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WiReLex | Deutsche Bibel GesellschaftDetlef Pollack

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Detlef Pollack

Säkularisierung

Veröffentlichung:1.5.2026

Der Artikel behandelt die Säkularisierungsthese, ein umstrittenes Konzept, das den Rückgang der gesellschaftlichen Bedeutung von Religion in modernen Gesellschaften beschreibt. Der Begriff entwickelte sich vom kirchenrechtlichen Kontext des Mittelalters zu einem kulturhistorischen Konzept, das verschiedene Bedeutungsschichten aufweist. Pollack unterscheidet zwischen genealogischen Deutungen (Säkularisierung theologischer Ideen) und quantitativen Ansätzen (Rückgang der Religiosität), wobei letztere in den Sozialwissenschaften dominiert. Der Artikel analysiert zentrale Säkularisierungstheorien von Wilson, Bruce und Luhmann, die unterschiedliche Modernisierungsfaktoren wie Differenzierung, Pluralismus und funktionale Spezialisierung als Ursachen religiösen Wandels ausmachen.

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Die Säkularisierungsthese ist ein vielfältig genutztes und umstrittenes Konzept zur Beschreibung des Verhältnisses von Religion und Moderne. Pollack identifiziert zwei unverzichtbare Kernaussagen: erstens die empirisch-historische Feststellung, dass die soziale Signifikanz von Religion in modernen Gesellschaften gegenüber vormodernen Epochen abnimmt, und zweitens die Annahme, dass Modernisierungsprozesse ein wesentlicher Faktor für diesen religiösen Bedeutungsrückgang sind. Der Begriff hat eine lange Geschichte: Ursprünglich bezeichnete Säkularisierung im mittelalterlichen Kirchenrecht den Wechsel von Ordensmitgliedern in den weltlichen Stand und später die Überführung kirchlicher Güter in weltlichen Besitz. Heute wird zwischen genealogischen Deutungen (religiöse Wurzeln säkularer Ideen) und quantitativen Ansätzen (Rückgang des Stellenwerts von Religion) unterschieden, wobei letztere in den Sozialwissenschaften vorherrscht. Bryan Wilsons einflussreicher Ansatz führt religiöse Positionsverluste auf soziale Differenzierung, Vergesellschaftung und Rationalisierung zurück. Steve Bruce betont den destabilisierenden Effekt religiösen Pluralismus und egalitären Individualismus auf religiöse Überzeugungen. Niklas Luhmann argumentiert, dass die funktionale Differenzierung moderner Gesellschaften zur Privatisierung von Glaube führt und die gesellschaftliche Integrationsfunktion von Religion schwächt. Die Säkularisierungsthese wird sowohl als verlustgeschichtliches Narrativ als auch als fortschrittsoptimistische Emanzipationsgeschichte interpretiert und bleibt ein vielfältig nutzbares Medium der Selbstverständigung der Moderne.

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