Christian Högers Artikel analysiert die didaktische Herausforderung, Wunder im Religionsunterricht zu thematisieren, die zwischen Entmythologisierung und historischer Interpretation oszilliert. Er benennt drei zentrale Aufgaben für Religionspädagogen: das Verständnis lebensweltlicher Zugänge von Lernenden, die biblisch-theologische Klärung von Wundertexten und die didaktische Reflexion von Lernprozessen. Der Artikel referenziert entwicklungstheoretische Ansätze von Goldman, Fowler und Oser/Gmünder, die zeigen, dass jüngere Kinder Wunder magisch-konkret verstehen, während ältere Schüler zu symbolischen oder reflektierten Interpretationen gelangen. Ferner werden weltbildliche Paradigmen dargestellt: Wunderglaube ist nur im exklusiven Theismus oder naturalistischen Schöpferglauben möglich. Quantitative Daten aus Allensbach-Umfragen deuten auf wachsenden Wunderglauben in Deutschland hin. Qualitative Studien belegen, dass Jugendliche biblische Wunder kritisch hinterfragen, gleichzeitig aber offen für Wundererfahrungen in ihrer Lebenswelt sind – besonders in Fantasy-Kontexten, Superhelden-Narrativen und Popkultur. Der Artikel argumentiert, dass Religionspädagogen diese ambivalente Haltung ernst nehmen und produktiv im Unterricht nutzen sollten, um authentisches theologisches Lernen zu ermöglichen.