Der Artikel von Jan Woppowa behandelt spirituelles Lernen als systematische didaktische Lernform im Bereich religiöser Bildung. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass Spiritualität in der Spätmoderne verstärkt als individuelle, erfahrungsgesättigte Suche verstanden wird und dabei den Begriff des Religiösen zunehmend verdrängt. Der Autor grenzt spirituelles Lernen von anderen Lernformen ab und unterscheidet zwischen funktionalen Lernanlässen (wie Familiengebete oder Museumsbesuche), bei denen Spiritualität nebenbei erlebt wird, und intentionalen Lernanlässen (wie Religionsunterricht oder Exerzitien), wo spirituelle Lernprozesse gezielt gestaltet werden. Theoretisch wird Spiritualität definiert als Lebensweise im Kontakt mit einer geistigen Größe, wobei zwischen weiterem anthropologischem und engerem theologischem Begriffsverständnis unterschieden wird. Der Autor argumentiert, dass Spiritualität – verstanden als Verbundenheit – entwicklungstheoretisch relevant und lernbar ist, weshalb von spiritueller Kompetenz gesprochen werden kann. Die psychologische Spiritualitätsforschung identifiziert Verbundenheit als Kernkomponente, differenziert zwischen horizontaler Verbundenheit (mit Natur, Kosmos, Mitwelt) und vertikaler Verbundenheit (mit Transzendenz und dem eigenen Selbst). Woppowa plädiert für eine didaktisch-konzeptionelle Grundlegung spirituellen Lernens, die lernortspezifisch zu erfolgen hat und die Eigenlogik verschiedener Bildungsorte respektiert. Dabei wird argumentiert, dass spirituelle Bildung als spezifischer Modus der Weltbegegnung und Selbsterschließung des Subjekts fungiert und zur Ausdifferenzierung religiöser Kompetenz wesentlich beiträgt.