Didaktisch eignet sich das Medium besonders für einen problemorientierten Religionsunterricht in der Sekundarstufe, da aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen mit ethischen und philosophischen Fragestellungen verbunden werden. Das Material eröffnet Lernenden einen reflektierten Zugang zu politischen und religiösen Fundamentalismen und fördert demokratische Gesprächskultur sowie kritisches Denken. Methodisch arbeitet das Medium stark dialogisch und diskursorientiert. Die Lernenden tauschen zunächst eigene Wahrnehmungen von Europa, Politik und gesellschaftlicher Unsicherheit aus und lokalisieren problematische Entwicklungen auf einer Europakarte. Dadurch wird die Lebenswelt der Lernenden bewusst einbezogen und politische Bildung mit Religionsunterricht verknüpft. Im weiteren Verlauf diskutieren die Lernenden eigene Vorstellungen von Fundamentalismus und analysieren Erscheinungsformen politischer und religiöser Radikalisierung. Besonders bedeutsam ist die Verbindung von gesellschaftlicher Analyse mit psychologischen Fragestellungen nach den Ursachen extremistischer Haltungen. Der Text von Voltaire eröffnet einen philosophischen Zugang zum Thema Fanatismus und regt zur kritischen Auseinandersetzung mit Vernunft, Religion und Gewalt an. Durch das Unterstreichen zentraler Aussagen, das Sammeln von Merkmalen fanatischen Denkens sowie eine Disputation werden argumentative Kompetenzen, Urteilsbildung und Perspektivwechsel gefördert. Das Medium eignet sich daher besonders für Unterrichtseinheiten zu Demokratie, Religion und Gewalt, Menschenrechten, Extremismusprävention, politischer Bildung und interreligiösem Lernen.
Im Einstieg werden politische aktuelle Entwicklungen in Europa gesammelt, welche Angst erzeugen. In einem zweiten Schritt werden persönliche Erfahrung mit Fundamentalisten diskutiert. Es entsteht eine Definition von Fundamentalismus.
Der anschließende Schritt untersucht den Fanatismus-Begriff Voltaires. Er bezieht sich dabei vor allen Dingen auf Religionskritik an den Vorgängen im Mittelalter und den Religionskriegen. Voltaires Analyse ist dabei durch die Beschreibung von Fanatischen sprechen und handeln auch auf die heutige Situation übertragbar. In Partnerarbeit werden in einem weiteren Schritt Merkmale des Fanatismus gesammelt und im Plenum an der Tafel zusammengetragen. Die fünf wichtigsten Merkmale von Fanatismus werden ermittelt. Abschließend wird untersucht inwiefern Gesetze und Religion Fanatismus einschränken können. Dabei stellt sich heraus dass die innersten Einstellungen von Menschen nur von innen heraus verändert werden können. Externer Druck kann diese nur bedingt eindämmen. Sobald der Druck von außen abnimmt werden sie mit noch größerer Energie hervorbrechen. Moderne Beispiele können dafür in großer Anzahl genannt werden.