
Die Lernenden analysieren Ursachen und Erscheinungsformen von Islamfeindlichkeit. Sie setzen sich mit der Frage auseinander, wie Vorurteile gegenüber Musliminnen und Muslimen entstehen und welche Auswirkungen diese auf das gesellschaftliche Zusammenleben haben. Dabei werden aktuelle Beispiele aus Medien und Alltag einbezogen.
Gruppe 5: Antisemitismus
Diese Gruppe beschäftigt sich mit historischen und aktuellen Formen von Judenfeindlichkeit. Die Lernenden erarbeiten die Entstehung antisemitischer Vorurteile, deren Folgen während des Nationalsozialismus sowie aktuelle Erscheinungsformen auf Schulhöfen, im Internet und im öffentlichen Raum. Anschließend diskutieren sie Möglichkeiten des Widerstands gegen antisemitische Einstellungen.
Gemeinsame Sicherung
Nach der Gruppenarbeit werden die Ergebnisse in Form einer Mindmap oder eines Schaubildes zusammengetragen. Die Lernenden erkennen Zusammenhänge zwischen den unterschiedlichen Formen von Diskriminierung und entwickeln Kriterien zur Beurteilung rassistischer Haltungen.
Material M2: Martin Luther King und Malcolm X
Im zweiten großen Materialblock begegnen die Lernenden zwei bedeutenden Persönlichkeiten der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Die Klasse arbeitet arbeitsteilig zu Martin Luther King und Malcolm X. Dabei recherchieren die Lernenden selbstständig biografische Daten, historische Hintergründe, politische Ziele und religiöse Überzeugungen.
Martin Luther King
Die Lernenden untersuchen Kings Einsatz gegen die Rassentrennung sowie seine Vision einer gerechten Gesellschaft. Sie analysieren seine berühmte Rede „I have a dream“ und setzen sich mit seinem christlich begründeten Verständnis von Gewaltfreiheit, Versöhnung und Menschenwürde auseinander.
Malcolm X
Die Lernenden beschäftigen sich mit Malcolm X, seiner Kritik an gesellschaftlicher Unterdrückung und seiner späteren Neuorientierung nach der Pilgerreise nach Mekka. Sie analysieren die Bedeutung des Islams für sein Denken und vergleichen seine Positionen mit denen Martin Luther Kings.
Kreative Medienarbeit
Auf Grundlage ihrer Recherchen erstellen die Lernenden entweder ein Erklärvideo oder ein fiktives Profil in einem sozialen Netzwerk für Martin Luther King beziehungsweise Malcolm X. Dabei müssen sie Informationen auswählen, strukturieren und adressatengerecht präsentieren. Diese Aufgabe verbindet historisches Lernen mit Medienbildung.
Abschlussphase: Handlungsoptionen gegen Rassismus entwickeln
Zum Abschluss übertragen die Lernenden ihre Erkenntnisse auf ihre eigene Lebenswelt. Die Unterrichtseinheit schlägt verschiedene Projekte vor:
Ausstellung zum Thema Rassismus für die Schule
Gestaltung einer Seite in der Schülerzeitung
Podiumsdiskussion mit Expertinnen und Experten
Einladung von Organisationen gegen Diskriminierung
Beteiligung am Projekt „Schule ohne Rassismus“
Planung eines Gottesdienstes zum Thema Menschenwürde und Gleichberechtigung
Die Lernenden entwickeln dadurch konkrete Handlungsmöglichkeiten gegen Ausgrenzung und Diskriminierung im schulischen Alltag.