Der Artikel von Sungsoo Hong analysiert den Resilienzbegriff und seine Relevanz für die Religionspädagogik. Der Begriff leitet sich etymologisch vom lateinischen resilire ab und bezeichnet ursprünglich die physikalische Eigenschaft von Materialien, ihre Form wiederherzustellen. In pädagogischen Kontexten wird Resilienz als psychische Widerstandsfähigkeit gegen biologische, psychologische und psychosoziale Entwicklungsrisiken definiert. Die gestiegene Aktualität des Resilienzbegriffs steht in direktem Zusammenhang mit dem gegenwärtigen Krisenbewusstsein, das durch Pandemien, Kriege und globale Unsicherheiten geprägt ist. Der Artikel unterscheidet zwei Forschungslinien: technisch-naturwissenschaftliche Ansätze und anthropologische Forschungen in Psychologie, Psychiatrie und Pädagogik. Die Pionierarbeit der Kauai-Langschnittstudie von Werner und Smith hat den Resilienzbegriff empirisch begründet und weitere Forschungen zu Schutz- und Risikofaktoren angestoßen. Der Ansatz der Salutogenese nach Aaron Antonovsky, besonders das Konzept des Kohärenzgefühls, bietet eine theoretische Grundlage für das Resilienzbegriff und ist für theologisch-religionspädagogische Diskurse anschlussfähig. Der Artikel differenziert zwischen einem engeren Resilienzbegriff (Bewältigung außeralltäglicher Krisen) und einem weiteren Verständnis (Bewältigung alltäglicher Entwicklungsaufgaben). Zentrale Merkmale der Resilienz sind die Perspektivenverschiebung von Defiziten zu Stärken, die Anerkennung dynamischer Prozesse und das Verständnis als erwerbbare Kompetenz. Resilienz wird als pädagogisch relevante Aufgabe interpretiert, die durch förderliche Beziehungsgestaltung und eine von Optimismus geprägte Grundhaltung professioneller Pädagoginnen und Pädagogen unterstützt wird. Die Aufnahme von Resilienz in Bildungspläne zeigt die breite pädagogische Anerkennung des Konzepts.