Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders für die Jahrgangsstufe 8 und für Themenbereiche wie Kirche, Gott, Mensch und Welt, Bibel und Tradition sowie Jesus Christus. Die Unterrichtsidee fördert Wahrnehmungskompetenz, Deutungskompetenz, Urteilskompetenz, Kommunikationskompetenz und Partizipationskompetenz. Didaktisch besonders wertvoll ist der Zugang über Bilder, weil religiöse Bilder mehrdeutig sind, Fragen hervorrufen und unterschiedliche Wahrnehmungen und Interpretationen ermöglichen. Damit wird vermieden, Hildegards Visionen vorschnell durch vorgegebene Erklärungen auf eine einzige Bedeutung festzulegen. Gerade die Fremdheit der mittelalterlichen Mystik kann produktiv genutzt werden. Als Einstieg kann zunächst die Person Hildegard von Bingen knapp vorgestellt werden. Biografische Informationen sollten dabei vor allem dazu dienen, die historische Distanz sichtbar zu machen und Fragen der Lernenden hervorzurufen. Anschließend empfiehlt es sich, eine Buchminiatur zunächst ohne Titel und Erklärung zu präsentieren. Die Lernenden beschreiben ausschließlich, was sie wahrnehmen, und unterscheiden dabei bewusst zwischen Beobachtung und Interpretation. Erst danach formulieren sie Vermutungen zur Bedeutung von Farben, Kreisen, Figuren, Licht, Feuer oder anderen Symbolen. Die im Medium vorgestellte Unterrichtssequenz arbeitet mit kleinen Gruppen von drei bis vier Personen. Jede Gruppe erhält zunächst eine Buchmalerei, beschreibt diese gemeinsam und hält wichtige Beobachtungen fest. Anschließend erhält sie den Text einer anderen Vision, sodass die vorhandene Buchmalerei nicht bereits vorgibt, wie der gelesene Text bildlich umgesetzt werden könnte. Besonders geeignet ist die kreative Einzelarbeit mit den auf den Seiten 8 und 9 abgedruckten Visionstexten. Dort werden die Lernenden ausdrücklich aufgefordert, einen Text auszuwählen und das Gelesene anschließend zu malen. Die Texte enthalten eine intensive Symbolsprache mit Licht, Feuer, Farben, Engeln, Kreisen, menschlichen Gestalten, Türmen und Edelsteinen. Für die Gestaltung sollte genügend Zeit eingeräumt werden. Das Medium kalkuliert dafür etwa zwei bis drei Unterrichtsstunden und schlägt vor, während der stillen Arbeitsphase Gesänge Hildegards als Meditationsmusik einzusetzen. Wichtig ist, dass die künstlerische Qualität der Bilder nicht bewertet wird. Im Zentrum stehen Wahrnehmung, persönliche Vorstellung und religiöse Deutung. In einer anschließenden Präsentationsphase erläutern die Lernenden ihre Bilder und begründen, welche Elemente des Visionstextes sie aufgegriffen und weshalb sie diese auf eine bestimmte Weise gestaltet haben. Erst danach werden der Originaltext und die historische Buchmalerei miteinander verglichen. Dadurch entsteht ein produktiver Dreischritt aus Text, eigener Gestaltung und mittelalterlicher Darstellung. Im gemeinsamen Unterrichtsgespräch können Gemeinsamkeiten und Unterschiede untersucht sowie Gefühle, Beobachtungen und unterschiedliche Deutungen ausdrücklich zugelassen werden. Genau dieses Vorgehen sieht auch das Medium für die Sicherungsphase vor. Eine vertiefende religionsdidaktische Phase sollte anschließend den Begriff Mystik erschließen. Dabei können die Lernenden fragen, was eine Vision von einem Traum unterscheidet, wie Menschen religiöse Erfahrungen sprachlich und bildlich ausdrücken und weshalb religiöse Erfahrungen häufig symbolische Sprache benötigen. Ebenso können einzelne Motive mit biblischen und christlichen Traditionen verbunden werden. Das Kompetenzraster des Mediums nennt beispielsweise Engelvorstellungen, die Dreifaltigkeit Gottes und den Vergleich religiöser Bildsymbole mit bekannten Motiven aus der jüdischen und christlichen Tradition. Besonders wichtig ist der Lebensweltbezug: Die Lernenden können überlegen, welche Bilder sie selbst für Hoffnung, Gott, Geborgenheit, Angst, Ewigkeit oder Transzendenz wählen würden. Dadurch wird Hildegard nicht lediglich als historische Persönlichkeit behandelt, sondern zum Ausgangspunkt für die Frage, wie Menschen Unsichtbares, Transzendentes und religiöse Erfahrungen überhaupt ausdrücken können. Als Abschluss eignet sich eine Ausstellung der entstandenen Bilder mit kurzen persönlichen Deutungstexten. Auch der Beitrag selbst schlägt vor, ausgewählte Arbeiten mit Zustimmung der Lernenden öffentlich zu präsentieren. Auf diese Weise verbindet das Medium historische Bildung, ästhetisches Lernen, kreatives Gestalten, persönliche Reflexion und religiöse Sprachfähigkeit.
Die Kleingruppen stellen bildlich dar: 1. Das Weltall, 2. Der Weg der Erlösung, 3. Chöre der Engel, 4. Die wahre Dreiheit, 5. Der Tag der Offenbarung, 6. Die Turmvision: Mit Kraft gesalbt. Die Ergebnisse werden vom Plenum. Diese werden dann mit Illustrationen aus dem Mittelalter verglichen. Unterschiede und Gemeinsamkeiten werden diskutiert. Auch Ausstellungen mit den eindrucksvollsten Bildern sind möglich. Das Material zeigt Beispiele und gibt die benötigten Textpassagen wieder.