Bernd Schröder analysiert die Forschungslandschaft zum Religionsunterricht als Schulfach systematisch nach fünf Dimensionen: der Organisationsform von Religion in Schulen, der konfessionellen und religiösen Pluralisierung, dem Verhältnis zu Alternativ- und Ersatzfächern, der historischen Entwicklung und dem internationalen Kontext. Der Artikel betont, dass der deutsche Religionsunterricht seit über hundert Jahren auf dem Modell der res mixta basiert, das die gemeinsame Verantwortung von Staat und Religionsgemeinschaften regelt und sich international kaum vergleicht. Traditionell war die Forschung stark von evangelischer und katholischer Perspektive geprägt und konzentrierte sich auf die Theorie des Religionsunterrichts innerhalb dieses etablierten Bezugsrahmens. Zunehmend richten Forschende ihren kritischen Blick auf diesen Rahmen selbst und untersuchen historische Alternativmodelle, gegenwärtige Praktiken empirisch und adaptive Weiterentwicklungen. Besonders beforschte Innovationen sind der konfessionell-kooperative Religionsunterricht, der multireligiöse Hamburger Weg und der fächerkooperative Unterricht. Die Studien zeigen, dass Organisationsformen zwar rechtlich normiert sind, aber inhaltlich veränderbar bleiben, wenn dies religionspädagogisch begründet ist. Die empirische Forschung zur tatsächlichen Wirksamkeit verschiedener Modelle bleibt jedoch unterentwickelt, weshalb evidenzbasierte Entscheidungen über optimal gestaltete Organisationsformen noch nicht möglich sind. Neben dem klassischen Modell nach Art. 7,3 GG existieren alternative Organisationsformen in einzelnen Bundesländern, erhalten aber deutlich weniger wissenschaftliche Aufmerksamkeit.