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WiReLex | Deutsche Bibel GesellschaftEva Stögbauer-Elsner

WiReLex | Deutsche Bibel Gesellschaft,

Eva Stögbauer-Elsner

Theodizee

Veröffentlichung:1.5.2026

Der Artikel untersucht die Theodizeefrage – die Frage, wie die Existenz von Leid und Übel mit dem Glauben an einen allmächtigen und gütigen Gott vereinbar ist – und deren Bedeutung für die religiöse Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Während frühere religionspädagogische Forschung der Theodizeefrage eine zentrale Rolle beim Glaubensverlust zuschrieb, deuten neuere Studien auf eine eher marginale Bedeutung hin. Der Artikel zeigt, dass der Stellenwert der Theodizeefrage stark von individuellen Gotteskonzepten, persönlichen Erfahrungen und religiösen Überzeugungen abhängt. Für die religionspädagogische Praxis wird plädiert, sensibel auf die heterogenen Weisen einzugehen, wie Heranwachsende Leid und Gott verarbeiten.

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Die Theodizeefrage, ein von Leibniz geprägter Neologismus, bezeichnet die Aufgabe, die Existenz von Übel in der Welt mit dem Glauben an einen allmächtigen und gütigen Gott zu vereinbaren. Religionspädagogische Forschungen zeigen unterschiedliche Befunde zum Stellenwert dieser Frage für Heranwachsende: Während Nipkow vor etwa 30 Jahren die Theodizeefrage als zentrale Schwierigkeit in der Gottesbeziehung Jugendlicher identifizierte, da diese Gott als liebevollen Helfer erwarten, dessen Nichteingreifen zu Glaubensverlust führt, argumentiert das Forscherteam um Ritter und Hanisch dagegen für eine nur marginale Rolle der Theodizeefrage im Kindes- und Jugendalter. Diese gegensätzlichen Befunde erklären sich durch unterschiedliche Reaktionsmuster: Manche Heranwachsende haben bereits plausible Erklärungen für Gottes Abwesenheit, andere lösen das Leidproblem durch alternative Sinnaspekte auf. Mit dem Plausibilitätsverlust des theistischen Gottesglaubens in der Moderne könnte die Theodizeefrage für viele Jugendliche obsolet werden, da sie bereits nicht-religiöse Weltbilder vertreten. Aktuelle Forschung kommt zu dem Ergebnis, dass die Theodizeefrage weder eine Schlüsselposition noch völlige Bedeutungslosigkeit hat, sondern perspektivisch in unterschiedlichen Kontexten thematisiert wird. Der Stellenwert hängt von der individuellen Gotteskonzeption ab: Ein Bild des hilfsbereiten Gottes ist theodizee-sensitiv, während deistische oder säkulare Konzepte eher theodizee-resistent sind. Der Artikel differenziert sieben typische Stile oder Profile (Bekenner, Zweifler, Sympathisanten, Neutrale, Relativierer, Verneiner, Polemiker), die zeigen, wie unterschiedlich Heranwachsende die Theodizeefrage verarbeiten. Diese Profile sind relativ stabil, können sich aber durch persönliche Erfahrungen und situative Faktoren verändern. Für die religiöse Bildungspraxis folgt daraus die Notwendigkeit, hinzuhören und sensibel auf die heterogenen Weisen einzugehen, wie verschiedene Adressatengruppen Leid und Gott verarbeiten.

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