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Viera PirkerReligionspädagogische Beiträge

Viera Pirker,

Religionspädagogische Beiträge

Repräsentanz und Konstruktion von 'Wahrheit' auf Social Media

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel untersucht die Konstruktion von Wahrheit und Identität in der mediatisierten Lebenswelt, insbesondere auf Social-Media-Plattformen wie Instagram. Ausgehend von religionspädagogischen Perspektiven wird analysiert, wie religiöse Wahrheit in informellen Lernräumen verhandelt wird und wie eine identitätsbegleitende Religionspädagogik gestaltet sein kann, die zwischen Relativismus und Fundamentalismus vermittelt.

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Der Artikel behandelt die Frage, wie religiöse Wahrheit in der gegenwärtigen, pluralen und mediatisierten Lebenswelt religionspädagogisch neu verortet werden kann. Pirker konturiert zunächst die religionspädagogische Verortung der Wahrheitsfrage, wobei sie zwischen objektiven Wahrheitsansprüchen und subjektiven Erfahrungsdimensionen unterscheidet. Sie argumentiert, dass Wahrheit nicht nur als Eigenschaft verstanden werden sollte, sondern als existenzielle „Wahrheit-für-mich", die in Beziehungsgefügen zwischen Personen und Gegenständen entsteht. Als Beispiel dient die narrative Analyse einer Restauratorin, die eine Jesusfigur aus Zirbenholz restauriert und dabei eine religiöse Wahrheit in wechselseitiger Aneignung erlebt. Im zweiten Teil wird eine „identitätsbegleitende Religionspädagogik" konzeptualisiert, die individuelle Identitätskonstruktionsprozesse in ihrer Komplexität anerkennt und religiöse Bildung nicht auf schulische Settings begrenzt. Die Autorin verweist auf Social-Media-Plattformen wie Instagram als informelle Lernorte, die bisher religionspädagogisch unterbeleuchtet sind. Der dritte Teil analysiert drei konkrete Instagram-Stories: (1) Eine österreichische Bloggerin, die ihre Identitätskrise und Entwicklung authentisch erzählt und dabei Selbstsorge, Seelsorge und Leibsorge verbindet; (2) eine US-amerikanische Mutter, die ihren Sohn mit traditionellem Katechismus unterrichtet und dabei Satzwahrheiten prolongiert; (3) ein Theologiestudent, der von einer Gotteserfahrung im Alltag erzählt und damit eine erfahrungshaltige, beziehungsorientierte Wahrheitskonzeption repräsentiert. Pirker zeigt, dass auf Instagram verschiedene Wahrheitskonzeptionen konstruiert werden – von fundamentalistischen Satzwahrheiten bis zu subjektiven Erfahrungswahrheiten. Sie argumentiert abschließend, dass die zentrale religionspädagogische Frage nicht „Wo kommt Wahrheit ins Spiel?" sondern „Wer bringt Wahrheit ins Spiel?" lauten sollte. Dies verlagert den Fokus von abstrakten Wahrheitsdefinitionen auf konkrete Menschen, Begegnungen und Orte, an denen religiöse Wahrheit gelebt und geteilt wird. Die Perspektive der ersten Person und ihre Relationalität werden als wesentlich für Wahrheitskonzeptionen erachtet.

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