Die Schulbuchforschung ist eine wissenschaftliche Disziplin, die sich der systematischen Analyse von Schulbüchern widmet. Ihre theoretischen Grundlagen wurden bereits von Johann Amos Comenius (1592–1670) gelegt, der differenzierte Schulbuchkonzepte mit gestuften Lernzielen und Binnendifferenzierung entwickelte und diese im Orbis Pictus praktisch umsetzte. Die moderne Schulbuchforschung entstand nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg durch Initiativen des Völkerbundes und der UNESCO, um Vorurteile und Feindbilder in Schulbüchern zu identifizieren und abzubauen. In der Bundesrepublik Deutschland kristallisierte sich die Schulbuchforschung um Institutionen wie das Georg-Eckert-Institut (seit 1975) und die Internationale Gesellschaft für historische und systematische Schulbuchforschung (seit 1997) heraus. Ursprünglich konzentrierte sich die Forschung auf die Aufdeckung von Wir-Sie-Strukturen und Freund-Feind-Schemata, insbesondere zwischen Deutschland und seinen Nachbarn. Die Analysedimensionen haben sich erheblich erweitert und umfassen heute fachdidaktische Perspektiven, Schulbücher als Medien im Medienverbund, die gesellschaftliche Produktion von Schulbüchern sowie deren Nutzung und Wirkung. Die Forschung hat sich von einer reinen Inhaltsanalyse zu einer Prozess-, Produkt- und Wirkungsorientierung entwickelt und untersucht dabei sowohl Auswirkungen auf internationale Beziehungen als auch auf Lehrkräfte und Schüler. Ein zentrales Anliegen bleibt die Betonung der wissenschaftlichen Unabhängigkeit von politischen und wirtschaftlichen Einflüssen.