Aus religionspädagogischer Sicht eignet sich das Medium in besonderer Weise für die Behandlung der Themen Menschenwürde, Menschenrechte, Gerechtigkeit, Verantwortung und christliches Menschenbild. Die Königsskulpturen schaffen einen emotionalen und symbolischen Zugang, der Lernende unmittelbar anspricht und die abstrakte Vorstellung von Würde konkret erfahrbar macht. Methodisch bietet die Unterrichtsidee zahlreiche Möglichkeiten für einen schülerorientierten und kompetenzfördernden Religionsunterricht. Der Einstieg kann über die Bildbetrachtung oder die Aktion „Rote Karte für Katar“ erfolgen und aktiviert Vorwissen sowie erste Werturteile. In der Erarbeitungsphase ermöglicht die Placemat Methode ein kooperatives und multiperspektivisches Lernen. Die Lernenden erschließen unterschiedliche Materialien arbeitsteilig, tauschen ihre Erkenntnisse aus und entwickeln auf dieser Grundlage eigene Positionen. Besonders gewinnbringend ist die Verbindung von ethischer Urteilsbildung und religiöser Anthropologie. Die Frage nach der Würde jedes Menschen kann mit biblischen Grundlagen wie der Gottesebenbildlichkeit des Menschen oder dem Gebot der Nächstenliebe verknüpft werden. Ebenso lassen sich Bezüge zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte herstellen. Die Materialien fördern die Fähigkeit, gesellschaftliche Entwicklungen kritisch zu analysieren, unterschiedliche Interessen abzuwägen und begründete moralische Urteile zu formulieren. Das Medium eignet sich besonders für die Sekundarstufe I und II und kann sowohl im Religionsunterricht als auch in fächerübergreifenden Projekten mit Ethik, Politik oder Sport eingesetzt werden. Durch die Aktualität des Themas und die Verbindung von Sport, Medien und Menschenrechten bietet die Unterrichtsidee zahlreiche Anknüpfungspunkte an die Lebenswelt der Lernenden.
Der Einstieg gelingt über ein Unterrichtsgespräch zu Fußball in Katar und einer Bildanalyse. Das Bild zeigt Holzfiguren in Fußballkleidung zum Teil mit einer Krone sowie einen Zeitungsausschnitt mit einer roten Karte. Darüber wird der Widerspruch zwischen König-Fußball und dem Königtum aller Menschen und ihre Rechte entwickelt. Diesen Zusammenhang wird angeleitet über einen tabellarischen Unterrichtsentwurf die Leitfrage der Notwendigkeit eines Boykotts der Fußball-Weltmeisterschaft bedingt durch Menschenrechtsverletzung erstellt.
In einem weiteren Schritt folgt eine Placemat. In Gruppenarbeit werden 6 Texte erarbeitet. Die Placemat mit ihren vier Feldern wird von jedem Lernenden nach Austausch mit vier anderen Lernenden, die andere Texte bearbeitet haben, ausgefüllt.
Themen sind dabei: Ausbeutung von Fremdarbeitern in Katar, fehlende Nachhaltigkeit bei der Umsetzung der Spiele und den Neubau großer Mengen von Infrastruktur, Situation der Frauen in Katar, sowie die Diskriminierung von Randgruppen der Gesellschaft und eine Stellungnahme des DFB zu diesen Zusammenhängen.
Der zentrale Arbeitsauftrag dazu ist auf Seite 8 im PDF enthalten. Abschließend wird eine persönliche Meinung in das zentrale Feld der Placemat eingetragen. Die Placemat selbst ist ebenfalls in Material enthalten.
Die so entwickelten Ansichten zur Leitfrage werden im Plenum diskutiert und können auch als Podiumsdiskussionen umgesetzt werden. Nach diesem Austausch sollte auch die Änderung oder Reflexion der entwickelten eigenen Meinung thematisiert werden.
Einstiegsmaterial: Königsskulpturen von Ralf Knoblauch
Zu Beginn betrachten die Lernenden die Königsskulpturen oder eine Bildcollage mit einer Königsfigur und einem Fußball. Die Figuren stehen symbolisch für die unantastbare Würde jedes Menschen. Die Lernenden beschreiben ihre Eindrücke, äußern Assoziationen und bringen ihr Vorwissen zur Weltmeisterschaft in Katar ein. Dadurch wird die Leitfrage der Unterrichtseinheit entwickelt.
Instagram Beitrag „Rote Karte für Katar“
Der Instagram Beitrag zeigt die Königsskulpturen mit einer roten Karte und verweist auf Menschenrechtsverletzungen in Katar. Die Lernenden analysieren die Bildsprache und die Botschaft des Beitrags. Sie diskutieren, warum die Figuren Solidarität mit Betroffenen ausdrücken und welche Verbindung zwischen Menschenwürde und Sport besteht.
Material M1: Die Situation der Fremdarbeiter im Land
Dieses Material informiert über die Arbeitsbedingungen von Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten auf den Baustellen der Weltmeisterschaft. Thematisiert werden niedrige Löhne, schlechte Unterkünfte, das Kafala System sowie zahlreiche Todesfälle auf Baustellen. Die Lernenden erarbeiten Argumente zur Frage, ob bei der Weltmeisterschaft Menschenrechte verletzt wurden und welche Verantwortung internationale Organisationen tragen.
Material M2: Stadienbau und Nachhaltigkeit
Der Text beschäftigt sich mit den ökologischen Folgen der Weltmeisterschaft. Die Lernenden untersuchen die Kritik am Bau neuer Stadien, den hohen Energieverbrauch, Klimaanlagen in Stadien und die Frage, ob die Nachhaltigkeitsversprechen Katars glaubwürdig sind. Dadurch wird die ethische Dimension von Umweltverantwortung und Nachhaltigkeit thematisiert.
Material M3: Die Situation von Frauen in Katar
Anhand konkreter Fallbeispiele lernen die Lernenden die Situation weiblicher Arbeitsmigrantinnen kennen. Sie setzen sich mit Ausbeutung, sexueller Gewalt, rechtlicher Benachteiligung und mangelndem Schutz von Frauen auseinander. Die Lernenden reflektieren die Bedeutung von Menschenrechten und Gleichberechtigung aus christlicher und gesellschaftlicher Perspektive.
Material M4: Diskriminierung homosexueller Menschen
Das Material behandelt Aussagen des WM Botschafters von Katar sowie Berichte über die Diskriminierung von LGBTQ Personen. Die Lernenden analysieren die Auswirkungen von Vorurteilen und Ausgrenzung auf die Menschenwürde und diskutieren, welche Bedeutung Toleranz, Respekt und Gleichberechtigung für eine offene Gesellschaft haben.
Material M5: Videos zu Menschenrechten und Katar
Mehrere QR Codes führen zu kurzen Videos über Frauenrechte, Arbeitsmigration, Boykottforderungen und Menschenrechtsverletzungen. Die Lernenden erschließen die Inhalte selbstständig, sammeln Informationen und übertragen ihre Ergebnisse auf das Placemat. Die Videos ermöglichen einen lebensnahen Zugang und fördern Medienkompetenz.
Material M6: Stellungnahme des Deutschen Fußball Bundes
Die Stellungnahme des DFB präsentiert Argumente gegen einen Boykott und betont die Möglichkeit, durch Dialog und Zusammenarbeit Verbesserungen anzustoßen. Die Lernenden lernen dadurch eine Gegenposition kennen und üben, unterschiedliche Perspektiven fair zu bewerten. Sie vergleichen die Argumente des DFB mit den zuvor erarbeiteten Kritikpunkten.
Placemat Vorlage
Die Placemat Vorlage dient als zentrales Arbeitsinstrument der Unterrichtseinheit. Zunächst notieren die Lernenden Ergebnisse aus ihrem eigenen Material. Anschließend tauschen sie sich mit Expertengruppen aus und ergänzen weitere Perspektiven. In der Mitte des Placemats formulieren sie schließlich ihre persönliche Position zur Leitfrage. Die Methode fördert Kooperation, Perspektivübernahme und Urteilsbildung.
Abschluss und Reflexion
Im letzten Unterrichtsschritt präsentieren die Gruppen ihre Ergebnisse. Dies kann durch eine Plenumsdiskussion oder eine Podiumsdiskussion erfolgen. Die Lernenden überprüfen ihre ursprüngliche Meinung und reflektieren, ob und warum sich ihre Haltung verändert hat. Auf diese Weise wird die ethische Urteilsfähigkeit gefördert und eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema Menschenwürde ermöglicht.