Der Artikel von Saskia von Münster analysiert das Verhältnis zwischen christlichen Kirchen und Sport vom chronologischen Blickwinkel aus und dokumentiert ein spannungsreiches, aber kontinuierliches Engagement. Beginnend mit Johann Amos Comenius und fortgeführt durch die pietistische Tradition und die Philanthropen wurde Leibesübungen als Teil der christlichen Erziehung etabliert. Friedrich Ludwig Jahn prägte mit seinem Wahlspruch "frisch, frei, fröhlich, fromm" die ideelle Verbindung von Körperlichkeit und Frömmigkeit. Mit der Gründung der YMCA im 19. Jahrhundert wurde Sport fest in die christliche Missionsarbeit integriert, was ab 1882 zur Gründung des CVJM führte. Auf katholischer Seite entstanden durch Adolph Kolping Gesellenvereine und später der DJK-Sportverband (1920), wobei Päpste von Pius X. bis Johannes Paul II. die Bedeutung des Sports unterstützten. Heute sind CVJM mit über 44.000 Sporttreibenden und DJK mit rund 500.000 Mitgliedern in christliche Sportbewegung institutionalisiert. Der Artikel charakterisiert christliche Sportgruppen durch Freiwilligkeit, demokratische Prozesse, ehrenamtliches Engagement, Inklusionsorientierung und die Kommunikation evangelischer Werte. Das besondere Merkmal ist die Spannung zwischen Integrations- statt Leistungsorientierung sowie die Vermittlung von Nächstenliebe durch körperliche Bewegung. Beide Verbände arbeiten ökumenisch offen und fördern ganzheitliche Menschenentwicklung. Der Autor weist jedoch darauf hin, dass ein wissenschaftlicher Dialog zwischen Sport- und Religionspädagogik bisher kaum stattgefunden hat und erhebliches Entwicklungspotential besteht.