Der Artikel behandelt Hochschulbildung als Verbindung von Fachausbildung und Persönlichkeitsentwicklung und fokussiert auf die Frage, wie Universitäten und Hochschulen Orte religiöser Bildung sein können. Religiöse Bildung wird im weiteren Sinne als Thematisierung existentieller Sinn- und Lebensfragen verstanden, die über reine Glaubenspraxis hinausgeht und für alle Studierenden relevant ist. Der Bildungsbegriff wird in seiner christlich-pädagogischen Fassung vorgestellt, die auf die Würde und Einzigartigkeit des Menschen sowie auf die Entwicklung von Kompetenzen wie Kreativität, Verantwortung und Gerechtigkeitssinn abzielt. Kirchen in Deutschland setzen sich dafür ein, dass Bildung nicht auf ökonomische Ausbildung reduziert wird, sondern auch geschichtliche, ästhetische, religiöse und ethische Dimensionen umfasst. Der Text konstatiert, dass religiöse Bildung im Hochschulkontext bislang selten als eigenständige Aufgabe formuliert wird, obwohl sie in kirchlichen Dokumenten gefordert wird. Eine wichtige Ausnahme bildet die Ausbildung von Religionslehrerinnen und Religionslehrern, wo religiöse Bildung als notwendig erachtet wird, um berufliche Identität zu entwickeln. Dies erfordert von der Universität, dass sie den Studierenden hilft, die existentielle Dimension ihres Glaubens zu reflektieren und in Beziehung zu ihrer beruflichen Aufgabe zu setzen. Der Artikel plädiert dafür, religiöse Bildung als integralen Bestandteil universitärer Bildung zu verstehen, der sowohl fachliche Kompetenz als auch persönliche Orientierung ermöglicht.